Die Hoffnungen auf eine baldige Goldpreisrally erhalten zunehmend Gegenwind. Hohe Inflation, steigende Anleiherenditen und ein starker Dollar belasten das Edelmetall. Mehrere Analysten warnen inzwischen vor weiteren Rückschlägen.
Besonders bemerkenswert: Selbst eine langfristig optimistische Bank hat ihre Prognosen zum Goldpreis deutlich gesenkt.
CIBC reduziert ihre Prognosen für 2026 und 2027 deutlich
Dabei handelt es sich um die kanadische Investmentbank CIBC Capital Markets. Deren Rohstoffanalysten Anita Soni und Cosmos Chiu erwarten für das vierte Quartal 2026 einen Goldpreis von 4.500 Dollar. Das liegt zwar über dem jüngsten Kursniveau von rund 4.100 Dollar, aber 31 Prozent unter der ursprünglichen Prognose von 6.500 Dollar.
Auch für 2027 hat CIBC ihre Erwartungen kräftig zurückgeschraubt. Statt durchschnittlich 6.500 Dollar prognostiziert die Bank nun 5.200 Dollar. Für 2028 wurde das Kursziel von 6.000 auf 5.500 Dollar gesenkt. Von einer grundsätzlich pessimistischen Einschätzung kann dennoch keine Rede sein. Vielmehr rechnen die Analysten mit einer langsameren Erholung als ursprünglich erwartet.
Hauptgrund ist die veränderte Geldpolitik. Der Nahost-Krieg und die hohen Energiepreise treiben die Inflation, während die US-Notenbank Fed mit einer restriktiveren Zinspolitik gegensteuert. Höhere Realzinsen und ein stärkerer Dollar erschweren es Gold, mit verzinslichen Anlagen zu konkurrieren.
Langfristig sieht CIBC allerdings weiterhin Unterstützung durch Zentralbankkäufe, hohe Staatsschulden und die Nachfrage nach physischem Anlagegold.
Goldpreis unter Druck: Analysten werden skeptischer
Drei Experten äußerten sich Mitte Oktober ebenfalls skeptischer. Simon-Peter Massabni von XS.com sieht Gold in der seit Ende September bestehenden Konsolidierungsspanne gefangen. Der Nahost-Konflikt sei „völlig unlösbar”, Angriffe auf die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus trieben die Frachtkosten, diplomatische Signale fehlten. Die Korrektur der Anleiherenditen gebe Gold nur vorübergehenden Halt. Ein länger andauernder Krieg erhöhe das Risiko großflächiger Angriffe auf die regionale Energieinfrastruktur noch vor Jahresende und damit den US-Inflationsdruck. Jede Erholung bleibe daher nicht nachhaltig und sehr anfällig für Rückschläge.
Adam Button, Währungsstratege bei InvestingLive, rechnet in einer Kitco-Umfrage ausdrücklich mit niedrigeren Kursen. Er hält die an den Märkten eingepreisten 70 Basispunkte an weiteren Zinserhöhungen für zu wenig. Die schwachen Inflationsdaten der Woche seien ein großes Problem, das wegen der Sorgen um die KI-Verschuldung übersehen werde. Eine straffere Geldpolitik als bislang erwartet würde den Goldpreis zusätzlich belasten, weil sie die Opportunitätskosten des zinslosen Edelmetalls erhöht.
Fawad Razaqzada von StoneX Bullion zweifelt trotz der Erholung der vergangenen Tage, dass der Boden bereits erreicht ist. Dollar und Renditen hätten zwar nachgegeben, doch er sei zurückhaltend, die Gewinne vom Donnerstag „als klares Signal zu deuten, dass die Korrektur vorbei ist”. Gold habe versucht, die Unterstützung um 4.100 Dollar zu halten, die Widerstandszone darüber sei aber standhaft geblieben. Erst ein Anstieg über diese Zone würde ihn bullish stimmen, bis dahin bleibe das technische Bild in der Schwebe. Sein kurzfristiger Ausblick sei leicht bearish.
Goldpreis-Ausblick: Zwischen Zinsrisiken und Staatsverschuldung
Wie groß das Rückschlagpotenzial ausfallen könnte, verdeutlicht Daniel Pavilonis von StoneX. Sollte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf acht Prozent steigen, hält er einen Goldpreis von 3.500 Dollar oder weniger für denkbar. Dabei handelt es sich allerdings um ein hypothetisches Risikoszenario und nicht um seine wahrscheinlichste Prognose.
Fazit: Für Privatanleger ergibt sich damit ein gemischtes Bild. Kurzfristig sprechen hohe Zinsen, Dollarstärke und geopolitisch bedingte Inflationsrisiken gegen eine schnelle Rally. Mittel- bis langfristig könnten dagegen die hohe Staatsverschuldung, eine mögliche Lockerung der Geldpolitik und die Goldkäufe der Zentralbanken wieder für Rückenwind sorgen. Entscheidend dürfte sein, wann sich der Inflationsdruck nachhaltig abschwächt.
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