Nach dem jüngsten Kursrutsch haben Gold und Silber wichtige charttechnische Unterstützungen verloren. Die Angst vor weiteren Verlusten wächst, während zahlreiche Anleger auf eine Bodenbildung warten. Doch nicht alle Marktexperten teilen den verbreiteten Pessimismus.
Zwei aktuelle Marktkommentare sehen in der Schwächephase vielmehr eine außergewöhnliche Kaufgelegenheit.
Goldpreis unter 4.000 Dollar: Experten sehen Einstiegschancen
Besonders optimistisch äußern sich Phil Carr und Lars Hansen vom Gold & Silver Club. Sie betrachten den jüngsten Goldpreisrückgang unter 4.000 Dollar als attraktive Gelegenheit, Positionen innerhalb eines längerfristigen Aufwärtstrends aufzubauen. Die starke Korrektur habe Käufern einen deutlich niedrigeren Einstiegspreis beschert.
Nach Einschätzung der beiden Marktbeobachter ist die jüngste Schwäche nicht zwangsläufig Ausdruck einer grundlegenden Trendwende. Vielmehr könnten die Verluste vor allem von Anlegern stammen, die ihren Hebel abbauen. Das sage nichts über die langfristige Attraktivität von Gold. Wer erst nach einer deutlichen Kurserholung einsteige, müsse möglicherweise erheblich höhere Preise bezahlen.
Der Club erwartet im Basisfall 4.900 bis 5.000 Dollar bis zum ersten Quartal 2027. Ausgehend von 4.000 Dollar entspräche das einem Kursgewinn von 22,5 bis 25 Prozent. Carr und Hansen sehen deshalb gerade in der gegenwärtigen Verunsicherung eine Chance für antizyklisch orientierte Investoren. Allerdings bleibe offen, ob die Talsohle bereits erreicht ist. Weitere Rückschläge seien auch bei einer langfristig positiven Markteinschätzung möglich.
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Bawden Capital: Warum hohe Ölpreise Gold zunächst belasten
Noch offensiver argumentiert Jen Bawden, Gründerin von Bawden Capital. Sie bezeichnet den Ausverkauf bei Gold und Silber als potenziell einmalige Kaufgelegenheit. Hinter den fallenden Preisen vermutet sie vor allem eine vorübergehende Liquiditätskrise und keine dauerhafte Verschlechterung der langfristigen Perspektiven.
Eine Schlüsselrolle spiele dabei der Ölpreis. Durch den Krieg im Nahen Osten und die Störungen des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus sind die Energiekosten stark gestiegen. Da Rohöl international überwiegend in Dollar abgerechnet wird, müssen große Importländer zusätzliche Dollar beschaffen. Diese Nachfrage stärkt die US-Währung und belastet wiederum Gold und Silber.
Zugleich verschärfen hohe Energiepreise den Inflationsdruck. Dadurch steige das Risiko weiterer Zinserhöhungen, was unverzinste Edelmetalle weniger attraktiv mache. Höhere Anleiherenditen belasten außerdem die Aktienmärkte. Müssen große Investoren kurzfristig Liquidität beschaffen, verkaufen sie häufig leicht handelbare Vermögenswerte – darunter Gold und Silber.
Bawden erwartet deshalb nicht unbedingt eine sofortige Erholung. Weitere Kursverluste könnten zunächst folgen. Dennoch geht sie davon aus, dass sich der Ausverkauf der vergangenen Woche und mögliche weitere Kurskorrekturen als Kaufgelegenheit erweisen könnte, wie sie sich nur einmal im Leben bietet.
Gold und Silber: Langfristig optimistisch trotz Kursrisiken
Bawdens langfristiger Optimismus beruht vor allem auf der weltweit hohen Verschuldung. Dauerhaft hohe Zinsen würden Staaten, Unternehmen und Verbraucher zunehmend belasten. Deshalb rechnet sie damit, dass die Zentralbanken ihre Geldpolitik irgendwann wieder lockern müssen. Sinkende Zinsen und ein schwächerer Dollar könnten dann Gold und Silber begünstigen.
Ihre Erwartung fasst sie so zusammen: „Wenn der kritische Punkt erreicht ist, werden die Zentralbanken gezwungen sein, ihre Geldpolitik zu lockern. Die kriegsbedingte Stärke des Dollars wird nachlassen, und internationales Kapital wird in großem Umfang in reale, greifbare Vermögenswerte fließen.“
Fazit: Aktuell stehen den kurzfristigen Kursrisiken langfristig optimistische Prognosen gegenüber. Ob die aktuelle Schwäche tatsächlich eine außergewöhnliche Kaufgelegenheit darstellt, hängt allerdings entscheidend davon ab, wann der gegenwärtige Verkaufsdruck nachlässt.
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