Europas Gasversorgung steuert auf einen gefährlichen Winter zu! Die Preise durchbrechen erstmals seit 2022 die Marke von 100 Euro je Megawattstunde, die Speicher sind erschreckend leer und der Krieg im Nahen Osten verschärft die Lieferengpässe. Jetzt schlägt ausgerechnet Norwegens Energieriese Alarm: Konzernchef Anders Opedal warnt vor weiteren Preissprüngen.
Die nächste Energiekrise könnte Europa schneller treffen, als vielen lieb ist. Der europäische Gaspreis hat die Marke von 100 Euro je Megawattstunde durchbrochen – erstmals seit Dezember 2022. Allein im Oktober verteuerte sich Erdgas um rund 40 Prozent. Gegenüber dem Niveau vor dem Iran-Krieg haben sich die Preise sogar mehr als verdreifacht.
Die Lage ist brisant. Europas Gasspeicher waren Ende Oktober lediglich zu rund 75 Prozent gefüllt. In Deutschland lag der Füllstand bei knapp 62 Prozent. Gleichzeitig beeinträchtigen die militärischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten wichtige Flüssiggaslieferungen. QatarEnergy hat Lieferausfälle für bestimmte Kunden bis zum Jahresende verlängert. Ungeplante Produktionsunterbrechungen in Norwegen verschärfen die Situation zusätzlich.
Und jetzt warnt ausgerechnet Equinor vor der nächsten Eskalation!
Konzernchef Anders Opedal sieht das Risiko weiterer Gaspreissprünge, sollte ein kalter Winter auf niedrige Speicherstände und den zunehmenden Wettbewerb um Flüssiggas treffen. Wetterprognosen deuten bereits auf sinkende Temperaturen in Nordwesteuropa hin.
Die Folgen reichen weit über den Energiesektor hinaus. Höhere Gaspreise verteuern Strom, belasten die Industrie und können energieintensive Unternehmen zu Produktionskürzungen zwingen. Der Chemiekonzern Yara hat seine europäische Ammoniakproduktion aufgrund hoher Gaskosten bereits eingeschränkt.
Während Europa damit erneut vor einer energiepolitischen Belastungsprobe steht, profitiert einer der wichtigsten Gaslieferanten des Kontinents: Equinor.
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Gewinnexplosion! Equinor kassiert – und entdeckt noch mehr Gas
Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, wie stark der norwegische Energiekonzern von den hohen Energiepreisen profitiert.
Im dritten Quartal schoss das bereinigte operative Ergebnis auf 12,35 Milliarden Dollar und verdoppelte sich damit nahezu gegenüber dem Vorjahr. Der Nettogewinn erreichte 2,54 Milliarden Dollar, während der bereinigte Gewinn auf rund 2,86 Milliarden Dollar kletterte. Der operative Cashflow stieg um 19 Prozent auf 7,5 Milliarden Dollar.
Höhere Öl- und Gaspreise, kräftige Raffineriemargen und ein starkes Flüssiggasgeschäft sorgten für Rückenwind. Besonders die Raffinerie Mongstad profitierte von den Marktbedingungen. Allerdings blieb der bereinigte Gewinn je Aktie mit 1,20 Dollar hinter den Erwartungen von 1,37 Dollar zurück.
Doch die eigentliche Fantasie steckt im Ausblick.
Equinor erhöhte seine Prognose für das Produktionswachstum 2026 von drei auf vier Prozent. Bereits im dritten Quartal stieg die tägliche Förderung um zwei Prozent auf rund 2,17 Millionen Barrel Öläquivalent.
Und dann folgte die nächste Nachricht aus der Nordsee: Beim Gasfund Afrodite nahe dem Kvitebjørn-Feld haben zusätzliche Bohrungen die geschätzten förderbaren Ressourcen auf 77 bis 180 Millionen Barrel Öläquivalent erhöht. Damit hat sich die bisherige Schätzung mehr als verdoppelt.
Besonders interessant ist die mögliche Anbindung an bestehende Förderanlagen. Sollte sich diese technisch und wirtschaftlich umsetzen lassen, könnte Equinor die neuen Ressourcen erschließen, ohne eine vollständig neue Infrastruktur errichten zu müssen.
Parallel vereinbarte der Konzern mit Aker BP eine strategische Zusammenarbeit zur Erschließung schwer zugänglicher Lagerstätten. Auch das Wisting-Projekt wird weiterentwickelt. Die endgültige Investitionsentscheidung ist dort für Ende 2027 vorgesehen.
Nordea sieht Kurspotenzial – Milliarden fließen an Aktionäre
Während Europas Energiepreise steigen, erhöht Equinor gleichzeitig die Ausschüttungen an seine Aktionäre.
Für das dritte Quartal wurde eine Dividende von 0,39 Dollar je Aktie beschlossen. Am 29. Oktober startet zudem die letzte Tranche des Aktienrückkaufprogramms 2026 mit einem Volumen von bis zu 1,125 Milliarden Dollar. Einschließlich der staatlichen Beteiligung summieren sich die geplanten Rückkäufe für das Gesamtjahr auf drei Milliarden Dollar.
Hinzu kommen geplante organische Investitionen von rund 13 Milliarden Dollar, mit denen Equinor seine künftige Energieproduktion absichern will.
Auch die Analysten reagieren auf die Entwicklung – allerdings mit höchst unterschiedlichen Einschätzungen.
Nordea bestätigte ihre Kaufempfehlung und erhöhte das Kursziel von 480 auf 500 norwegische Kronen. SEB hob ihr Kursziel zwar ebenfalls von 356 auf 364 Kronen an, hält jedoch an der Verkaufsempfehlung fest. Die DZ Bank stufte die Aktie von Kaufen auf Halten herab.
Die entscheidende Frage lautet: Wie lange bleiben die Energiepreise auf diesem außergewöhnlich hohen Niveau?
Sollten die Lieferausfälle im Nahen Osten anhalten und die Temperaturen im Winter deutlich sinken, könnte sich die Versorgungslage weiter zuspitzen. Dann würden nicht nur Europas Verbraucher und Unternehmen die Folgen spüren. Auch Equinors Ertragskraft könnte zusätzliche Unterstützung erhalten.
Einer der potenziell größten Profiteure
Equinor warnt vor einer neuen europäischen Gaskrise – und gehört gleichzeitig zu ihren potenziell größten Profiteuren. Steigende Fördermengen, neue Gasreserven, hohe Cashflows und milliardenschwere Aktienrückkäufe sprechen für den norwegischen Energieriesen. Entscheidend bleibt allerdings die Entwicklung der Energiepreise: Eine Entspannung der Versorgungslage könnte den Gewinnschub wieder abschwächen.