Gold hat Anlegern 2026 bereits starke Kursbewegungen beschert. Nach einer zwischenzeitlichen Korrektur gewinnt das Edelmetall wieder an Aufmerksamkeit. Nun wird mit Schroders ein großer internationaler Vermögensverwalter wieder optimistischer.
Noch im Mai hatte Schroders Gewinne bei Gold mitgenommen und sich zunächst an die Seitenlinie zurückgezogen. Ende August änderte der Vermögensverwalter im aktuellen Multi-Asset-Ausblick seine Einschätzung und stufte Gold wieder auf „positiv". Schroders baute damit erneut eine Position in dem Edelmetall auf. Ausschlaggebend ist eine Kombination aus struktureller Nachfrage, einer verbesserten Positionierung spekulativer Marktteilnehmer sowie zunehmenden Sorgen über Inflation, Staatsverschuldung und Währungsstabilität.
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt. Normalerweise gilt ein Umfeld hoher Realzinsen als ungünstig für Gold. Schließlich wirft das Edelmetall keine laufenden Erträge ab, während Anleger mit Staatsanleihen attraktive reale Renditen erzielen können. Hinzu kommt, dass Schroders von einer robusten US-Wirtschaft ausgeht und weitere Zinserhöhungen durch die US-Notenbank nicht ausschließt. Der Vermögensverwalter positioniert sich zudem gegenüber niedrig verzinsten Währungen wie Yen und Schweizer Franken wieder für einen stärkeren Dollar – ebenfalls eigentlich ein Gegenwind für Gold.
Dass Schroders Gold trotzdem wieder positiver beurteilt, ist deshalb besonders interessant. Offenbar gewinnen strukturelle Faktoren gegenüber den klassischen Belastungsfaktoren Realzinsen und Dollar an Bedeutung.
Staatsverschuldung und Währungsrisiken stützen den Goldpreis
Eine zentrale Rolle spielen dabei die hohen Staatsschulden und großen Haushaltsdefizite. Besonders die Entwicklung in den USA sorgt zunehmend für Diskussionen über die langfristige Tragfähigkeit der Verschuldung. Steigende Schulden können das Vertrauen in Staatsanleihen und langfristig auch in eine Währung beeinträchtigen. Gold gewinnt in einem solchen Umfeld als monetärer Vermögenswert und Instrument zur Diversifikation an Bedeutung.
Schroders verweist außerdem auf Risiken für die Unabhängigkeit der Geldpolitik. Hohe Haushaltsdefizite können den Druck auf Notenbanken erhöhen, bei ihren geldpolitischen Entscheidungen stärker auf die Finanzierungskosten des Staates Rücksicht zu nehmen. Zwar vertraut Schroders weiterhin darauf, dass die Zentralbanken einen angemessenen geldpolitischen Kurs verfolgen. Die damit verbundenen Risiken gehören dennoch zu den Argumenten für Gold.
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Hinzu kommen weitere Risikoszenarien, die Schroders im Blick behält. Sollte die Inflation stärker anziehen, könnte Gold seine Rolle als Diversifikationsinstrument ausspielen. Gleiches gilt für das gegenteilige Szenario einer deutlichen Verschlechterung der Konjunktur. Als dritten Risikofaktor nennt Schroders zudem einen möglichen Vertrauensverlust der Anleger in die Nachhaltigkeit der aktuellen Investitionsstory rund um künstliche Intelligenz (KI), die zuletzt eine wichtige Stütze für die Aktienmärkte war. Sollte sich diese Erzählung als brüchiger erweisen als angenommen, könnte dies zu erhöhter Marktvolatilität führen – ein weiteres Szenario, in dem Gold seine Funktion als Absicherung unter Beweis stellen könnte. Damit kann Gold aus Sicht des Vermögensverwalters in mehreren unterschiedlichen Risikoszenarien einen Nutzen für das Portfolio bieten.
Zentralbanken und China sorgen für strukturelle Goldnachfrage
Ein weiteres Kaufargument ist die Nachfrage. Schroders hebt insbesondere die anhaltenden Goldkäufe der Zentralbanken hervor. Viele Notenbanken haben ihre Reserven in den vergangenen Jahren stärker diversifiziert und ihre Goldbestände ausgebaut. Diese strategisch motivierte Nachfrage bildet eine wichtige Stütze für den Markt. Auch China betrachtet der Vermögensverwalter als bedeutende strukturelle Nachfragequelle.
Daneben erkennt Schroders eine wieder stärkere institutionelle Nachfrage. Gleichzeitig hat sich die Positionierung kurzfristig orientierter spekulativer Anleger bereinigt. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies: Nach vorherigen Verkäufen und Positionsanpassungen erscheint der Markt weniger einseitig positioniert und damit aus Sicht von Schroders wieder attraktiver für einen Einstieg.
Fazit: Die entscheidende Botschaft für Privatanleger lautet deshalb nicht, dass Gold von nun an zwangsläufig steigen muss. Vielmehr hält Schroders das Verhältnis von Chancen und Risiken auf mittlere Sicht wieder für attraktiv. Besonders bemerkenswert: Dafür benötigt Gold nach Einschätzung des Vermögensverwalters nicht zwingend sinkende Zinsen oder fallende Realrenditen. Sollten hohe Staatsschulden, Inflations- und Währungsrisiken sowie die strukturelle Nachfrage anhalten, könnte der Goldpreis selbst in einem eigentlich schwierigen Zinsumfeld weiteren Rückenwind erhalten.
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