Die Kurse der Heidelberg-Materials-Anleihen sind zuletzt etwas zurückgekommen. Die langen Laufzeiten 2035 und 2036 lohnen sich jetzt besonders
Wer an einer Großbaustelle vorbeikommt, der wird dort mit recht großer Sicherheit mit einem „Stück“ Heidelberg Materials konfrontiert. Denn das Unternehmen, das bis 2022 noch HeidelbergCement hieß, zählt zu den weltgrößten Baustoffkonzernen: Zement, Beton, Zuschlagstoffe und Asphalt, produziert in gut 50 Ländern, mit über 50.000 Beschäftigten. Rund 45 Prozent des Umsatzes stammen aus dem Zement-Business, der Rest aus Beton, Asphalt und Granulat.
Insgesamt ist das ein Geschäft mit langen Zyklen, hoher Preissetzungsmacht — aber auch einem gewaltigen CO2-Rucksack, an dem sich derzeit vieles entscheidet. Aber der Reihe nach. Fakt ist, wo gebaut wird, fließen stetige Erträge, und die braucht es, um Zinsen zuverlässig zu bedienen. Und genau deshalb ist der Konzern auch für Anleihe-Anleger interessant. So sind an der Börse Frankfurt aktuell elf Anleihen des Unternehmens handelbar. Sie stammen alle aus einem Programm, das dem Konzern Schuldverschreibungen von bis zu zehn Milliarden Euro erlaubt. Die Kupons reichen dabei von 1,5 Prozent aus der Niedrigzinsphase bis zu 4,875 Prozent bei jüngeren Papieren.
Für Anleger sind derzeit aber vor allem die beiden langlaufenden Papiere spannend: die Variante mit einer Laufzeit bis Juli 2035 und einem Kupon von glatt vier Prozent, und das Papier, das 2036 fällig wird (siehe Kasten oben). Beide notieren derzeit einige Punkte unter pari und werfen Renditen von jeweils etwa 4,2 Prozent ab — für einen soliden Investment-Grade-Emittenten ein durchaus ansprechender Wert. Entscheidender Unterschied der beiden: Das 2035er-Papier wurde vom Konzern selbst begeben, die 2036-Variante von der Tochter Heidelberg Materials Finance Luxembourg. Das klingt nach zwei Welten, ist aber praktisch dasselbe in Grün. Die Finance-Gesellschaft ist eine reine Finanzierungstochter mit Sitz in Luxemburg. Sie nimmt am Kapitalmarkt Geld auf und reicht es innerhalb des Konzerns weiter. Ein gängiges Konstrukt, das viele Großkonzerne aus steuerlichen und rechtlichen Gründen nutzen. Entscheidend für Anleger: Die Luxemburger Anleihen werden durch die Muttergesellschaft garantiert. Fällt die Tochter aus, haftet die Mutter. Entsprechend bewerten die Ratingagenturen beide Emittenten identisch positiv.
Rekorde und ein Problem
Die Fundamentaldaten geben das her. 2025 war operativ ein Rekordjahr. Der Umsatz kletterte auf 21,5 Milliarden Euro, das Ergebnis des laufenden Geschäftsbetriebs stieg um sechs Prozent auf einen Rekordwert von 3,4 Milliarden Euro. Dazu erhöhte Heidelberg die Dividende und legte ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm auf. Der Start ins Jahr 2026 fiel dagegen holprig aus. Im ersten Quartal ging der Umsatz um vier Prozent zurück, das operative Ergebnis brach sogar um rund 30 Prozent ein. Verantwortlich war vor allem ungewöhnlich schlechtes Wetter in wichtigen Märkten, also ein saisonaler Effekt, kein struktureller Bruch. Preissetzungsmacht und das Sparprogramm „Transformation Accelerator“ hielten die Margen bemerkenswert stabil. Den Ausblick bestätigte der Konzern. Für das Gesamtjahr erwartet das Management ein operatives Ergebnis zwischen 3,4 und 3,75 Milliarden Euro. Genau dieser Ausblick erklärt aber auch einen Teil der etwas gedrückten Anleihepreise, liegt doch der Mittelwert der Prognose rund 3,6 Prozent unter den bisherigen Analystenerwartungen. Hinzu kommen zwei Dauerthemen: das allgemein höhere Zinsniveau, das ältere Anleihen im Kurs drückt und Renditen steigen lässt. Dazu kommt ein Unsicherheitsfaktor aus der Klimapolitik. Heidelberg Materials investiert viel Geld, um CO2 beim Zement einzusparen oder abzuscheiden. Ob und wie stark der Staat solche Technik künftig fördert — und welche Regeln am Ende gelten — ist indes unklar.
Fazit
Die Kurse der 2035er- und 2036er-Anleihen sind zuletzt etwas zurückgekommen, was für ein prima Renditeniveau gesorgt hat. Was bleibt, ist ein gewisses Zyklus- und Zinsrisiko. Baustoffe sind konjunkturabhängig, und lange Laufzeiten reagieren empfindlich auf Zinsänderungen.