Es kommt nicht häufig vor, dass ehemalige US-Notenbanker öffentlich Goldanlagen empfehlen oder eigene Käufe bestätigen. Der frühere Fed-Chef Alan Greenspan hat sich vor Jahren öffentlich für Gold als Anlage ausgesprochen. Nun sorgt ein weiterer ehemaliger Fed-Insider mit seiner Anlagestrategie für Aufmerksamkeit.
Alan Greenspan leitete die amerikanische Notenbank von 1987 bis 2006. Auch nach seinem Ausscheiden beschäftigte er sich intensiv mit der Bedeutung von Gold für Anleger und das internationale Währungssystem. In einem im Februar 2017 im World-Gold-Council-Magazin „Gold Investor” veröffentlichten Interview äußerte er sich bemerkenswert klar: „Ein deutlicher Anstieg der Inflation wird letztlich den Goldpreis nach oben treiben. Jetzt in Gold zu investieren, ist eine Versicherung.”
Greenspan betrachtete Gold vor allem als langfristigen Vermögensschutz, nicht als Instrument für kurzfristige Spekulationen. Dass ehemalige Fed-Verantwortliche das Edelmetall derart ausdrücklich befürworten, ist ungewöhnlich. Ein weiterer früherer Mitarbeiter der US-Notenbank hat nun sogar seine eigenen Anlageentscheidungen offengelegt.
Christopher Whalen verkauft Bankaktien und kauft Edelmetalle
Christopher Whalen begann seine berufliche Laufbahn bei der Federal Reserve Bank of New York und beschäftigt sich seit mehr als vier Jahrzehnten mit der Analyse von Banken. Heute leitet er Whalen Global Advisors und veröffentlicht den Finanznewsletter „The Institutional Risk Analyst”. Zuvor war er unter anderem Forschungsleiter bei der Ratingagentur Kroll Bond Rating Agency.
In einem am 19. Oktober veröffentlichten Interview mit Kitco News berichtete Whalen über eine umfassende Neuausrichtung seines Portfolios. Ende September verkaufte er sämtliche Bankaktien und gewichtete Edelmetalle, Energieaktien und ertragsorientierte Investments stärker. Bereits zuvor hatte er bei schwächeren Kursen Gold und Silber hinzugekauft.
Seine Skepsis gegenüber Bankaktien begründet Whalen mit steigenden Kreditrisiken und einer aus seiner Sicht hohen Bewertung der Papiere. Nach einer längeren Phase rückläufiger Kreditausfälle erwartet er wieder mehr Zahlungsschwierigkeiten bei Verbrauchern. Höhere Kreditausfälle könnten die Gewinne der Banken belasten. Bei ausgewählten Konsumentenkreditgebern setzt er deshalb mithilfe von Put-Optionen sogar auf fallende Aktienkurse.
Gold beurteilt Whalen dagegen deutlich positiver. „Edelmetalle sind für mich eine asymmetrische Wette”, erklärte er. Damit meint er, dass er die möglichen Kurschancen wesentlich höher einschätzt als die Abwärtsrisiken.
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Goldpreis: Zentralbankkäufe und Geldpolitik sprechen für das Edelmetall
Ein entscheidendes Argument sind für Whalen die anhaltenden Goldkäufe der Zentralbanken. Viele Länder versuchten, ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren und ihre Währungsreserven breiter aufzustellen.
„Die Zentralbanken weltweit wenden sich weiterhin vom Dollar ab und Gold zu, und in geringerem Maße Silber, einfach weil sie einen unabhängigen Reservewert wollen, der nicht von einem anderen Land kontrolliert wird”, sagte Whalen. Das Ende des Dollars sieht er darin allerdings nicht: Der Dollar werde zunehmend mit anderen Währungen konkurrieren, verschwinde aber nicht „morgen”.
Anders als viele Marktteilnehmer rechnet Whalen damit, dass die Fed bereits Anfang 2027 wegen einer schwächeren Konjunktur die Zinsen senken könnte. Später werde sie seiner Einschätzung nach wieder Staatsanleihen kaufen müssen und damit zusätzliche Liquidität schaffen. Ein solches Umfeld würde nach gängiger Lesart auch Gold stützen.
Auch das begrenzte Angebot an Gold und Silber spricht aus seiner Sicht langfristig für steigende Preise. Einzelne Minenaktien empfiehlt Whalen allerdings nicht, weil das betriebliche Risiko erheblich sei. Sein eigenes Minenexposure hält er überwiegend über börsengehandelte ETFs.
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