Wer Rohstoffe im Depot hat, dürfte bei dieser Nachricht aufhorchen: Lobo Tiggre, Gründer des Börsenbriefs The Independent Speculator, hat Anfang des Jahres die meisten seiner Gold- und Silberaktien verkauft und sieht nun in einem anderen Rohstoffsektor Kaufchancen.

In einem Interview mit Kitco News am Rande der New Orleans Investment Conference hat er verraten, wo er die erste klare Kaufgelegenheit seit diesen Verkäufen sieht. Gemeint ist weder Öl noch Kupfer, sondern ein Rohstoff mit einem auffälligen Widerspruch.

Uranpreis hoch, Uranaktien unter Druck

Es geht um Uran. Während der Preis für langfristige Uranlieferverträge auf einen Rekordstand gestiegen ist, haben die Aktien zahlreicher Uranproduzenten massiv an Wert verloren. Der Großteil des Kernbrennstoffs wird über langfristige Verträge an Versorger verkauft. Der Indikator für langfristige Uranlieferverträge des Beratungsunternehmens TradeTech erreichte Ende Oktober mit 99 Dollar je Pfund den höchsten Stand seit seiner Einführung 1996. Der Sprott Uranium Miners ETF hat sich seit Ende Januar auf Dollarbasis mehr als halbiert, während der S&P 500 nur wenige Prozentpunkte unter seinem diesjährigen Rekord notiert. Für Tiggre spricht das eher für einen Fehler des Marktes als für verborgene Probleme der Branche.

Die Gründe für den Ausverkauf sieht er außerhalb des Uranmarkts: Anleger, die den Sektor als indirekte Wette auf künstliche Intelligenz gekauft hätten, seien mit den fallenden KI-Aktien ausgestiegen. Hinzu kämen vorgezogene Verkäufe zur steuerlichen Verlustrealisierung. Auch der ETF-Anbieter Sprott nennt Liquiditätsdruck statt schwächerer Fundamentaldaten als Ursache.

Konkrete Titel nennt Tiggre nicht. Er deutet aber an, etablierte Branchengrößen gegenüber kleinen, riskanteren Junior-Unternehmen zu bevorzugen, weil er selbst etablierte Unternehmen inzwischen für attraktiv bewertet hält. Unbeteiligt ist er dabei nicht: Er hat nach eigenen Angaben selbst Geld investiert und verkauft seine Analysen an zahlende Kunden. Bei Gold- und Silberaktien will er dagegen vorerst abwarten und später vor allem auf Silber setzen.

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HAN.MUL.ASS. ETC O.END (WKN: A4A5UR)

Uran: Wie sich die Nachfrage entwickeln könnte

Als Nächstes erwartet er Bewegung am kleineren Spotmarkt, an dem Uran zur kurzfristigen Lieferung gehandelt wird. Bis Jahresende hält er es für gut möglich, dass der Spotpreis den Langfristpreis überholt. Zuletzt war das im Januar der Fall, bei 100,25 Dollar. Ende Oktober lag der Spotpreis bei 93,25 Dollar. Ob die Prognose eintrifft, ist offen. Stützen könnte den Preis zudem die Angebotsseite: Der Weltmarktführer Kazatomprom benötigt für die Förderung Schwefelsäure, eine dafür geplante Anlage soll erst 2026 oder im ersten Halbjahr 2027 starten.

Längerfristige Argumente liefert das im September veröffentlichte „Red Book“ von NEA und IAEA: Der Bedarf könnte bis 2050 je nach Szenario um 42 Prozent steigen oder sich mehr als verdoppeln. Die bekannten Vorkommen reichen laut dem Bericht zwar selbst für den höchsten Wert aus. Damit diese Vorkommen rechtzeitig erschlossen und genutzt werden können.

HANetf Sprott Uranium Miners UCITS ETF Acc (WKN: A3DJZY)

In Uran investieren: Uran-ETC und Uranminen-ETF im Überblick

Zwei börsengehandelte Produkte setzen an unterschiedlichen Stellen an. Der Sprott Physical Uranium ETC (ISIN: XS2937253818) bildet die Wertentwicklung von physischem Uran ab und hält dazu Anteile am Sprott Physical Uranium Trust. Als ETC ist er kein Fonds, sondern eine Schuldverschreibung.

Der Sprott Uranium Miners UCITS ETF (ISIN: IE0005YK6564) investiert dagegen in Aktien aus der Uranbranche. Seine Entwicklung hängt daher nicht nur vom Rohstoffpreis ab, sondern auch von Kosten, Management und allgemeiner Börsenstimmung. Beide Wertpapiere können allerdings stark schwanken, wie der diesjährige Kursrutsch der Uranminenaktien gezeigt hat.

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