Steigende Zinsen gelten normalerweise als Belastung für Gold. Jeff Sarti (CEO von Morton Wealth) sieht dennoch gute Gründe, das Edelmetall im Portfolio zu halten. Entscheidend ist für ihn ein Perspektivwechsel: Anleger sollten Gold nicht wie eine Anleihe beurteilen, sondern als Absicherung gegen Risiken im Finanzsystem.

Ausgangspunkt von Sartis Argumentation ist der häufig gezogene Vergleich zwischen Gold und US-Staatsanleihen. Steigen die Anleiherenditen, erhöht sich der vermeintliche Nachteil des unverzinsten Edelmetalls. Wer Gold hält, verzichtet schließlich auf laufende Zinserträge.

Gold und Staatsanleihen erfüllen unterschiedliche Aufgaben

Sarti hält diesen Vergleich jedoch für zu kurz gegriffen. Staatsanleihen sollen in erster Linie regelmäßige Erträge liefern und am Laufzeitende zurückgezahlt werden. Gold erfüllt dagegen eine andere Funktion: Es soll insbesondere dann Stabilität bieten, wenn sich die wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen deutlich verschlechtern. Sarti betrachtet das Edelmetall deshalb eher als Versicherung denn als Konkurrenz zu verzinslichen Anlagen.

Dieser Ansatz verändert auch die Bewertung hoher Anleiherenditen. Eine attraktive Verzinsung nützt langfristig nur dann uneingeschränkt, wenn Inflation, Währung und Staatsfinanzen ausreichend stabil bleiben. Verschlechtern sich diese Voraussetzungen, können nominal hohe Zinsen einen Teil ihrer Attraktivität verlieren. Eine Absicherung wiederum soll ihren Nutzen gerade in einem solchen Stressszenario entfalten.

Für den Goldpreis wird die Fiskalpolitik immer wichtiger

Besonders interessant ist Sartis Blick auf die Geldpolitik. Einzelne Zinsschritte der US-Notenbank hält er für weniger bedeutend als die längerfristige Entwicklung der Staatsfinanzen. Die Fed steckt seiner Einschätzung nach in einem Dilemma: Einerseits muss sie eine hartnäckige Inflation bekämpfen, andererseits verteuern hohe Zinsen die Finanzierung einer stark verschuldeten Volkswirtschaft.

Genau hier rückt der Anleihemarkt in den Mittelpunkt. Müssen große Mengen an Staatsschulden refinanziert und gleichzeitig neue Anleihen zur Finanzierung hoher Haushaltsdefizite ausgegeben werden, stellt sich zunehmend die Frage, ob genügend Käufer für dieses Angebot vorhanden sind. Steigende Renditen wären dann nicht mehr ausschließlich Ausdruck einer restriktiven Geldpolitik, sondern könnten wachsende Zweifel an der fiskalischen Entwicklung widerspiegeln.

Für Gold wäre diese Unterscheidung entscheidend. Normalerweise belasten steigende Marktzinsen das Edelmetall, weil sich dessen Opportunitätskosten erhöhen. Werden höhere Renditen jedoch von Sorgen über Staatsverschuldung, Haushaltsdefizite oder das Vertrauen in den Dollar begleitet, kann sich dieser Zusammenhang abschwächen.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Gold als Gradmesser für das Vertrauen ins Finanzsystem

Sarti geht deshalb noch einen Schritt weiter und betrachtet Gold als eine Art Gradmesser für das Vertrauen in das Finanzsystem. Solange Anleger Staatsanleihen und den Dollar uneingeschränkt als sichere Häfen ansehen, bleibt die Versicherungsfunktion von Gold weniger gefragt. Sollten jedoch Zweifel an der Tragfähigkeit der Staatsfinanzen wachsen und der Anleihemarkt ernsthaft unter Druck geraten, könnte sich diese Funktion stärker bemerkbar machen.

Damit hängt Sartis langfristige Goldthese weniger an der nächsten Zinsentscheidung der Fed als an der Frage, ob Washington seine Staatsfinanzen glaubwürdig stabilisieren kann. Notwendig wäre dafür seiner Ansicht nach vor allem eine stärkere Ausgabendisziplin. Solange diese ausbleibt, dürfte der Handlungsspielraum der Geldpolitik begrenzt bleiben.

Fazit: Wie überzeugt Sarti von der Absicherungsfunktion des Edelmetalls ist, zeigt sein ungewöhnlicher Rat zum Schluss des Interviews. Sollten US-Bürger nach den Zwischenwahlen tatsächlich einen von der Trump-Regierung diskutierten 5.000-Dollar-Scheck erhalten, würde er das Geld umgehend in Gold umwandeln. Für Privatanleger ist das keine allgemeingültige Kaufempfehlung – es bringt aber Sartis Grundgedanken auf den Punkt: Gold soll im Portfolio vor allem für jene Situationen bereitstehen, in denen das Vertrauen in Staatsfinanzen und Papierwährungen schwindet.