Der Gaspreis zieht weiter an, gleichzeitig sind Europas Gasspeicher deutlich schlechter gefüllt als vor einem Jahr – in Deutschland liegt der Füllstand sogar nur knapp über 50 Prozent. Droht im Winter eine Gasmangellage?

Der Preis für europäisches Erdgas ist am Montag deutlich gestiegen und hat die Aufwärtsbewegung der vergangenen zwei Wochen fortgesetzt. Zu Beginn der Handelswoche wurde der richtungweisende Erdgas-Terminkontrakt TTF zur Lieferung in einem Monat an der Börse in Amsterdam zu 69,22 Euro je Megawattstunde (MWh) gehandelt. Das sind mehr als vier Prozent über dem Niveau vom Freitag. Die Notierung liegt nur noch knapp unter dem Hoch seit dem Beginn des Iran-Kriegs, das im März bei 70,85 Euro erreicht worden war.

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Warum schießt der Gaspreis gerade in die Höhe?

Seit über zwei Wochen geht es mit dem Gaspreis tendenziell nach oben. In dieser Zeit hat sich der Rohstoff um etwa ein Drittel verteuert. An den Märkten bleibt die geopolitische Lage im Nahen Osten das bestimmende Thema. Zuletzt hatten die USA erklärt, den wirtschaftlichen Druck auf den Iran und auf dessen Handelspartner erhöhen zu wollen, um ein Ende des Kriegs mit dem Land zu erzwingen. 

Am Markt zeigt sich zunehmend die Sorge, dass eine Normalisierung der Lieferungen von Energierohstoffen aus den Fördergebieten am Persischen Golf vorerst nicht möglich ist. Zudem wachsen am Markt die Sorgen hinsichtlich der Versorgungslage in den Industriestaaten.

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Was bedeutet das für Deutschland und Europa?

Die Länder in Europa geraten zunehmend unter Druck, ihre Gasspeicher vor dem Winter wieder aufzufüllen. Die europäischen Gasspeicher sind laut jüngsten Daten des europäischen Verbands Gas Infrastructure Europe (GIE) am 22. August sogar auf 61,68 Prozent gesunken, nachdem sie am Tag zuvor noch zu 62,32 Prozent gefüllt waren. Vor einem Jahr lag der Füllstand bei über 75 Prozent. 

Wie gut sind die deutschen Gasspeicher gefüllt?

Die deutschen Gasreserven sind noch deutlich geringer gefüllt: Hier meldete die GIE für den 22. August einen Füllstand von 50,71 Prozent, nachdem er vor einem Jahr bei mehr als 68 Prozent gelegen hatte.

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Können die Gasspeicher noch rechtzeitig voll werden?

Stefan Lechner, Professor für Energiewirtschaft und Energiesysteme an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM), erklärt dazu der “Tagesschau”: "Es würde circa acht Wochen bei voller Einspeicherleistung dauern, den politisch erwünschten Füllstand von 80 Prozent zum 1. November zu erreichen. Ein so schnelles Hochfahren der Gaseinspeicherung wird es aber sehr wahrscheinlich nicht geben."

Kann es jetzt eine Gasmangellage in Deutschland geben?

Dazu bezeichnet Lecher den aktuellen Füllstand der deutschen Gasspeicher zwar als “besorgniserregend” - allerdings hätten die Gasspeicher nicht mehr die Bedeutung, die ihnen früher zugekommen sei: "Durch die zunehmenden Anteile an LNG-Importen - also Flüssig-Erdgas per Schiff - in Europa und auch durch die neuen LNG-Kapazitäten in Deutschland ist der Markt nicht mehr im selben Maß wie früher auf die Gasspeicher angewiesen."

Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagt dazu der “Tagesschau”: "Eine Gasmangellage ist derzeit nicht das wahrscheinlichste Szenario." Allerdings würden die niedrigen Speicherstände das System verwundbarer machen. “Bei einem sehr kalten Winter, Lieferausfällen oder neuen geopolitischen Krisen kann das Risiko deutlich steigen. Deshalb ist die Lage nicht dramatisch, aber sie ist angespannt."

Gasspeicherfüllstände in Deutschland: Was Anleger wissen sollten

Spannend für Anleger wird vor diesem Hintergrund der Börse Online Flüssiggas Index. Dieser fasst führende globale Unternehmen zusammen, die entlang der gesamten LNG-Wertschöpfungskette (Liquefied Natural Gas) aktiv sind. Der Index profitiert in diesem Jahr von der anhaltend hohen globalen Nachfrage nach LNG-Infrastruktur. 

Flüssiggas Index (WKN: SL0GPK)

Enthält Material von dpa-AFX

Häufige Fragen

Warum steigt der Gaspreis gerade so stark?

Der Gaspreis steigt vor allem wegen der angespannten geopolitischen Lage im Nahen Osten. An den Märkten wächst die Sorge, dass Lieferungen von Energierohstoffen aus den Fördergebieten am Persischen Golf länger beeinträchtigt bleiben könnten. Zusätzlich sorgt der geringe Füllstand der europäischen Gasspeicher für Unsicherheit. 

Wie voll sind die deutschen Gasspeicher?

Die deutschen Gasspeicher waren nach den jüngsten verfügbaren Daten vom 22. August zu 50,71 Prozent gefüllt. Vor einem Jahr lag der Füllstand noch bei mehr als 68 Prozent. 

Droht Deutschland eine Gasmangellage?

Eine Gasmangellage ist laut Experten derzeit nicht das wahrscheinlichste Szenario. Das Risiko ist jedoch höher als bei gut gefüllten Speichern und könnte bei einem sehr kalten Winter, zusätzlichen Lieferausfällen oder einer neuen geopolitischen Krise deutlich steigen. Deutschland und Europa sind heute weniger ausschließlich auf ihre Speicher angewiesen als früher, weil LNG-Importe per Schiff und neue deutsche LNG-Kapazitäten die Versorgung unterstützen.

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