Viele Analysten attestieren dem Goldpreis angesichts hoher Anleiherenditen und eines starken Dollars eine bemerkenswerte relative Stärke. Besondere Bedeutung messen sie dabei vor allem einer aktuellen Entwicklung bei.
Notenbanken befinden sich weiterhin in Kauflaune. Die People's Bank of China setzt ihre Goldkäufe unvermindert fort. Im September erhöhte sie ihre Reserven um 740.000 Feinunzen beziehungsweise rund 23 Tonnen Gold. Dies war bereits der 23. Monat in Folge, in dem sie ihre Bestände aufstockte. Die jüngsten Zahlen unterstreichen Chinas Bestreben, seine Währungsreserven langfristig breiter aufzustellen.
Bemerkenswert ist vor allem, dass die Käufe trotz des relativ hohen Goldpreisniveaus anhalten. Während private Anleger sowie Schmuckkäufer bei steigenden Preisen häufig zurückhaltender werden, verfolgen Zentralbanken meist langfristige Ziele. Für sie stehen die Stabilität ihrer Reserven und die Verringerung finanzieller Abhängigkeiten im Vordergrund. Kurzfristige Kursschwankungen spielen deshalb eine geringere Rolle.
World Gold Council: Polen führt bei den Goldkäufen
Wie ausgeprägt der Goldappetit der Notenbanken ist, zeigen aktuelle Daten des World Gold Council (WGC). Demnach kauften die Zentralbanken im August weltweit netto 39 Tonnen Gold. In den ersten acht Monaten des Jahres summierten sich die offiziell gemeldeten Nettokäufe auf 170 Tonnen. China war im August mit 20 Tonnen der größte Käufer, gefolgt von Usbekistan und Polen mit jeweils acht Tonnen (siehe Chart).
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Besonders auffällig ist die Entwicklung in Polen. Die polnische Nationalbank kaufte seit Jahresbeginn bereits 98 Tonnen Gold und führte damit die internationale Rangliste an. Ihre Reserven erreichten Ende August rund 648 Tonnen. Damit rückt das erklärte Ziel von 700 Tonnen zunehmend näher. China belegte mit 80 Tonnen den zweiten Platz.
Im zweiten Quartal ermittelten die WGC-Experten weltweite Nettokäufe von 289 Tonnen. Das waren 62 Prozent mehr als ein Jahr zuvor und zugleich ein Rekordwert für ein zweites Quartal. Polen erwarb allein zwischen April und Juni 51 Tonnen, China weitere 33 Tonnen.
Warum Zentralbanken trotz hoher Goldpreise kaufen
Hinter den umfangreichen Käufen stehen vor allem strategische Überlegungen. Viele Notenbanken wollen ihre Abhängigkeit vom Dollar reduzieren, geopolitische Risiken begrenzen und ihre Reserven gegen mögliche Währungs- und Finanzkrisen absichern. Hinzu kommen Sorgen über die wachsende Staatsverschuldung und die langfristige Kreditwürdigkeit einzelner Länder.
Gold besitzt dabei einen entscheidenden Vorteil: Es stellt keine Forderung gegenüber einem Schuldner dar und birgt deshalb kein unmittelbares Ausfallrisiko. Gerade für Schwellenländer, die ihre Reserven traditionell überwiegend in Fremdwährungen und Staatsanleihen halten, gewinnt diese Eigenschaft an Bedeutung.
Die vergleichsweise geringe Preissensitivität vieler Zentralbanken könnte den Goldpreis längerfristig unterstützen. Anders als kurzfristig orientierte Investoren kaufen sie nicht ausschließlich bei günstigen Kursen, sondern richten sich nach strategischen Reservequoten. Allerdings beeinflussen hohe Preise und der Liquiditätsbedarf durchaus Umfang und Zeitpunkt ihrer Käufe.
Wie ausgeprägt der langfristige Optimismus ist, zeigt eine WGC-Umfrage: 89 Prozent der befragten Zentralbanken erwarten steigende globale Goldreserven innerhalb der kommenden zwölf Monate. 45 Prozent planen, ihre eigenen Bestände auszubauen.
Fazit: Für den Goldpreis dürfte diese Nachfrage einen wichtigen Stabilisierungsfaktor darstellen. Sie garantiert zwar keine steigenden Notierungen, kann aber Verkaufsdruck abfedern. Entscheidend bleibt, ob die Käufe ausreichen, um Belastungen durch hohe Realzinsen und einen starken Dollar auszugleichen.
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