Die US-Notenbank hat den Kampf gegen die Inflation verschärft. Am gestrigen Mittwoch erhöhte sie die Leitzinsen um 25 Basispunkte und stellte die Rückkehr zur Preisstabilität klar in den Mittelpunkt. Für den Goldpreis ist das zunächst Gegenwind. Doch womöglich steht der Fed die eigentliche Herausforderung erst noch bevor.
Die Inflation in den USA bleibt erhöht und zwingt die Notenbank zu einer restriktiveren Geldpolitik. Hinzu kommen steigende Energiepreise, die den Preisdruck in den kommenden Monaten weiter verstärken könnten. Die Fed stellte deshalb nach ihrer Zinserhöhung weitere Schritte in Aussicht. Für Gold ist diese Entwicklung zwiespältig: Höhere Zinsen erhöhen die Opportunitätskosten des zinslosen Edelmetalls, während eine erneute Beschleunigung der Inflation gleichzeitig die Nachfrage nach Sachwerten unterstützen kann.
Wie schwierig die Lage werden könnte, zeigt eine Analyse des Seeking-Alpha-Autors Eugenio Catone. Er hält es für möglich, dass die US-Gesamtinflationsrate bereits Anfang November auf etwa sechs Prozent steigt. Dabei handelt es sich ausdrücklich nicht um eine klassische volkswirtschaftliche Prognose. Catone leitet sein Szenario vielmehr aus der historischen Kursentwicklung ausgewählter Unternehmen und Branchen ab, die den US-Verbraucherpreisindex in den vergangenen zehn Jahren mit einem Vorlauf von etwa zehn Wochen vorweggenommen hätten.
Drei Frühindikatoren warnen vor stärkerem Preisdruck
Ein wichtiges Signal kommt laut Catone von der Düngemittelindustrie. Sie steht am Anfang der Nahrungsmittelproduktion und benötigt große Mengen Erdgas. Steigen Energie- und damit Produktionskosten, werden diese teilweise an Landwirte weitergereicht. Alternativ kann ein geringerer Düngemitteleinsatz die Ernteerträge reduzieren und damit ebenfalls die Lebensmittelpreise erhöhen. Besonders auffällig sei derzeit die Entwicklung des Düngemittelherstellers Nutrien. Dessen Aktienkurs habe den Inflationstrend in der Vergangenheit mit etwa zehn Wochen Vorlauf angezeigt. Sollte dieser Zusammenhang bestehen bleiben, würde dies Anfang November auf eine Inflationsrate nahe sechs Prozent hindeuten.
Ein ähnliches Warnsignal liefert die Logistikbranche. Höhere Treibstoff- und Transportkosten schlagen früher oder später auf zahlreiche Warenpreise durch. Catone verweist auf den US-Logistikkonzern J.B. Hunt sowie den Schifffahrtsriesen Mærsk. Auch deren Aktienkurse hätten historisch einen deutlichen Zusammenhang mit der späteren Inflationsentwicklung gezeigt. Besonders die starke Kursentwicklung von Mærsk deutet nach seinem Modell sogar auf eine mögliche Teuerungsrate von sechs bis sieben Prozent hin.
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Diesel und Raffineriemargen als Inflationsrisiko
Als dritten Indikator nennt Catone die Raffineriebranche. Entscheidend sei derzeit weniger ein allgemeines Ölproblem als vielmehr die angespannte Versorgung mit Diesel und anderen Kraftstoffen. Ausfälle von Raffineriekapazitäten hätten die Margen für die Verarbeitung von Rohöl zu Kraftstoffen massiv steigen lassen.
Ablesen lässt sich dies am sogenannten Crack Spread, der vereinfacht die Raffineriemarge widerspiegelt. Laut der Analyse hat dieser ein außergewöhnlich hohes Niveau erreicht. In der Vergangenheit habe ein hoher Crack Spread regelmäßig steigenden Inflationsdruck signalisiert. Auch der Aktienkurs des Raffineriekonzerns Valero weise, um zehn Wochen verschoben, einen deutlichen Zusammenhang mit der späteren Entwicklung des Verbraucherpreisindex auf.
Für Anleger bleibt die Sechs-Prozent-Marke jedoch lediglich ein mögliches Szenario und keine gesicherte Prognose. Catone weist selbst darauf hin, dass historische Korrelationen keine Garantie für die Zukunft bieten. Sollten die beobachteten Frühindikatoren diesmal jedoch erneut funktionieren, könnte sich der Inflationsdruck bis Anfang November erheblich verschärfen.
Fazit: Für den Goldpreis wäre das eine interessante Konstellation. Eine überraschend starke Inflation könnte weitere Zinserhöhungen erzwingen und damit zunächst belasten. Gleichzeitig würden aber steigender Preisdruck, sinkende Realzinsen und die damit verbundenen Risiken für Konjunktur und Finanzmärkte die klassische Rolle von Gold als Diversifikations- und Krisenanlage wieder stärker in den Fokus rücken.
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