Der jüngste Rücksetzer beim Goldpreis hat viele Anleger offenbar nicht abgeschreckt – im Gegenteil. Die aktuelle Monatsstatistik des Edelmetallportals Gold.de für Juni 2026 liefert interessante Einblicke in das Kaufverhalten deutscher Privatanleger. 

Besonders auffällig: Die große Mehrheit nutzt die niedrigeren Kurse offenbar gezielt für Nachkäufe. Gleichzeitig zeigen die Daten, welche Münzen und Barren derzeit besonders gefragt sind und wie sich Preise sowie Aufgelder innerhalb eines Jahres entwickelt haben.

Gold-Dip löst offenbar neues Kaufinteresse aus

Die deutlichste Aussage der Statistik betrifft das Verhältnis von Kauf- und Verkaufsinteresse. Während im Juni 2025 bereits 90 Prozent der Nutzer Kaufabsichten und lediglich zehn Prozent Verkaufsabsichten signalisierten, stieg der Käuferanteil im Juni 2026 sogar auf 94 Prozent. Nur noch sechs Prozent interessierten sich für einen Verkauf ihrer Edelmetalle.

Das deutet darauf hin, dass viele Anleger den Preisrückgang gegenüber den Höchstständen zu Jahresbeginn als Kaufgelegenheit ansehen. Gerade bei langfristig orientierten Investoren gilt dieses Vorgehen als Cost-Average-Strategie: Statt den perfekten Einstiegszeitpunkt finden zu wollen, werden regelmäßig kleinere Mengen erworben. Dadurch kann sich der durchschnittliche Kaufpreis über längere Zeiträume glätten. Eine Garantie für höhere Renditen stellt dieses Vorgehen allerdings nicht dar, denn niemand weiß im Voraus, ob ein Preisrückgang bereits beendet ist oder sich fortsetzt.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Klassiker dominieren die Nachfrage

Bei den Gold- und Silbermünzen bleiben bekannte Anlagemünzen die erste Wahl. Im Jahresvergleich verteidigte der Silber-Maple-Leaf den Spitzenplatz der meistgesuchten Münzen. Neu auf Rang zwei liegt der Gold-Krügerrand, der die früher stark nachgefragten deutschen DM-Gedenkmünzen verdrängte. Auf Platz drei folgt erneut der Wiener Philharmoniker in Silber.

Auch bei Goldbarren zeigt sich ein verändertes Kaufverhalten. Erstmals führt der klassische 1-Gramm-Goldbarren die Rangliste an. Dahinter folgen Tafelbarren aus Gold sowie der 1-Unzen-Goldbarren. Die Entwicklung spricht dafür, dass viele Anleger angesichts des historisch hohen Goldpreises auf kleinere Stückelungen ausweichen, weil diese leichter finanzierbar sind.

Allerdings sollten Privatanleger dabei einen wichtigen Punkt beachten: Gerade 1-Gramm-Barren weisen im Vergleich zu größeren Einheiten deutlich höhere Aufgelder auf. Der Preis je Gramm fällt deshalb spürbar höher aus als beispielsweise bei 20-, 50- oder 100-Gramm-Barren beziehungsweise bei Ein-Unzen-Barren. Wer ausschließlich auf den günstigsten Edelmetallpreis je Gramm achtet, bekommt bei größeren Stückelungen pro Euro in der Regel mehr Gold.

Silber (ISIN: AF0000SILVER)

Hohe Edelmetallpreise verändern das Kaufverhalten

Die Durchschnittspreise verdeutlichen das hohe Preisniveau. Ein 1-Unzen-Krügerrand kostete im Juni durchschnittlich 3.691,58 Euro und lag damit rund 26,5 Prozent über dem Vorjahreswert. Der Silber-Maple-Leaf verteuerte sich sogar noch stärker: Mit durchschnittlich 68,99 Euro lag sein Preis gut 82 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.

Trotz dieser kräftigen Preissteigerungen blieben die durchschnittlichen Aufgelder vergleichsweise moderat. Bei Gold betrug das durchschnittliche Aufgeld 0,90 Prozent nach 0,74 Prozent im Vorjahr. Bei Silber sank es sogar leicht von 22,77 auf 21,19 Prozent. Das spricht eher für eine stabile Versorgungslage als für Engpässe am Markt.

Fazit: Die GOLD.DE-Statistik zeigt damit ein bemerkenswertes Bild: Viele deutsche Anleger lassen sich von kurzfristigen Kursrückgängen offenbar nicht verunsichern, sondern bauen ihre Edelmetallbestände weiter aus. Ob sich der Gold-Dip im Nachhinein tatsächlich als günstige Einstiegsgelegenheit erweist, wird allerdings erst die weitere Preisentwicklung zeigen. Für langfristig orientierte Anleger kann ein disziplinierter Vermögensaufbau in mehreren Kauftranchen jedoch helfen, das Risiko eines ungünstigen Einstiegszeitpunkts zu reduzieren.

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