Die Finanzaufsicht BaFin hat erneut den Kundennutzen fondsgebundener und hybrider Lebensversicherungen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die Kosten sind gesunken – doch an mehreren Stellen bleibt Kritik.

Wer sein Geld in eine fondsgebundene oder hybride Lebensversicherung investiert, zahlt tendenziell weniger als noch vor fünf Jahren. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die bei 54 Lebensversicherern Daten zu den sogenannten Effektivkosten erhoben hat. Der Befund: Ein zentraler Indikator für den Kundennutzen hat sich verbessert – doch es gibt auch Kritik.

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BaFin untersucht Lebensversicherungen: Gemischtes Urteil

Im Vergleich zur letzten Erhebung aus dem Jahr 2021 sind die Effektivkosten bei fondsgebundenen und hybriden Versicherungsanlageprodukten (VAP) spürbar gesunken. Die BaFin wertet dies in einer Mitteilung als ersten Erfolg ihrer Wohlverhaltensaufsicht, mit der sie Versicherer seit Jahren zu Anpassungen drängt. Einzelne Anbieter hatten auf Druck der Behörde sogar Produkte vom Markt genommen, weil diese zu teuer waren und zu wenig Nutzen für Kunden boten.

Doch die Spanne bleibt groß: Im teuersten Viertel des Marktes liegen die Effektivkosten bei fondsgebundenen Produkten nach 15 Jahren noch immer bei rund 3,2 Prozent – und das bei vorzeitiger Kündigung zur Hälfte der Laufzeit. Im Schnitt entspricht das einem bis zu 1,5 Prozentpunkte mehr als bei regulärer Vertragsdauer. Erst unterhalb dieser Kostenschwelle profitieren Kundinnen und Kunden tatsächlich von der erzielten Rendite.

Bei klassischen Lebensversicherungen mit ohnehin niedrigeren Kosten habe sich dagegen kaum etwas verändert, so die BaFin.

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Das Problem: Viele kündigen zu früh – und zahlen den höchsten Preis

Besonders kritisch beobachtet die Aufsicht die hohen Frühstornoquoten. Bei vielen Versicherern beenden bis zu 50 Prozent der Kunden ihren Vertrag vorzeitig. Da Abschlusskosten meist zu Beginn der Laufzeit anfallen und aus den Beiträgen der ersten Jahre gedeckt werden, trifft eine frühzeitige Kündigung Versicherungsnehmer besonders hart: Die Rendite schrumpft – und der Kundennutzen kann in solchen Fällen vollständig verloren gehen.

Eine hohe Frühstornoquote ist für die BaFin zugleich ein Warnsignal: Sie kann darauf hindeuten, dass Produkte außerhalb des vorgesehenen Zielmarkts vertrieben wurden – also an Kunden verkauft wurden, für die sie nicht geeignet sind.

Weiterführende Links

Erstmals: BaFin blickt in die Rentenphase

Neu an der aktuellen Untersuchung ist der erweiterte Blick auf den Kundennutzen in der Rentenbezugsphase. Und hier offenbaren sich erhebliche Lücken: Mehr als die Hälfte der befragten Lebensversicherer sieht für Verträge im Rentenbezug derzeit keinen Risikoüberschussanteil vor. Als Begründung führen viele Unternehmen an, dass sie in der Vergangenheit Rückstellungen wegen unterschätzter Lebenserwartung erhöhen mussten – eine Argumentation, die die Aufsicht skeptisch bewertet.

In einem Interview betonte laut BaFin-Mitteilung die Exekutivdirektorin Versicherungs- und Pensionsfondaufsicht, Julia Wiens, dass es wichtig sei, dass den Kundinnen und Kunden eine angemessene Überschussbeteiligung zugutekomme und die Sicherheitsmarge diese nicht einseitig belaste.

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Was Anleger jetzt wissen sollten

Für Verbraucherinnen und Verbraucher, die eine fondsgebundene oder hybride Lebensversicherung abschließen wollen oder bereits haben, lassen sich aus der BaFin-Untersuchung folgende Anhaltspunkte ziehen:

1. Effektivkosten vergleichen: Der Kostenkennwert ist der entscheidende Indikator. Produkte im oberen Viertel des Marktes können die Rendite massiv belasten.

2. Laufzeit einhalten: Wer vorzeitig kündigt, zahlt überproportional – die Abschlusskosten lasten besonders in den ersten Jahren schwer.

3. Rentenphase nicht vergessen: Auch die Konditionen im Rentenbezug sollten beim Abschluss geprüft werden – nicht alle Anbieter beteiligen Kunden fair an Überschüssen.

4. Produkte kritisch hinterfragen: Die BaFin hat bereits Produkte vom Markt genommen, die keinen angemessenen Kundennutzen boten. Wer noch einen solchen Vertrag hält, sollte prüfen, ob ein Wechsel sinnvoll ist.

Häufige Fragen

Was hat die BaFin bei ihrer aktuellen Untersuchung von Lebensversicherungen festgestellt?

Die BaFin hat bei 54 Lebensversicherern die Effektivkosten fondsgebundener und hybrider Produkte erhoben. Das Ergebnis: Die Kosten sind seit 2021 spürbar gesunken, was die Behörde als Erfolg ihrer Wohlverhaltensaufsicht wertet. Gleichzeitig kritisiert sie weiterhin hohe Frühstornoquoten und Lücken bei der Überschussbeteiligung in der Rentenphase.

Warum ist eine vorzeitige Kündigung einer Lebensversicherung so teuer?

Abschlusskosten werden bei Lebensversicherungen typischerweise aus den Beiträgen der ersten Jahre gedeckt. Wer vorzeitig kündigt, hat diese Kosten bereits getragen, profitiert aber nicht mehr von der angestrebten Rendite. Bei manchen Anbietern kündigen bis zu 50 Prozent der Kunden vor Ablauf der vereinbarten Laufzeit – mit erheblichen finanziellen Nachteilen.

Was bedeutet die BaFin-Studie für Menschen, die bereits eine fondsgebundene Lebensversicherung haben?

Betroffene sollten die Effektivkosten ihres Vertrags prüfen und mit dem Marktdurchschnitt vergleichen. Liegt der Vertrag im teuren oberen Viertel, kann die Rendite stark belastet sein. Außerdem lohnt ein Blick auf die Konditionen in der Rentenphase: Nicht alle Anbieter beteiligen Kunden fair an erwirtschafteten Überschüssen. In Einzelfällen kann ein Produktwechsel sinnvoll sein.