Zentralbanken bauen ihre Goldbestände weiter aus. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel erklärte nun die Hintergründe – und nennt mehrere Gründe, warum dieser Trend noch länger anhalten könnte.
Gold funkelt längst nicht mehr nur in den Tresoren nervöser Anleger. Auch Notenbanken schichten ihre Währungsreserven zunehmend in das Edelmetall um. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel gab am Montag bei der LBMA-Konferenz in Sorrent (Italien) nun einige überraschende Einblicke in die Goldstrategie der Zentralbanken.
Zentralbanken füllen ihre Tresore
In seiner Rede machte Joachim Nagel darauf aufmerksam, dass der Anteil von Gold an den weltweiten Zentralbankreserven von rund 14 Prozent im Jahr 2023 auf fast 25 Prozent gestiegen ist. Einen Teil davon erklärt zwar der kräftige Anstieg des Goldpreises im vergangenen Jahr. Doch auch die physischen Goldreserven nahmen weiter zu: So kauften die Zentralbanken laut dem World Gold Council 2025 netto 863 Tonnen Gold. Im ersten Halbjahr 2026 kamen weitere 345 Tonnen hinzu.
Warum Gold wieder so begehrt ist
Der größte Vorteil von Gold ist laut Nagel seine Unabhängigkeit. Im Gegensatz zu Anleihen oder Bankguthaben birgt physisches Gold kein Gegenparteirisiko. Anleihen können bei Zahlungsausfällen des emittierenden Landes hingegen deutlich an Wert verlieren. Bankguthaben und ausländische Wertpapiere können zudem durch Sanktionen eingefroren werden.
Auch steigende Staatsschulden können Staatsanleihen trotz höherer Renditen riskanter machen. Eine dauerhaft erhöhte Inflation könnte laut Nagel ein weiterer Faktor sein, der für Gold spricht. Die Bundesbank selbst ist mit mehr als 3.500 Tonnen einer der größten Goldhalter weltweit.
Der Goldtrend könnte weiterlaufen
Die weiterhin stark steigende Staatsverschuldung sowie die erhöhten Inflationsraten sprechen dafür, dass die Notenbanken ihre Goldpolitik nicht so schnell ändern werden. In einer Umfrage des World Gold Council erwarten 89 Prozent der Reserveverwalter steigende weltweite Goldbestände in den kommenden zwölf Monaten. 45 Prozent wollen ihre eigenen Bestände erhöhen. Die Notenbanken dürften zwar allein keinen explodierenden Goldpreis auslösen, könnten aber weiterhin wichtige Unterstützung liefern.
Häufig gestellte Fragen:
Warum kaufen Zentralbanken so viel Gold?
Gold hat kein Gegenparteirisiko, kann nicht beliebig eingefroren werden und dient als Absicherung gegen geopolitische und fiskalische Risiken.
Wie viel Gold kauften Zentralbanken zuletzt?
2025 kauften sie netto rund 863 Tonnen. Im ersten Halbjahr 2026 kamen weitere etwa 345 Tonnen hinzu.
Könnten die Goldkäufe weitergehen?
Ja. Hohe Staatsschulden, Inflationsrisiken und geopolitische Spannungen sprechen dafür, dass Gold für Zentralbanken wichtig bleibt.