Der Goldpreis hat die Marke von 4.500 Dollar überwunden und steuert auf einen Wochengewinn von mehr als drei Prozent zu. Trotz des kräftigen Comebacks sehen mehrere große US-Banken weiteres Potenzial. Morgan Stanley, Citigroup und Wells Fargo haben sich mit aktuellen Einschätzungen zu Wort gemeldet.

Besonders interessant fällt das jüngste Update von Morgan Stanley aus. Die Investmentbank hatte bisher für das vierte Quartal 2026 bislang einen Goldpreis von 4.450 Dollar prognostiziert. Dieses Niveau wurde nun früher erreicht als erwartet. Für 2027 hält das Haus deshalb jetzt sogar Preise von mehr als 5.000 Dollar für möglich, wenngleich der Weg dorthin von hoher Volatilität begleitet sein dürfte.

Für den Optimismus sprechen mehrere Faktoren. Die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen durch die US-Notenbank hat abgenommen, während der Dollar zuletzt schwächer tendierte. Beides verbessert grundsätzlich das Umfeld für Gold. Morgan Stanley rechnet damit, dass die Fed ihren Leitzins bis Ende 2026 unverändert lässt. Hinzu kommen anhaltende Goldkäufe der Zentralbanken und eine wieder festere physische Nachfrage. Auch die anhaltenden Goldkäufe der Zentralbanken stützen den Markt. Allein Polen stockte seine Reserven im ersten Halbjahr um 82 Tonnen auf, China um rund 40 Tonnen.

Bemerkenswert ist außerdem die Entwicklung am Anleihemarkt. Morgan Stanley beobachtet erste Anzeichen einer Entkopplung des Goldpreises von den langfristigen Realrenditen. Anfang August legte Gold zu, obwohl die langfristigen Renditen weitgehend stabil blieben. Nach Einschätzung der Bank scheint der Goldmarkt derzeit stärker die fiskalischen Sorgen hinter den hohen Renditen einzupreisen als das Renditeniveau selbst.

Citi und Wells Fargo bleiben beim Goldpreis optimistisch

Auch Citi sieht weiterhin erhebliches Potenzial. Die Strategen der US-Bank beschäftigen sich insbesondere mit der sogenannten Debasement-Strategie. Gemeint ist die Suche nach Anlagen, die Schutz vor einer langfristigen Entwertung klassischer Papierwährungen und steigenden Staatsschulden bieten können. Nach dem jüngsten Rückgang von Kryptowährungen könnte Gold nach Einschätzung der Bank verstärkt von solchen Kapitalströmen profitieren. Citi hält auf Sicht der kommenden zwölf Monate einen Goldpreis im Bereich von 5.000 bis 6.000 Dollar für möglich. Unterstützend wirken aus Sicht der Strategen unter anderem die hohen US-Schulden, die Treasury-Maßnahmen am Anleihemarkt und ein schwächerer Dollar.

Etwas vorsichtiger fällt das Update des Wells Fargo Investment Institute aus. Das Haus hat seine Prognosen zwar reduziert, bleibt für Edelmetalle aber grundsätzlich positiv. Für Ende 2026 wird nun ein Goldpreis von 4.900 bis 5.100 Dollar erwartet, nach zuvor 5.300 bis 5.500 Dollar. Für 2027 liegt die Prognosespanne bei 5.400 bis 5.600 Dollar. Als Belastungsfaktoren gelten hohe Anleiherenditen und die restriktive Geldpolitik. Dem stehen die anhaltende Nachfrage asiatischer Investoren und die Goldkäufe der Zentralbanken gegenüber.

Tipp: Fundierte Einschätzungen zum Goldpreis und zu Minenaktien finden Sie regelmäßig im Goldfolio - dem Börsendienst von Markus Bußler.

Gold (ISIN: XC0009655157)

Gold-ETFs feiern im August ein Comeback

Ein weiteres Argument für eine Fortsetzung der Erholung liefert die Investmentnachfrage. Nach schwächeren Monaten kehren ETF-Anleger im August verstärkt zurück. Allein der weltgrößte physisch besicherte Gold-ETF, der SPDR Gold Shares, verzeichnete im bisherigen Monatsverlauf Zuflüsse von fast 32 Tonnen.

Auch die globalen Zahlen zeigen die Trendwende. Nach Zuflüssen von 23,5 Tonnen im Juli meldete der World Gold Council bereits für die erste Augusthälfte ein Plus von mehr als 46 Tonnen bei den weltweiten Gold-ETFs. 

Fazit: Grundsätzlich steht die jüngste Goldrally auf einer breiteren Basis als noch vor einigen Wochen. Nachlassende Zinssorgen, fiskalische Risiken, Zentralbankkäufe und die Rückkehr der ETF-Investoren liefern gleichzeitig Unterstützung. Nach dem kräftigen Kursanstieg sind Rückschläge zwar jederzeit möglich. Die aktuellen Einschätzungen von Morgan Stanley, Citi und Wells Fargo zeigen jedoch: Selbst oberhalb von 4.500 Dollar sehen wichtige Wall-Street-Adressen das Potenzial des Goldpreises noch nicht als ausgeschöpft an.

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Häufige Fragen

Warum steigt der Goldpreis gerade so stark?

Der Goldpreis profitiert von mehreren Faktoren gleichzeitig: einem schwachen US-Dollar, einer historisch hohen Kaufaktivität der Zentralbanken weltweit sowie steigenden Zuflüssen in Gold-ETFs, seit die Zinssenkungen der Fed Geldmarktprodukte weniger attraktiv machen. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheiten und Zweifel an der fiskalischen Stabilität der USA, die Gold als sicheren Wertspeicher attraktiver machen. JP Morgan sieht diese Treiber als strukturell und langfristig intakt.

Ist Gold jetzt noch ein gutes Investment – oder ist die Rally vorbei?

Die großen Banken sehen noch Luft nach oben: Morgan Stanley hat seine Prognose für das vierte Quartal 2026 gerade erst von 4.450 Dollar auf 5000 Dollar angehoben. Die Citigroup hält auf Sicht von zwölf Monaten sogar 6000 Dollar für möglich.

Warum kaufen die Zentralbanken weiterhin viel Gold?

Zentralbanken – vor allem aus Schwellenländern – wollen ihre Reserven breiter aufstellen und unabhängiger vom US-Dollar werden. Wer Dollar-Reserven hält, ist im Konfliktfall angreifbar: Sanktionen, wie sie Russland nach dem Einmarsch in die Ukraine trafen, können eingefrorene Devisenreserven bedeuten. Gold dagegen ist physisch, sanktionssicher und knapp. Laut einer Umfrage des World Gold Council planen 43 Prozent der befragten Notenbanken, ihre Goldbestände weiter aufzustocken.