Am Kupfermarkt sorgt eine ungewöhnliche Handelsstrategie für Aufsehen. Ein erfahrener Rohstoffhändler hat an der Londoner Metallbörse umfangreiche Positionen aufgebaut. Dahinter steckt eine Wette auf politische Entscheidungen, knappe Lagerbestände und kurzfristige Preisunterschiede.
Der britische Rohstoffhändler Sonny McNess ist in der Metallbranche kein Unbekannter. In seiner früheren Tätigkeit bei JPMorgan und dem Rohstoffhandelshaus Mercuria sorgte er mit umfangreichen Spekulationen auf Aluminium für Aufmerksamkeit. Seine Handelspositionen waren zeitweise so groß, dass die London Metal Exchange (LME) daraufhin ihre Regeln angepasst hat. Inzwischen leitet McNess den Derivatehandel für Metalle bei Hartree Partners.
Wie Bloomberg unter Berufung auf mehrere mit den Vorgängen vertraute, aber nicht namentlich genannte Personen berichtet, hat McNess in den vergangenen Wochen umfangreiche Positionen am Kupfermarkt aufgebaut. Demnach kaufte er große Mengen an Terminkontrakten mit Lieferung im Oktober und setzte gleichzeitig auf fallende Preise bei November-Futures.
Die Strategie zielt somit weniger auf einen allgemeinen Anstieg des Kupferpreises als auf eine Ausweitung des Preisunterschieds zwischen beiden Lieferterminen. Wenn kurzfristig verfügbares Kupfer knapp wird, können unmittelbar fällige Kontrakte gegenüber späteren Lieferterminen deutlich teurer werden.
Eine solche Marktsituation wird als Backwardation bezeichnet. Kurz vor dem Auslaufen der Oktober-Kontrakte erreichte deren Aufschlag gegenüber November-Futures laut Bloomberg zeitweise 91,99 Dollar je Tonne. Hartree soll dabei die größte von mehreren umfangreichen Long-Positionen im Oktober-Kontrakt gehalten haben. McNess und Hartree lehnten eine Stellungnahme ab.
Trump-Zölle auf Kupfer als entscheidender Risikofaktor
Hinter der Handelsstrategie steht vor allem die Unsicherheit über mögliche US-Einfuhrzölle auf raffiniertes Kupfer. Präsident Donald Trump hat entsprechende Maßnahmen seit Längerem in Aussicht gestellt. In Erwartung neuer Zölle transportierten Händler große Kupfermengen in die Vereinigten Staaten. Dadurch gingen die Lagerbestände im weltweiten LME-Netzwerk seit Mai deutlich zurück.
Zusätzlich sorgte eine stärkere Importnachfrage aus China für eine angespannte Versorgungslage. Im August erreichte der Aufschlag sofort verfügbaren Kupfers gegenüber dreimonatigen Terminkontrakten zeitweise sogar 545 Dollar je Tonne.
Sollte Trump die Zölle einführen, könnten Händler von Preisunterschieden zwischen London und New York profitieren. Dazu würden sie Kupfer über kurzfristige LME-Kontrakte erwerben und das Metall zur Erfüllung amerikanischer Terminkontrakte verwenden.
Allerdings birgt diese Strategie erhebliche Risiken. Verkündet Trump die Zölle zu spät oder verzichtet vollständig darauf, könnte die erwartete Verknappung ausbleiben. Dann drohen die kurzfristigen Preisaufschläge zusammenzubrechen. Besonders problematisch wäre dies für Händler, die auf eine anhaltende Backwardation gesetzt haben.
London Metal Exchange könnte Spekulationen begrenzen
Ein weiteres Risiko ergibt sich aus den Handelsregeln der LME. Nach den großen Aluminiumpositionen von McNess führte die Börse Vorschriften ein, die marktbeherrschende Positionen begrenzen sollen.
Unter bestimmten Voraussetzungen müssen Händler umfangreiche Positionen kostenlos zur Verfügung stellen, wenn diese die kurzfristig verfügbaren Metallbestände übersteigen. Zudem verlangt die LME tägliche Positionsmeldungen und kann zusätzliche Maßnahmen zum Positionsmanagement anordnen.
Damit könnte die Börse verhindern, dass einzelne Marktteilnehmer eine Angebotsverknappung übermäßig ausnutzen. Ob und in welchem Umfang solche Maßnahmen die aktuelle Kupferstrategie beeinflussen, ist allerdings offen.
Fazit: Für Privatanleger zeigt der Fall, wie stark politische Entscheidungen und die Verfügbarkeit von Metall kurzfristige Kupferpreise beeinflussen können. Aus McNess' Handelsposition lässt sich jedoch keine verlässliche Prognose für die längerfristige Entwicklung des Kupferpreises ableiten.
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