Nach einer turbulenten Handelswoche steht der Goldpreis vor einer wichtigen charttechnischen Entscheidung. Zwei Kursmarken könnten darüber bestimmen, ob sich die jüngste Erholung fortsetzt oder neue Verluste drohen. Zusätzliche Spannung versprechen wichtige US-Konjunkturdaten.

Der Goldpreishat zuletzt bemerkenswerte Widerstandskraft bewiesen. Nachdem das Edelmetall am Mittwoch zeitweise unter 4.100 Dollar gefallen war, setzte eine deutliche Erholung ein. Zum Wochenschluss notierte Gold wieder in der Nähe von 4.200 Dollar. Für Charttechniker sind diese Marken von besonderer Bedeutung.

Die Marke von 4.100 Dollar bildet derzeit eine wichtige kurzfristige Unterstützung. Dort nutzten Anleger die niedrigeren Kurse zuletzt verstärkt für Käufe. Sollte Gold dieses Niveau nachhaltig unterschreiten, könnte sich der Verkaufsdruck erhöhen. Als besonders massive Unterstützungszone gilt der Bereich um 4.000 Dollar. Hier verläuft eine psychologisch wichtige Schwelle, deren markantes Unterschreiten das charttechnische Bild deutlich eintrüben würde.

Auf der Oberseite bildet 4.200 Dollar die entscheidende charttechnische Hürde. Erst ein nachhaltiger Ausbruch darüber würde die Chancen auf eine Fortsetzung der Erholung verbessern. Anschließend rückt der gleitende 100-Tage-Durchschnitt bei etwa 4.260 Dollar in den Fokus. Diese viel beachtete Trendlinie könnte als nächster Widerstand wirken. Darüber wäre die Marke von 4.300 Dollar ein weiteres mögliches Kursziel.

US-Inflation und Fed-Zinspolitik könnten Goldpreis bewegen

Neue Impulse dürften in den kommenden Tagen von den amerikanischen Inflationsdaten ausgehen. Am Mittwoch steht die Veröffentlichung der US-Verbraucherpreise an. Laut einer von Trading Economics veröffentlichten Umfrage unter Analysten soll sich die Inflationsrate im September von 3,6 auf 3,7 Prozent erhöht haben. Auch die für Donnerstag angekündigten Erzeugerpreise, die als Frühindikator für die Konsumentenpreise gelten, dürften aufmerksam verfolgt werden. Überraschend hohe Inflationszahlen könnten die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen durch die US-Notenbank verstärken. Steigende Anleiherenditen würden das zinslose Gold kurzfristig weniger attraktiv machen. Gleichzeitig könnte ein festerer Dollar den Goldpreis zusätzlich belasten.

Fallen die Inflationsdaten dagegen niedriger aus als befürchtet, könnte dies den Druck auf die Anleiherenditen verringern und Gold Auftrieb verleihen. Besonders wichtig wird deshalb auch die Kommunikation der Federal Reserve. Deren Vorsitzender Kevin Warsh wird am Donnerstag im Rahmen der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank in Bangkok auftreten. Hinweise auf den weiteren Zinskurs könnten dann für Bewegung sorgen.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Goldpreis zwischen kurzfristiger Unsicherheit und langfristigen Chancen

Neben der Geldpolitik bleibt die Entwicklung des Dollars entscheidend. Dessen jüngster charttechnischer Ausbruch nach oben könnte die Goldpreiserholung erschweren. Schließlich verteuert ein starker Dollar das Edelmetall für Käufer außerhalb des Dollarraums. Unterstützung erhält Gold dagegen durch anhaltende Zuflüsse in börsengehandelte Goldfonds.

Wie schwierig kurzfristige Kursprognosen jedoch sind, verdeutlicht Daniel Oliver von Myrmikan Research in seiner aktuellen Marktstudie vom 8. Oktober: „Wir vermeiden Prognosen zu kurzfristigen Marktschwankungen, die im Allgemeinen nur von Händlern großer Banken mit Einblick in die Liquiditätsströme in Echtzeit zuverlässig vorhergesagt werden können.“

Langfristig stehen dagegen vor allem die steigenden US-Staatsschulden und die zunehmenden Finanzierungskosten im Mittelpunkt. Höhere Anleiherenditen könnten die Schuldentragfähigkeit weiter verschlechtern und das Vertrauen in den Dollar belasten. Für Oliver ist deshalb weniger die kurzfristige Charttechnik als vielmehr die langfristige Stabilität des Finanzsystems entscheidend. Sein Tenor lautet: „Wohin kurzfristige Liquiditätsströme den Goldpreis auch treiben mögen – langfristig ist Gold ein Maßstab für die Zahlungsfähigkeit.“

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