An den Edelmetallmärkten wird derzeit intensiv darüber diskutiert, ob Gold und Silber ihren Boden bereits erreicht haben oder ob die Korrektur noch nicht abgeschlossen ist. Eine klare Einschätzung dazu lieferte der erfahrene Investor und Marktkommentator Clem Chambers im Gespräch mit Kitco News.
Seine Prognose: Die Tiefpunkte liegen zwar in greifbarer Nähe, ganz ausgestanden sei der Preisrückgang aber noch nicht. Nach Chambers Einschätzung könnte der Goldpreis bis auf etwa 3.500 Dollar nachgeben. Beim Silber hält er eine Bodenbildung in einer Spanne zwischen 40 und 50 Dollar für wahrscheinlich. Damit sieht er für beide Edelmetalle zwar noch weiteres Abwärtspotenzial, geht aber zugleich davon aus, dass sich das Ende der Korrektur nähert.
Seine Prognose begründet Chambers vor allem mit dem außergewöhnlich starken Kursanstieg, der den jüngsten Rückschlägen vorausging. Gold und insbesondere Silber hätten zuvor eine spekulative Übertreibung erlebt. Solche Marktphasen würden häufig nicht mit einer kurzen Korrektur enden, sondern mit einem deutlichen Rücksetzer, der einen Großteil der vorherigen Kursgewinne wieder abbaut.
Dennoch blickt Chambers langfristig optimistisch auf Edelmetalle. Noch vor Jahresende will er beginnen, Gold, Silber, Platin und Palladium schrittweise wieder zu kaufen. Allerdings rechnet er nicht mit einer schnellen Erholung. Vielmehr erwartet er, dass sich die Preise zunächst über einen längeren Zeitraum seitwärts entwickeln, bevor eine neue Aufwärtsbewegung einsetzt. Statt auf einen einzigen großen Einstieg setzt er daher auf regelmäßige Käufe zu unterschiedlichen Kursen.
Warum Gold zuletzt unter Druck geraten ist
Als Hauptgrund für den Preisrückgang nennt Chambers die nachlassenden geopolitischen Spannungen. Gold profitiere häufig bereits im Vorfeld möglicher Konflikte von seiner Funktion als sicherer Hafen. Während eines Kriegs, gehe ein Teil dieser Nachfrage verloren.
Daneben belasteten auch die geldpolitischen Rahmenbedingungen den Goldpreis. Eine restriktivere Haltung der US-Notenbank sowie höhere reale Anleiherenditen erhöhen die Attraktivität verzinslicher Anlagen. Da Gold keine laufenden Erträge abwirft, steigt in einem solchen Umfeld der Nachteil gegenüber Anleihen.
Gleichzeitig verweist Chambers darauf, dass der langfristige Ausblick aus seiner Sicht positiv bleibt. Er erwartet in den kommenden Jahren einen stärkeren Inflationsdruck. Als Gründe nennt er die hohen Investitionen in künstliche Intelligenz, Rechenzentren, Energieinfrastruktur und die Rückverlagerung industrieller Produktion in westliche Länder. Sollten diese Entwicklungen mit einer expansiveren Geldpolitik und steigender Verschuldung einhergehen, könnten Gold und Silber langfristig wieder deutlich profitieren.
Silber: Anleger sollten den Ausstieg mitplanen
Eine besondere Warnung richtet Chambers an Besitzer von physischem Silber. Der an den Börsen notierte Silberpreis entspreche in Phasen heftiger Kursrückgänge nicht immer dem Preis, den Händler tatsächlich für physisches Metall bezahlen. Bei starken Marktturbulenzen könnten Ankäufer ihre Ankaufspreise deutlich reduzieren oder bei Übertreibungen nach oben kaum Ware übernehmen, um sich vor weiteren Kursverlusten zu schützen.
Deshalb empfiehlt Chambers, sich bereits vor dem Kauf Gedanken über einen späteren Verkauf zu machen. Gerade bei Silber seien Liquidität und Handelbarkeit wichtige Faktoren, die Privatanleger häufig unterschätzten.
Für Anleger bedeutet seine Einschätzung vor allem eines: Kurzfristig könnten Gold und Silber noch weiter unter Druck geraten. Gleichzeitig sieht Chambers die Edelmetalle in der Nähe einer langfristigen Bodenbildung. Wer an das langfristige Potenzial glaubt, sollte deshalb weniger auf den exakten Tiefpunkt setzen, sondern einen schrittweisen Einstieg in Betracht ziehen und ausreichend Geduld mitbringen.
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