Die Finanzmärkte befinden sich derzeit in einem anspruchsvollen Umfeld. In solchen Phasen gewinnt die Frage an Bedeutung, welche Anlageklassen aktuell als besonders risikoreich gelten. Einen interessanten Einblick liefern dabei die Volatilitätsindizes der US-Terminbörse CBOE.
Sie gelten als wichtige Stimmungsbarometer und zeigen, mit welchen Schwankungen die Marktteilnehmer in den kommenden Wochen rechnen. Die CBOE-Volatilitätsindizes basieren auf den Preisen von Optionen und messen die vom Markt erwartete Schwankungsintensität eines bestimmten Basiswertes. Anders als die historische Volatilität, die lediglich vergangene Kursbewegungen analysiert, liefert die implizite Volatilität einen Blick nach vorne. Sie spiegelt die Erwartungen und Einschätzungen der Marktteilnehmer wider und wird deshalb als finanzmathematischer Risikobarometer genutzt. Je höher der Wert eines Volatilitätsindex ausfällt, desto größer sind die erwarteten Kursschwankungen und damit das wahrgenommene Risiko.
Rohöl, Silber und Schwellenländer führen das Ranking an
Ein Blick auf die aktuellen Volatilitätswerte vom 10. Juni 2026 zeigt deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Anlageklassen. Das höchste Risiko signalisiert derzeit der Ölmarkt. Der Rohöl-Volatilitätsindex OVX erreichte einen Wert von 60,3 Punkten und belegt damit den Spitzenplatz. Angesichts der jüngsten geopolitischen Spannungen im Nahen Osten überrascht dies kaum. Die Unsicherheit über mögliche Lieferunterbrechungen und die Zukunft der Straße von Hormus sorgt für erhebliche Nervosität unter den Marktteilnehmern.
Auf Rang zwei folgt Silber mit einem Wert von 55,1 Punkten. Das Edelmetall gilt traditionell als deutlich schwankungsanfälliger als Gold. Neben seiner Rolle als Anlageobjekt spielt Silber auch in zahlreichen Industriezweigen eine wichtige Rolle, was die Preisbildung zusätzlich beeinflusst. Entsprechend sensibel reagiert der Markt auf Veränderungen der Konjunkturerwartungen.
Den dritten Platz belegen Schwellenländeraktien. Der Volatilitätsindex VXEEM notierte zuletzt bei 44,7 Punkten. Schwellenländer reagieren häufig besonders empfindlich auf Veränderungen der US-Geldpolitik, Währungsschwankungen und geopolitische Risiken. Entsprechend hoch fallen die erwarteten Kursschwankungen derzeit aus.
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Gold und Technologieaktien im Mittelfeld
Im mittleren Bereich der Rangliste finden sich mehrere Anlageklassen, die zwar ebenfalls erhöhte Schwankungen erwarten lassen, aktuell aber deutlich weniger riskant erscheinen als die Top-3. Dazu zählen der Nasdaq-100 mit einem Volatilitätswert von 32,7 Punkten, Gold mit 32,2 Punkten sowie der Russell-2000-Index für US-Nebenwerte mit 28,3 Punkten.
Interessant ist insbesondere der Vergleich zwischen Gold und Silber. Während beide Edelmetalle häufig gemeinsam betrachtet werden, signalisiert der Markt derzeit ein deutlich höheres Risiko bei Silber. Die erwartete Schwankungsintensität liegt dort um mehr als 70 Prozent höher als beim Goldpreis.
Auch Technologieaktien zeigen weiterhin eine erhöhte Nervosität. Der Nasdaq-100 weist zwar eine geringere Volatilität auf als Schwellenländer oder Silber, bewegt sich aber weiterhin klar über den Werten klassischer Standardwerteindizes.
Standardwerte wirken weniger riskant
Die niedrigsten Volatilitätswerte finden sich aktuell bei etablierten Aktienmärkten der Industrieländer. Den geringsten Wert weist der Dow-Jones-Volatilitätsindex VXD mit 18,2 Punkten auf. Dahinter folgen der bekannte VIX für den S&P 500 sowie der VXEFA für Industrieländer außerhalb der USA mit jeweils 20,6 Punkten. Aus Sicht der Marktteilnehmer gelten große und breit diversifizierte Unternehmen damit derzeit als vergleichsweise stabil. Die Erwartung größerer Kursschwankungen fällt deutlich geringer aus als bei Rohstoffen, Edelmetallen oder Schwellenländeraktien.
Fazit: Anleger sollten allerdings beachten, dass es sich bei den Volatilitätsindizes lediglich um finanzmathematische Kennzahlen handelt. Sie liefern wertvolle Hinweise auf die aktuelle Marktstimmung, ersetzen jedoch keine umfassende Analyse der jeweiligen Anlageklasse. Zudem stellen die Werte stets nur eine Momentaufnahme dar. Denn Volatilitäten können sich erheblich verändern. Was heute als besonders riskant erscheint, muss dies in einigen Monaten nicht mehr sein. So galt Gold im vergangenen Jahr zeitweise sogar als weniger schwankungsanfällig als der breit diversifizierte S&P-500-Index. Die aktuelle Rangliste verdeutlicht daher vor allem eines: Risiko ist keine feste Größe, sondern verändert sich kontinuierlich mit den Erwartungen und Einschätzungen der Marktteilnehmer.
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