Nach dem deutlichen Rücksetzer beim Goldpreis fragen sich viele Anleger, ob das Edelmetall weiterhin ins Portfolio gehört. Der weltgrößte Vermögensverwalter BlackRock hat dazu nun klar Stellung bezogen – und kommt zu folgender Einschätzung.

Russ Koesterich, Portfolio Manager der BlackRock Global Allocation Strategy, hält trotz der schwachen Kursentwicklung weiterhin an einer Goldbeimischung fest. Nach seiner Einschätzung sprechen die strukturellen Argumente für das Edelmetall unverändert dafür, Gold als Bestandteil eines breit diversifizierten Portfolios zu halten. Gleichzeitig macht er jedoch deutlich, warum der Goldpreis in den vergangenen Monaten erheblich unter Druck geraten ist.

Vom sicheren Hafen zum Risikofaktor?

Nach Ansicht des BlackRock-Experten hat die kräftige Rally zu Beginn des Jahres die Rolle des Edelmetalls verändert. Gold sei zeitweise weniger als klassischer Sicherheitsbaustein wahrgenommen worden, sondern vielmehr als Momentum-Investment. Dadurch habe sich auch das Risikoprofil verändert. Statt das Portfolio in schwächeren Marktphasen zu stabilisieren, habe Gold zeitweise selbst zur Schwankungsintensität beigetragen. Damit stellte das Edelmetall nach Einschätzung Koesterichs zuletzt keinen klassischen Schutz vor Kursverlusten mehr dar, sondern erhöhte das Gesamtrisiko eines Portfolios.

Als wichtigsten Auslöser für die Korrektur nennt BlackRock die Entwicklung des Dollars. Seit seinem Tief zu Jahresbeginn hat der Dollar-Index deutlich zugelegt. Verantwortlich dafür seien unter anderem die robuste Entwicklung der US-Wirtschaft, geopolitische Unsicherheiten an den Energiemärkten sowie veränderte Erwartungen hinsichtlich der Geldpolitik der US-Notenbank. Ein stärkerer Dollar belastet den Goldpreis traditionell, da das Edelmetall international in der US-Währung gehandelt wird.

Hinzu kommt der Anstieg der realen US-Anleiherenditen, der bei zehnjährigen Bonds von 1,65 auf 2,2 Prozent angestiegen sei. Da Gold weder Zinsen noch laufende Erträge erwirtschaftet, sinkt seine Attraktivität häufig in einem Umfeld steigender Realzinsen. Als weiteren Belastungsfaktor verweist Koesterich auf die anhaltende Begeisterung vieler Investoren für Unternehmen aus dem Bereich Künstliche Intelligenz. Kapital fließe derzeit bevorzugt in wachstumsstarke Aktien mit hohen Gewinnerwartungen, während Gold als ertragsloser Vermögenswert vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erhalte.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Langfristige Argumente bleiben laut BlackRock bestehen

Trotz der kurzfristigen Gegenwinde hält BlackRock an seiner grundsätzlichen Einschätzung fest. Aus Sicht des Vermögensverwalters haben sich die langfristigen Gründe für einen Goldbestand nicht verändert. Die weltweit hohe Staatsverschuldung, anhaltende Haushaltsdefizite, langfristige Risiken für die Kaufkraft von Währungen sowie geopolitische Unsicherheiten sprechen weiterhin für eine moderate Goldposition im Portfolio. Einen schnellen und nachhaltigen Kursaufschwung erwartet Koesterich allerdings erst dann, wenn sich das Umfeld aus Dollarstärke und hohen Realzinsen wieder entspannt.

Mit seiner Empfehlung steht BlackRock nicht allein da. Auch andere große Vermögensverwalter sprechen sich grundsätzlich für eine strategische Goldbeimischung aus. Häufig genannt wird eine Größenordnung von etwa zwei bis fünf Prozent des Gesamtvermögens, während der World Gold Council eine etwas breitere Spanne von zwei bis zehn Prozent als sinnvoll ansieht.

Der World Gold Council hat dazu Modellportfolios über Zeiträume von drei, fünf, zehn und zwanzig Jahren untersucht. Das Ergebnis: Eine Goldquote zwischen zwei und zehn Prozent konnte in vielen Fällen die risikobereinigte Rendite verbessern. Gleichzeitig zeigte die Analyse, dass mit zunehmendem Portfoliorisiko auch eine höhere Goldgewichtung sinnvoll sein kann. Für klassische Mischportfolios erwies sich eine Goldquote von vier bis acht Prozent häufig als besonders ausgewogen.

Fazit: Kurzfristig sprechen ein starker Dollar, hohe Realzinsen und die Fokussierung der Anleger auf KI-Aktien gegen eine schnelle Erholung des Goldpreises. Langfristig bleibt Gold nach Einschätzung von BlackRock jedoch ein sinnvoller Diversifikationsbaustein, der in einem ausgewogenen Portfolio weiterhin seinen Platz hat.

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