Künstliche Intelligenz krempelt die Finanzbranche um – und das schneller, als viele erwartet haben. Neue Studien zeigen: Das betrifft auch Anleger.

Künstliche Intelligenz sorgt nicht nur an den Börsen für Furore, sondern wird auch die dahinterstehende Finanzbranche selbst grundlegend ändern - und ebenso Anleger treffen. Das zeigt der aktuelle Mills Review, ein umfassender Forschungsbericht der britischen Finanzaufsicht FCA unter Leitung von Sheldon Mills, dem Chef der Behörde.

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Wie die KI die Finanzbranche ändern wird

Demnach werden sich Finanzunternehmen und ihre Dienstleistungsangebote bereits bis 2030 von Grund auf verändern. Gleichzeitig werde laut den Forschern die technologische Entwicklung die menschliche Kontrolle untergraben und die Abhängigkeit von einer Handvoll großer Technologiekonzerne weiter vertiefen. Auch der Wettbewerbsdruck innerhalb des Finanzsektors könnte durch KI erheblich zunehmen. 

Währenddessen müssten Aufsichtsbehörden ihrerseits verstärkt auf KI setzen, um den wachsenden Bedrohungen durch Betrug und Cyberangriffe wirksam begegnen zu können. Mills warnt zudem vor neuen systemischen Risiken: Wenn sich zahlreiche Marktteilnehmer auf dieselben KI-Modelle und Infrastrukturanbieter stützen, könnten gefährliche Abhängigkeiten entstehen.

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Studien: Bereits jeder Vierte nutzt KI für Finanzfragen

In dem Report geht es aber auch um die Verbraucher selbst: Annähernd ein Viertel der Erwachsenen, die KI im Berufs- oder Privatleben einsetzen, greifen dabei auch auf Finanzthemen zurück – sei es beim Bezahlen von Rechnungen, bei der Haushaltsplanung oder beim Sparen und Investieren. Und jeder fünfte Erwachsene in Großbritannien wäre grundsätzlich bereit, finanzielle Entscheidungen einer KI zu überlassen – auch wenn viele gleichzeitig bezweifeln, ob solche Systeme verantwortungsvoll mit persönlichen Daten umgehen und verlässliche Ratschläge liefern.

Diese Tendenz lässt sich auch in Deutschland beobachten. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom vom Mai 2026 kann sich mehr als jeder Vierte der Deutschen (27 Prozent) vorstellen, einer KI künftig den Großteil seiner Finanzentscheidungen zu überlassen. Ein Viertel der Befragten (24 Prozent) vertraut KI sogar mehr als einem menschlichen Finanzberater. Und bereits 25 Prozent der Deutschen haben eine KI wie ChatGPT in finanziellen Angelegenheiten um Rat gefragt.

Gleichzeitig zeigt die Bitkom-Studie: Die Grundhaltung ist gespalten. Rund die Hälfte der Deutschen (49 Prozent) lehnt den Einsatz von KI bei Finanzthemen grundsätzlich ab. Besonders zurückhaltend sind ältere Menschen: Während 68 Prozent der 16- bis 29-Jährigen KI im Finanzbereich als Chance sehen, gilt das bei den über 65-Jährigen nur für gut ein Drittel.

“Der Zugang zu leistungsfähiger KI könnte zu einer neuen Form der Ungleichheit werden"

Auch im britischen Datensatz zeigt sich Widerstand. Rund 24 Prozent der Verbraucherinnen und Verbraucher – mehrheitlich ältere Menschen und Personen mit geringerem Einkommen – schließen eine KI-Nutzung für sich kategorisch aus. Mills sieht darin eine ernste gesellschaftliche Gefahr: „Der Zugang zu leistungsfähiger KI könnte zu einer neuen Form der Ungleichheit werden." Besonders besorgniserregend erscheint ihm das Szenario eines Zwei-Klassen-Markts, in dem Wohlhabendere für leistungsfähigere KI-Systeme zahlen und damit ihre Finanzen effizienter managen können als andere.

Sollte sich KI langfristig in der Finanzberatung durchsetzen, eröffnen sich also neben vielen neuen Möglichkeiten auch Problemfelder. Zum Beispiel: Was passiert, wenn diese Systeme Fehler machen? Wie können Betroffene KI-basierte Entscheidungen anfechten? Wie wird es sich auswirken, wenn der Zugang zu KI-basierten Finanzangeboten in absehbarer Zukunft nur von wenigen großen US-Techkonzernen kontrolliert wird? 

Die Finanzbranche steht vor einem Jahrzehnt, das sie tiefgreifender verändern wird als die Digitalisierung der 1990er Jahre – und diesmal geht es nicht nur um Effizienz, sondern um die Frage, wer künftig überhaupt noch gleichberechtigt am Wirtschaftsleben teilhaben kann.

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Häufige Fragen

Wie funktioniert KI?

Künstliche Intelligenz (KI) funktioniert, indem sie riesige Datenmengen verarbeitet und darin mittels mathematischer Modelle Muster erkennt. Statt starr programmiert zu sein, lernt die KI durch sogenannte künstliche neuronale Netze und Algorithmen, die das menschliche Gehirn nachahmen, selbstständig Zusammenhänge zu erkennen und Vorhersagen zu treffen.

Bin ich als Anleger schon jetzt von KI betroffen – auch wenn ich sie nicht nutze?

Ja. Selbst wer KI bewusst meidet, ist längst Teil eines Systems, das von ihr durchdrungen ist. Hedgefonds und Großbanken setzen KI-Modelle ein, um Kursbewegungen vorherzusagen und Handelsstrategien in Millisekunden anzupassen. Das beeinflusst Preise, Volatilität und Marktdynamiken – und damit indirekt auch das Depot jedes Kleinanlegers. Dazu kommt: Wer KI-gestützte Tools nicht nutzt, könnte gegenüber denen, die es tun, strukturell ins Hintertreffen geraten.

Was passiert, wenn eine KI bei meinen Finanzen einen Fehler macht – wer haftet?

Das ist eine der drängendsten offenen Rechtsfragen. Bislang gibt es weder in Deutschland noch in Großbritannien klare gesetzliche Regelungen, die Verbraucher in solchen Fällen wirksam schützen. Der Mills Review mahnt explizit, dass Aufsichtsbehörden hier dringend nachziehen müssen – unter anderem mit nachvollziehbaren Beschwerdewegen und Haftungsregeln für KI-basierte Entscheidungen. Bis dahin gilt: Wer KI-Empfehlungen folgt, trägt das Risiko im Zweifel selbst.

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