Der Goldpreis hat 2026 bereits für zahlreiche Überraschungen gesorgt. Aakash Doshi, Goldstratege bei State Street, hält langfristig sogar 10.000 US-Dollar je Feinunze für möglich. Dafür führt er mehrere strukturelle Gründe an.
Im Mittelpunkt von Doshis Argumentation steht die weltweit zunehmende Staatsverschuldung. Hohe Haushaltsdefizite und steigende Zinskosten belasten nicht nur die USA. Auch in Europa, Großbritannien und Japan sieht der Experte wachsende fiskalische Herausforderungen. Für Anleger gewinnt damit die Frage an Bedeutung, wie nachhaltig die hohen Schuldenstände finanziert werden können.
Genau hier setzt Doshis langfristig positive Einschätzung für Gold an. Nach seiner Auffassung gewinnt Gold zunehmend als Absicherung gegen eine mögliche Entwertung von Papierwährungen an Bedeutung. Denn die hohen Staatsschulden könnten den Druck auf die Notenbanken erhöhen, die Finanzierungskosten langfristig niedrig zu halten.
Der wahre Grund für den Zinsanstieg
Interessant ist in diesem Zusammenhang Doshis Einschätzung steigender Anleiherenditen. Normalerweise gelten höhere Renditen als Belastungsfaktor für Gold, weil das unverzinste Edelmetall gegenüber Anleihen an Attraktivität verliert. Doch diese Beziehung muss seiner Ansicht nach nicht immer gelten. Steigen die Renditen aufgrund wachsender Zweifel an der Tragfähigkeit der Staatsfinanzen und gerät gleichzeitig die jeweilige Währung unter Druck, kann Gold sogar von höheren Marktzinsen profitieren.
Diese Entwicklung war zuletzt in den USA zu beobachten. Sorgen über das hohe Haushaltsdefizit und die Ankündigung des US-Finanzministeriums, seine Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen auszuweiten, verstärkten die Befürchtungen einer langfristigen Dollarentwertung. Solche Entwicklungen könnten nach Doshis Einschätzung die Nachfrage nach Gold als knappem Sachwert zusätzlich erhöhen.
Goldpreis von 10.000 Dollar: Anlegerquoten als entscheidender Hebel
Für besonderes Aufsehen sorgt Doshis langfristige Perspektive eines Goldpreises von 10.000 Dollar. Dabei handelt es sich allerdings nicht um ein offizielles kurzfristiges Kursziel von State Street. Doshi verbindet dieses Szenario vielmehr mit einer grundlegenden Veränderung der Vermögensallokation internationaler Anleger.
Seinen Angaben zufolge machen Gold-ETFs derzeit weniger als ein Prozent des weltweit in ETFs und Investmentfonds angelegten Vermögens aus. Sollte Gold künftig einen strategischen Anteil von etwa drei Prozent in den Portfolios erreichen, würde dies erhebliche zusätzliche Mittel in den vergleichsweise kleinen Goldmarkt lenken. Diese Verschiebung könnte nach Doshis Einschätzung langfristig ausreichen, um den Preis bis in die Größenordnung von 10.000 Dollar zu treiben.
Dahinter steht die Erwartung, dass Gold zunehmend nicht nur als kurzfristiger Krisenschutz betrachtet wird, sondern einen dauerhaft höheren Stellenwert in der Vermögensaufteilung erhält. Unterstützt wird diese Entwicklung durch die seit Jahren hohe Goldnachfrage vieler Zentralbanken. Vor allem Schwellenländer versuchen, ihre Währungsreserven stärker zu diversifizieren und ihre Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren.
5.000 Dollar könnten deutlich früher erreichbar sein
Während 10.000 Dollar ein langfristiges Szenario darstellen, hält Doshi wesentlich niedrigere Marken schon früher für erreichbar. Für den kommenden Winter stuft er einen Goldpreis zwischen 5.000 und 5.250 Dollar als realistisches Ziel ein. Bei einer weniger restriktiven Geldpolitik der US-Notenbank oder neuen wirtschaftlichen Verwerfungen könnte die Marke von 5.000 Dollar bereits im vierten Quartal in Reichweite kommen.
Eine geradlinige Rally erwartet der Goldstratege allerdings nicht. Zwischenzeitliche Korrekturen bleiben jederzeit möglich. So könnte beispielsweise eine Rezession die Nachfrage nach sicheren Staatsanleihen erhöhen und damit die Sorgen über die Finanzierung hoher Staatsschulden zumindest vorübergehend in den Hintergrund drängen. Für Doshi sei es weniger eine Frage, ob die Marke von 10.000 Dollar erreicht werde, sondern wann.
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