Kein guter Tag für SAP-Aktionäre. Kein gutes Quartal. Und längst auch kein gutes Jahr mehr. Die SAP-Aktie ist auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gefallen. Gut ein Drittel hat der Kurs allein im laufenden Jahr nachgegeben. Zwei Schlüsselfiguren verlassen den Konzern. Was dahintersteckt, wird sich so schnell nicht auflösen.

Knapp 136 Euro, minus 3,8 Prozent, tiefster Stand seit Januar 2024: Der Donnerstag war kein Ruhmesblatt für SAP-Anleger. Im bisherigen Jahresverlauf summieren sich die Verluste der Aktie auf mehr als ein Drittel. Während der DAX stabil blieb, gehörte SAP zu den auffälligsten Verlierern.

Am Freitag ging es weiter abwärts. Gegen Handelsende beschleunigte sich der Kursverfall sogar noch, der Kurs fiel unter 133 Euro. Damit wurde der im vergangenen Sommer begonnene Abwärtstrend bestätigt. Nach Panik sieht das alles nicht aus. Schlimmer: eher nach kontrolliertem Abverkauf. Die jüngste Zwischenerholung war letztlich nur das: eine Zwischenerholung, keine Wende.

Die allgemeine Story dahinter: Softwareaktien werden derzeit systematisch verkauft. Anleger fragen sich, wer unter den klassischen Enterprise-Software-Anbietern als echter KI-Gewinner gilt. Bei SAP lautet die Antwort bislang: unklar.

Zwei Gründer gehen

Schlechtes Timing für eine Personalnachricht, die für sich genommen schon unangenehm ist. Wie das Manager Magazin berichtet, verlassen gleich zwei der wichtigsten Gründerpersönlichkeiten aus SAPs jüngster Zukaufphase das Unternehmen.

André Christ, Gründer von LeanIX, wird SAP in wenigen Wochen verlassen. Vor rund zwei Jahren hatte SAP seine Firma für 1,2 Milliarden Euro übernommen. LeanIX liefert Software zur Darstellung von IT-Landschaften in Unternehmen und gilt als wichtiges Werkzeug für die Cloud-Migration von SAP-Kunden. Christ selbst beschrieb sein Produkt als „Google Maps für die IT“.

Schon früher abgetreten ist Gero Decker, Gründer von Signavio. SAP kaufte sein Unternehmen für 950 Millionen Euro. Decker hat Anfang des Jahres seine operative Verantwortung abgegeben, bleibt dem Konzern aber nach eigenen Angaben beratend verbunden.

Für SAP-Chef Christian Klein ist das ein Dämpfer. Er hatte sich vorgenommen, Gründer langfristig ins Management zu integrieren und Start-up-DNA in den Walldorfer Konzernbetrieb zu bringen.

Klein ist inzwischen wieder auf Einkaufstour: Die Daten-Start-ups Dremio und Reltio wurden zuletzt übernommen, dazu ein Einstieg beim KI-Modell-Spezialisten Prior Labs.

Analysten bleiben bullish

An der Analystenfront herrscht Optimismus, der schwer mit dem Kursverlauf in Einklang zu bringen ist. UBS belässt SAP auf „Kaufen“ mit einem Kursziel von 205 Euro, Berenberg auf „Kaufen“ mit 215 Euro. Beide verweisen auf robustes Umsatzwachstum und stabile Auftragstrends. Das Problem: Es reicht nicht. Wer nicht als klarer KI-Gewinner gilt, wird gemieden. SAP gehört derzeit in diese Kategorie.

SAP (WKN: 716460)

Fazit

Analysten hinken der Entwicklung hinterher. DER AKTIONÄR hingegen hatte in den vergangenen Monaten bereits mehrfach kritisch über die Lage bei SAP berichtet (siehe folgende Beiträge). Ein Boden ist nicht in Sicht.

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