Nach mehreren Monaten mit kräftigen Kursverlusten mehren sich am Goldmarkt die Anzeichen einer Stabilisierung. Viele Analysten sprechen derzeit allerdings noch nicht von einem bestätigten Trendwechsel, sondern vielmehr von einer Phase der Bodenbildung.

Nach Einschätzung von Ole Hansen, Rohstoffstratege der Saxo Bank, befindet sich der Goldmarkt in einem wichtigen Übergang. Während in den vergangenen Monaten vor allem Liquidationen und Gewinnmitnahmen das Kursgeschehen bestimmt hätten, sei inzwischen zunehmend eine Konsolidierung zu beobachten. Anleger würden Gold nicht mehr wahllos verkaufen, sondern wieder gezielt Positionen aufbauen. Ob daraus eine nachhaltige Aufwärtsbewegung entsteht, hänge jedoch entscheidend vom weiteren makroökonomischen Umfeld ab.

US-Geldpolitik im Blick behalten

Als wichtigsten Einflussfaktor nennt Hansen weiterhin die Geldpolitik der US-Notenbank. Zwar rechnet der Markt derzeit grundsätzlich noch mit weiteren Zinserhöhungen, allerdings haben sich die Erwartungen nach den schwächer als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten deutlich abgeschwächt. Im Juni entstanden lediglich 57.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft, was viele Anleger zu einer vorsichtigeren Einschätzung des geldpolitischen Kurses veranlasste.

Unterstützend wirkte zudem die jüngste Kommunikation des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh. Dieser bekräftigte zwar sein Ziel, die Inflation nachhaltig auf das Zielniveau zurückzuführen, wies zugleich aber darauf hin, dass sich die Inflationsrisiken in den vergangenen Wochen signifikant entspannt hätten. Hansen geht deshalb davon aus, dass die Fed in diesem Jahr auf weitere Zinserhöhungen verzichten könnte. Sinkende Inflationserwartungen, fallende Energiepreise und ein nachlassender Preisdruck sprächen aus seiner Sicht gegen eine erneute geldpolitische Straffung. Sollte sich diese Einschätzung am Markt durchsetzen, könnten sowohl der Dollar als auch die kurzfristigen Anleiherenditen nachgeben – ein Umfeld, das dem Goldpreis traditionell zugutekommt.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Technische Hürden bleiben bestehen

Trotz der jüngsten Erholung mahnt Hansen jedoch zur Vorsicht. Der Goldpreis liegt noch immer rund 26 Prozent unter seinem Hoch von Ende Januar. Besonders aussagekräftig sei die Kursentwicklung der vergangenen Woche gewesen: Zwar konnte sich Gold von der wichtigen Unterstützung bei 4.000 Dollar wieder bis in den Bereich von 4.200 Dollar erholen, dort setzte jedoch erneut Verkaufsdruck ein. Dies deute darauf hin, dass einige Investoren steigende Kurse weiterhin zum Positionsabbau nutzen.

Ein solches Verhalten sei nach einer ausgeprägten Korrektur durchaus typisch. Die Ausbildung eines tragfähigen Marktbodens benötige häufig Zeit und verlaufe selten geradlinig. Aus charttechnischer Sicht sieht Hansen deshalb zunächst weitere Hürden. Als ersten wichtigen Widerstand nennt er die 200-Tage-Linie im Bereich von rund 4.485 Dollar. Darüber folgt bei etwa 4.574 Dollar das 38,2-Prozent-Fibonacci-Retracement der Abwärtsbewegung zwischen Januar und Juni. Erst wenn diese Marken nachhaltig überwunden werden, würde sich das charttechnische Bild deutlich aufhellen. Bis dahin wertet Hansen die aktuelle Entwicklung eher als Versuch einer Bodenbildung denn als Beginn eines neuen Aufwärtstrends.

4.000 Dollar bleibt die Schlüsselmarke

Mit dieser Einschätzung steht Hansen nicht allein. Auch andere Marktbeobachter sehen derzeit eher Anzeichen einer Stabilisierung als einen bereits bestätigten Boden. So bezeichneten unter anderem Ipek Ozkardeskaya (Swissquote), Michele Schneider (MarketGauge) sowie Colin Cieszynski (SIA Wealth Management) den Bereich um 4.000 Dollar je Feinunze zuletzt als zentrale charttechnische Unterstützung. Solange diese Marke verteidigt wird, bestehen nach ihrer Einschätzung gute Chancen, dass sich der Goldpreis weiter stabilisiert und schrittweise einen tragfähigen Boden ausbildet. Für einen überzeugenden charttechnischen Befreiungsschlag wären allerdings weitere Kursgewinne und das Überwinden wichtiger Widerstände erforderlich.

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