Silber zeigt derzeit zwei völlig unterschiedliche Gesichter. Seit Jahresbeginn liegt das Edelmetall rund 13,6 Prozent im Minus und damit deutlich hinter Gold. Auf Zwölfmonatssicht sieht es genau umgekehrt aus: Mit gut 31 Prozent Plus hat Silber Gold mit knapp neun Prozent klar geschlagen. Nun könnte sich eine Konstellation wiederholen, die vor gut zehn Jahren eine kräftige Rally auslöste.

Phillip Streible, Chief Market Strategist bei Blue Line Futures, erinnert in einem aktuellen Kommentar für Kitco an den Dezember 2015. Damals erhöhte die US-Notenbank erstmals seit fast einem Jahrzehnt die Zinsen. Viele Marktteilnehmer erwarteten anschließend weiter fallende Edelmetallpreise. Tatsächlich bildete Gold ungefähr zum Zeitpunkt der Zinserhöhung einen Boden, während Silber in den folgenden sieben Monaten rund 50 Prozent zulegte.

Streible sieht Parallelen zur heutigen Situation. Auch 2026 hat die Fed nach einer längeren Pause wieder die Zinsen angehoben. Entscheidend war 2015 seiner Ansicht nach weniger die Zinserhöhung selbst als die anschließend nachlassende Unsicherheit über den geldpolitischen Kurs. Kapital kehrte in die Edelmetallmärkte zurück. Neben Silber legte damals auch Gold deutlich zu.

In diesem Jahr verlor Silber vom Allzeithoch zeitweise rund 47 Prozent. An den fundamentalen Angebotsbedingungen änderte dies laut Streible wenig: Der Silbermarkt steuert 2026 auf das sechste Angebotsdefizit in Folge zu.

Auch charttechnisch könnte eine wichtige Entscheidung bevorstehen. Streible betrachtet 60 bis 63 Dollar als zentrale Unterstützungszone, die bislang gehalten hat. Oberhalb von 72 Dollar könnte sich aus seiner Sicht Potenzial in Richtung 80 Dollar eröffnen. Längerfristig hält er sogar 100 Dollar für möglich. Das historische Beispiel von 2015 liefert allerdings keine Garantie dafür, dass sich die damalige Entwicklung wiederholt.

WisdomTree Core Physical Silver bildet den Silberpreis ab

Wer auf steigende Silberpreise setzen möchte, kann neben Münzen und Barren auch börsengehandelte Produkte nutzen. Eine Besonderheit bietet der WisdomTree Core Physical Silver (ISIN JE00BQRFDY49, WKN A4AE1X). Dabei handelt es sich nicht um einen ETF, sondern rechtlich um einen ETC beziehungsweise eine besicherte Inhaberschuldverschreibung. Das Produkt soll die Entwicklung des Silber-Spotpreises abzüglich der Verwaltungsgebühr von derzeit 0,19 Prozent jährlich nachvollziehen.

Hinterlegt ist physisches, eindeutig zugeordnetes Silber, das bei HSBC in London verwahrt wird und den Good-Delivery-Regeln der London Bullion Market Association entsprechen muss. Eine Metallleihe findet laut WisdomTree nicht statt. Jeder Anteil verbrieft zudem einen effektiven Anspruch auf eine bestimmte Menge Silber.

Für deutsche Anleger besonders interessant ist die Möglichkeit der physischen Auslieferung. Über den Partner Metalor Technologies kann das Investment auf Antrag bereits ab einer Menge von einem Kilogramm in physisches Silber eingelöst werden.

Tipp: Fundierte Einschätzungen zum Goldpreis und zu Minenaktien finden Sie regelmäßig im Goldfolio - dem Börsendienst von Markus Bußler.

Silber (ISIN: AF0000SILVER)

Silber-ETC mit steuerlicher Besonderheit

Dieser Lieferanspruch hat auch steuerliche Bedeutung. Nach Angaben von WisdomTree gelten Gewinne bei in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtigen Privatanlegern nicht als Kapitaleinkünfte, sondern als private Veräußerungsgeschäfte, sofern das Produkt mindestens zwölf Monate gehalten wurde. Die Abgeltungsteuer würde dann nicht anfallen. Die steuerliche Behandlung im Einzelfall sollten Anleger mit einem Steuerberater klären.

Damit verbindet der WisdomTree Core Physical Silver die Handelbarkeit eines börsennotierten Wertpapiers mit physischer Silberbesicherung und einem Auslieferungsanspruch. Ob sich ein Einstieg auszahlt, entscheidet letztlich aber der Silberpreis. Und ob sich die Geschichte von 2015 wiederholt, bleibt offen – die derzeitige Kombination aus technischer Unterstützung und anhaltendem Angebotsdefizit macht die kommenden Monate jedoch besonders interessant.

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