Nach dem kräftigen Kursrutsch der vergangenen Woche steht der Goldpreis vor einer wichtigen Bewährungsprobe. Zeitweise fiel das Edelmetall sogar unter die psychologisch bedeutsame Marke von 4.000 Dollar. Unter Analysten gehen die Meinungen derzeit auseinander.

Während einige eine übertriebene Verkaufswelle vermuten, rechnen andere mit anhaltendem Gegenwind. Auch eine aktuelle Kitco-Umfrage zeigt wachsende Skepsis.

Goldpreis unter Druck: Analysten erklären den Kursrutsch

Der Goldpreis verlor in der vergangenen Woche rund vier Prozent. Bemerkenswert war, dass die Notierungen selbst bei rückläufigen US-Anleiherenditen unter Druck blieben. Normalerweise profitieren Edelmetalle von sinkenden Renditen, weil dadurch der Nachteil gegenüber verzinslichen Anlagen abnimmt. Offenbar spielten diesmal aber auch technische Verkäufe und ein erhöhter Liquiditätsbedarf eine wichtige Rolle.

Ole Hansen, Rohstoffstratege der Saxo Bank, verweist auf den Gegensatz zwischen kurzfristig orientierten Spekulanten und langfristigen Goldinvestoren. Das Unterschreiten wichtiger Kursmarken habe zusätzliche automatische Verkäufe ausgelöst und die Abwärtsbewegung verstärkt. Die längerfristige Nachfrage sei dagegen weiterhin robust. Eine nachhaltige Erholung würde nach seiner Einschätzung allerdings eine Rückkehr über 4.230 Dollar erfordern.

Roukaya Ibrahim von BCA Research hält den jüngsten Einbruch ebenfalls nicht zwangsläufig für den Beginn eines längerfristigen Abwärtstrends. Sie vermutet außergewöhnliche Liquiditätsprobleme an mehreren Finanzmärkten. Technische Indikatoren deuteten mittlerweile auf eine mögliche Gegenbewegung hin. Wegen des starken Dollars und der Inflationsrisiken erwartet sie allerdings eher eine Seitwärtsbewegung als eine neue Goldpreisrally.

Neil Welsh von Britannia Global Markets sieht vor allem die langfristigen Argumente für Gold weiterhin intakt. Allerdings könnten weitere Aktienkursverluste Investoren dazu zwingen, Goldbestände zu verkaufen, um Liquidität zu schaffen. Die anhaltende Nachfrage der Zentralbanken könnte solche Belastungen zumindest teilweise abfedern.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Fed-Zinspolitik und Ölpreis belasten den Goldmarkt

Deutlich vorsichtiger beurteilt Rob Haworth von U.S. Bank Wealth Management die Aussichten. Er verweist auf die restriktive Geldpolitik der US-Notenbank. Weitere Zinserhöhungen könnten den Dollar stärken und die Attraktivität unverzinster Edelmetalle beeinträchtigen. Eine schnelle und kräftige Erholung hält er deshalb für unwahrscheinlich.

Ähnlich argumentieren Christopher Wong und Sim Moh Siong von der singapurischen OCBC Bank. Sie verweisen darauf, dass Gold zuletzt trotz sinkender US-Renditen nachgegeben habe. Die hohen Ölpreise verstärkten die Inflationssorgen und könnten die Fed zu einer länger anhaltenden restriktiven Geldpolitik veranlassen. Für eine nachhaltige Erholung müssten sich ihrer Einschätzung nach insbesondere die Energiepreise beruhigen und die Realzinsen sinken.

Damit rückt die nächste Zinsentscheidung der US-Notenbank am 28. Oktober besonders in den Fokus. Entscheidend dürfte weniger der Beschluss selbst sein als die Frage, welche Signale die Fed hinsichtlich ihres weiteren geldpolitischen Kurses aussendet.

Kitco-Umfrage: Goldpreis-Pessimisten erstmals deutlich vorn

Wie gespalten die Einschätzungen mittlerweile sind, verdeutlicht die jüngste wöchentliche Goldpreisumfrage von Kitco News. Unter 17 befragten professionellen Marktbeobachtern rechnen sieben beziehungsweise 41 Prozent mit fallenden Notierungen in der laufenden Woche. Lediglich vier Experten oder 24 Prozent erwarten steigende Preise. Die übrigen sechs Teilnehmer, entsprechend 35 Prozent, äußerten sich neutral. Damit überwiegen die Pessimisten gegenüber den Optimisten deutlich. Allerdings ist die Umfrage eine kurzfristige Momentaufnahme und keine verlässliche Prognose.

Fazit: Für Privatanleger bleibt die Marke von 4.000 Dollar zunächst ein wichtiger Orientierungspunkt. Ob sich dort ein tragfähiger Boden bildet oder weitere Verluste folgen, dürfte maßgeblich von der Entwicklung des Dollars, der Zinserwartungen und der Risikobereitschaft an den Finanzmärkten abhängen.

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