Der Goldpreis hat bereits eine außergewöhnliche Rally hinter sich. Dennoch denkt Rohstofflegende Jim Rogers offenbar nicht ans Verkaufen. Im Gegenteil: Der 83-jährige Investor hat die jüngsten Turbulenzen genutzt, um seine Edelmetallbestände weiter auszubauen.
Seine Strategie unterscheidet sich dabei deutlich vom Versuch, Hoch- und Tiefpunkte möglichst genau zu treffen. In einem kürzlich veröffentlichten Gespräch mit BullionStar berichtete Rogers, dass er während der starken Schwankungen der vergangenen Monate sowohl Gold als auch Silber gekauft habe. Verkauft habe er dagegen keines der beiden Edelmetalle. Selbst als die Preise kräftig gestiegen waren, sah er keinen Anlass, Gewinne mitzunehmen. Sollten Gold und Silber wieder deutlich billiger werden, würde er nach eigener Darstellung weitere Käufe in Betracht ziehen.
Bemerkenswert ist vor allem die dahinterstehende Strategie. Rogers betrachtet seine Edelmetallbestände nicht als kurzfristige Spekulation, bei der nach einem bestimmten Kursgewinn automatisch Kasse gemacht wird. Gold und Silber bilden vielmehr einen langfristigen Teil seines Vermögens. Seine Positionen möchte er möglichst dauerhaft halten und später an seine Kinder weitergeben.
Auch beim Verhältnis zwischen Gold und Silber verfolgt Rogers einen pragmatischen Ansatz. Das viel beachtete Gold-Silber-Ratio spielt für seine Entscheidungen keine entscheidende Rolle. Stattdessen tendiert er dazu, jenes Edelmetall zu kaufen, dessen Preis zuvor stärker gefallen ist. Damit nutzt er Rückschläge zum schrittweisen Ausbau seiner Bestände, anstatt steigenden Kursen hinterherzulaufen. Eine allgemein gültige optimale Goldquote für Anleger nennt er nicht.
Wann würde Jim Rogers sein Gold verkaufen?
Gerade dieser Punkt macht das Interview angesichts der hohen Goldpreise interessant. Rogers setzt offenbar keine feste Kursmarke, bei deren Erreichen er seine Bestände automatisch veräußern würde. Selbst außergewöhnlich hohe nominale Goldpreise wären für ihn nicht zwangsläufig ein Verkaufssignal.
Das erklärt auch die aufsehenerregende Marke von 50.000 Dollar, die BullionStar im Zusammenhang mit dem Interview thematisiert. Sie sollte nicht als konkrete Goldpreisprognose von Rogers verstanden werden. Seine Überlegung geht vielmehr in eine andere Richtung: Setzen Regierungen ihre Politik der Geldentwertung und lockeren Geldpolitik fort, könnte der Goldpreis in Dollar theoretisch auf heute kaum vorstellbare Größenordnungen steigen. Ein solcher Anstieg würde dann aber möglicherweise weniger über die reale Wertsteigerung von Gold als über den Kaufkraftverlust der Währung aussagen.
Entscheidend wäre für Rogers deshalb nicht allein, wie viele Dollar eine Feinunze kostet. Relevant ist, was sich mit Gold im Vergleich zu Papiergeld tatsächlich kaufen lässt. Einen Verkauf seiner langfristigen Bestände kann er sich im Grunde nur in einem einzigen Szenario vorstellen: im Falle einer echten Katastrophe – ein Fall, den er zu Lebzeiten zwar nicht erwartet, aber auch nicht völlig ausschließt.
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Goldpreis allein ist für Rogers nicht entscheidend
Die bekannten Argumente hinter dieser Haltung spielen im Interview ebenfalls eine Rolle. Dazu gehören die inzwischen enorme US-Staatsverschuldung, langfristige Risiken für Papierwährungen und die historische Funktion von Edelmetallen als Wertaufbewahrungsmittel. Rogers hält zugleich weiterhin Dollar – seine Position ist damit differenzierter als eine einfache Wette gegen die amerikanische Währung.
Fazit: Für Privatanleger liefert das Gespräch daher weniger eine spektakuläre Goldpreis-Prognose als einen Einblick in Rogers' langfristige Anlagestrategie. Er versucht nicht, einen bestimmten Höchstkurs vorherzusagen. Stattdessen hält er an seinen Beständen fest, kauft bei Rücksetzern hinzu und betrachtet selbst extrem hohe nominale Goldpreise nicht automatisch als Grund zum Ausstieg. Genau deshalb sind theoretisch „absurde“ Kurssteigerungen für ihn zwar denkbar – ein konkretes Kursziel von 50.000 Dollar leitet Rogers daraus jedoch nicht ab.
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