Gold, Silber und Kupfer haben 2026 heftige Kursbewegungen erlebt. Für die weitere Entwicklung sieht die Deutsche Bank jedoch erhebliche Unterschiede. Daniel Ghali, Leiter der Metallanalyse des Geldhauses, beleuchtet in einem Interview mit BNN Bloomberg deren Aussichten.
Gold steht eigentlich vor erheblichen Belastungen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen ist auf mehr als fünf Prozent gestiegen, zugleich hat sich Öl auf Zwölfmonatssicht deutlich verteuert. Hinzu kommt ein restriktiver Ausblick für die US-Geldpolitik. Trotzdem hat Gold kein neues Tief seit Juli markiert. Für Ghali spricht diese Widerstandsfähigkeit dafür, dass der Verkaufsdruck bereits weit fortgeschritten sein könnte.
Deutsche Bank attestiert Gold relative Stärke
Auch die Positionierung liefert interessante Signale. Bereits in einer Research-Note vom 30. September beschrieb Ghali die Lage als nahe an einer Kapitulation. Trendfolgende Fonds hielten demnach ihre größte Netto-Short-Position (Pessimismus überwiegt) seit Oktober 2021, während aktiv nach eigener Markteinschätzung handelnde Investoren ihre Long-Positionen gegenüber dem Juni-Hoch um rund 55 Prozent reduziert hatten. Dass Gold dennoch nicht stärker einbrach, wertet die Deutsche Bank als Hinweis auf robuste Nachfrage anderer Käufergruppen.
Das Umfeld unterscheidet sich zudem erheblich von 2021 und 2022. Die Käufe von Zentralbanken und anderen staatlichen Akteuren laufen laut Ghali inzwischen mit mehr als doppelt so hohem Tempo. Gleichzeitig ist die Zahl institutioneller Anleger, die am Goldmarkt aktiv sind, seit 2021 um schätzungsweise 70 Prozent gestiegen. Angesichts der niedrigen Positionierung hält Ghali Gold für überverkauft und bei Investoren weiterhin für unterrepräsentiert.
Interessant ist auch Ghalis Einschätzung zum Anleihemarkt: Die Schwäche von US-Staatsanleihen muss nicht zwangsläufig gegen Gold sprechen. Pensionsfonds, Versicherungen und Stiftungen haben ihre alternativen Anlagen zwar stark ausgebaut, viele davon reagieren aber weiterhin empfindlich auf steigende Renditen. Dadurch könnte ausgerechnet die Anleihebaisse den Wunsch nach zusätzlicher Diversifikation in Gold verstärken.
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Silberpreis: Vom Mangel zum möglichen Überschuss
Bei Silber fällt das Urteil deutlich vorsichtiger aus. Noch im vergangenen Jahr war physisches Silber außergewöhnlich knapp. Mittlerweile haben sich die frei verfügbaren Bestände in London jedoch auf den höchsten Stand seit November 2024 erholt. Auch an der Comex sind große Vorräte vorhanden, während die Lagerbestände in Shanghai ebenfalls gestiegen sind.
Gleichzeitig bremsen die hohen Preise die Nachfrage. Nach Berechnungen der Deutschen Bank dürfte die chinesische industrielle Silbernachfrage aus dem Solarsektor 2026 etwa ein Drittel niedriger ausfallen als im Vorjahr. Damit treffen größere Lagerbestände auf ein schrumpfendes Defizit. Im kommenden Jahr könnte der physische Primärmarkt laut Ghali sogar einen Überschuss aufweisen. Er rechnet deshalb mit geringerer Volatilität und einer schwächeren Entwicklung von Silber gegenüber Gold.
Kupferpreis: Historische Knappheit als Kurstreiber
Am optimistischsten beurteilt die Deutsche Bank Kupfer. Frei verfügbare oberirdische Bestände befinden sich laut dem Research-Haus auf dem niedrigsten Niveau seit Beginn der entsprechenden Aufzeichnungen in den 1980er-Jahren. Verantwortlich dafür ist vor allem die Vorratshaltung in China und den USA. Bis zum Jahresende könnten beide Länder zusammen ungefähr 70 Prozent der weltweiten Kupferlagerbestände binden.
Damit wird weniger entscheidend, wie viel Kupfer weltweit grundsätzlich vorhanden ist, sondern wie viel davon anderen Marktteilnehmern tatsächlich zur Verfügung steht. Genau diese Knappheit könnte laut Ghali überproportionale Preisbewegungen auslösen.
Fazit: Aus den Einschätzungen der Deutschen Bank ergibt sich damit eine klare Rangfolge: Auf Platz eins steht Kupfer mit dem größten kurz- bis mittelfristigen Kurspotenzial. Gold folgt auf Platz zwei, gestützt durch niedrige Positionierung, Zentralbankkäufe und wachsende institutionelle Nachfrage. Silber landet auf Platz drei, weil steigende Lagerbestände und eine schwächere industrielle Nachfrage das Risiko eines Überangebots erhöhen.
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