Der Goldpreis steht unter Druck. Hohe Inflation, steigende Zinsen und ein starker Dollar belasten das Edelmetall. Doch bedeutet die jüngste Schwäche bereits den Beginn eines Bärenmarktes? So ordnet das britische Analysehaus Metals Focus das aktuelle Marktgeschehen ein.

Trotz der jüngsten Kursverluste bleibt Metals Focus langfristig optimistisch. Für 2027 prognostiziert das Analysehaus einen durchschnittlichen Goldpreis von 5.330 Dollar. Gegenüber dem für 2026 erwarteten Jahresdurchschnitt von 4.600 Dollar entspräche dies einem Anstieg um 16 Prozent. Im vierten Quartal 2027 soll Gold durchschnittlich sogar 5.600 Dollar kosten und sich möglicherweise der Marke von 6.000 Dollar nähern.

Matthew Piggott, Direktor für Gold und Silber bei Metals Focus, sieht in der aktuellen Schwächephase eher eine Konsolidierung als den Beginn eines längerfristigen Abwärtstrends. In einem Interview mit Kitco News verwies er insbesondere auf den intensiven Wettbewerb um Anlagekapital.

Aktien, Kryptowährungen, Energie und andere Rohstoffe konkurrieren derzeit mit Gold um die Gunst der Investoren. Hinzu kommen steigende Anleiherenditen, die verzinsliche Anlagen attraktiver machen. Da Gold selbst keine laufenden Erträge abwirft, erhöhen sich dadurch die Opportunitätskosten.

Dennoch beobachtet Piggott, dass institutionelle Investoren bei Goldpreisen in der Nähe von 4.000 Dollar verstärkt zugreifen. „Dadurch hat sich gewissermaßen ein Boden herausgebildet. Auch die Zentralbanken haben dazu wesentlich beigetragen“, erklärte der Analyst. Bemerkenswert sei diese Widerstandskraft vor allem angesichts des drastisch veränderten Zinsausblicks. Er sagte: „Der Goldpreis ist nicht ins Bodenlose gefallen, obwohl wir von der Erwartung mehrerer Zinssenkungen zu der Erwartung mehrerer Zinserhöhungen umgeschwenkt sind.“

Nahost-Konflikt als entscheidender Belastungsfaktor für Gold

Den anhaltenden Nahost-Konflikt sieht Piggott als erhebliches Hindernis für eine neue Investmentnachfrage. Die hohen Energiepreise treiben die Inflation, stärken den Dollar und schüren Befürchtungen, dass die Notenbanken ihre restriktive Geldpolitik länger beibehalten könnten.

Diese Kombination erschwert eine nachhaltige Goldpreiserholung. Zwar kann Inflation Gold theoretisch stützen, wenn sie die Realzinsen drückt. Stärken steigende Energiepreise aber gleichzeitig den Dollar, wird dieser Zusammenhang komplizierter. Piggott hält deshalb eine Entspannung im Nahen Osten für entscheidend. „Damit der Inflationsdruck nachlässt, muss sich auf der Energieseite etwas verändern. Die Lage bei den Energiepreisen muss sich beruhigen“, betonte er.

Erst erkennbare Fortschritte bei der Beilegung des Konflikts dürften Anleger wieder dazu bewegen, Gold auch bei steigenden Preisen verstärkt zu kaufen. Derzeit konzentrieren sich viele Investoren darauf, Kursrückgänge zum Einstieg zu nutzen.

Metals Focus rechnet weiterhin mit einer Wiederaufnahme der Goldpreisrally im vierten Quartal. Wegen des andauernden Konflikts wurde der erwartete Zeitpunkt allerdings mehrfach nach hinten verschoben.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Goldnachfrage: Zentralbanken und Staatsverschuldung stützen den Ausblick

Langfristig sieht Piggott die wichtigsten Argumente für Gold weiterhin intakt. Sorgen um die wachsende Staatsverschuldung, die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen und eine schleichende Abkehr vom Dollar blieben wichtige Gründe für institutionelle Anleger, Gold zu halten. Laut dem Metals-Focus-Report dürften hohe Haushaltsdefizite zudem weiterhin die Diversifizierung weg von Dollar-Anlagen fördern.

Zudem erwartet Metals Focus, dass Zentralbanken auch 2027 erhebliche Goldmengen kaufen werden, wenn auch weniger als in den Ausnahmejahren 2022 bis 2024. Eine zusätzliche Stütze könnte die saisonal steigende Nachfrage nach Barren und Münzen in China und Indien bilden.

Übrigens: Auch für Silber bleibt das Analysehaus optimistisch. Für 2027 prognostiziert Metals Focus einen Durchschnittspreis von 84,40 Dollar und im vierten Quartal Notierungen von über 90 Dollar. Voraussetzung für eine nachhaltige Silberrally sei allerdings eine stärkere Investmentnachfrage, möglichst begleitet von einer Erholung des Goldpreises.

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