Nach den heftigen Preisschwankungen an den Edelmetallmärkten fragen sich Anleger, wie es mit Gold und Silber weitergeht. Die Weltbank hat in ihrem im Oktober veröffentlichten Rohstoffausblick neue Prognosen für die kommenden Jahre vorgelegt.

Dabei erwartet sie für beide Edelmetalle eine Entwicklung, die sich deutlich von der außergewöhnlichen Preisrally des laufenden Jahres unterscheidet. Entscheidend sind vor allem die weitere Geldpolitik, geopolitische Risiken und die industrielle Nachfrage.

Goldpreis Prognose 2027: Weltbank erwartet sinkende Preise

Für 2026 prognostiziert die Weltbank einen durchschnittlichen Goldpreis von 4.600 Dollar. Im kommenden Jahr soll dieser auf 4.250 Dollar zurückgehen, 2028 folgt ein weiterer Rückgang auf 4.000 Dollar. Damit rechnet die internationale Entwicklungsbank zwar mit einer Abschwächung, aber nicht mit einem vollständigen Abbau der zuvor erzielten Preisgewinne: 2028 soll Gold laut Weltbank noch mehr als 75 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2021 bis 2025 liegen.

Ein wesentlicher Faktor ist die Entwicklung der Zinsen. Steigende Anleiherenditen erhöhen die Attraktivität verzinslicher Anlagen gegenüber Gold, das selbst keine laufenden Erträge abwirft. Bereits im dritten Quartal belasteten höhere Renditen, Leitzinserhöhungen der US-Notenbank und ein stärkerer Dollar die Preise. Höhere Zinsen oder ein stärkerer Dollar als erwartet zählen für die Weltbank auch künftig zu den Abwärtsrisiken.

Gleichzeitig bleiben wichtige Stützungsfaktoren bestehen. Geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheit und mögliche Turbulenzen an den Finanzmärkten können die Nachfrage nach Gold als sicherem Hafen erhöhen. Hinzu kommen die Käufe der Zentralbanken, die ihre Währungsreserven diversifizieren wollen. Beide Treiber dürften sich laut Weltbank zwar etwas abschwächen, die Preise aber weiterhin auf hohem Niveau halten.

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Gold (ISIN: XC0009655157)

Silberpreis Prognose 2027: Entspannung am physischen Markt

Auch bei Silber erwartet die Weltbank nach dem außergewöhnlichen Preisanstieg eine Korrektur. Für 2026 setzt sie einen Jahresdurchschnitt von 70 Dollar an. 2027 soll der Preis auf 62 Dollar und 2028 auf 58 Dollar sinken. Der prognostizierte Rückgang fällt damit prozentual stärker aus als bei Gold.

Hintergrund ist laut Weltbank, dass sich die Knappheit am physischen Markt entspannt. Hohe Preise fördern Einsparungen, etwa in der Photovoltaik, wo Hersteller zunehmend auf Kupfer ausweichen. Zugleich wachsen Recycling und Minenproduktion. Gestützt wird die Nachfrage von Elektronik, Rechenzentren, Autoindustrie und Stromnetzen.

Weil Silber stark industriell genutzt wird, hängt der Preis zudem von der Konjunktur ab. Eine schwächere weltweite Dynamik könnte ihn zusätzlich belasten, ebenso ein schneller Ersatz von Silber in Solarzellen. Eine robuste Industrie würde die Nachfrage dagegen stützen.

Silber (ISIN: AF0000SILVER)

Gold und Silber: Was die Weltbank-Prognosen für Anleger bedeuten

Die Prognosen signalisieren für beide Edelmetalle eine mögliche Normalisierung auf weiterhin hohem Preisniveau. Die genannten Werte sind jedoch keine Kursziele für den jeweiligen Jahreswechsel, sondern erwartete Jahresdurchschnittspreise.

Fazit: Für Anleger bleibt entscheidend, wie sich Zinsen, Dollar und Geopolitik entwickeln. Bei Silber kommen Konjunktur und Technologiewandel hinzu. Die Weltbank-Prognosen sind eine Basisprognose unter bestimmten Annahmen. Die Risiken schätzt sie insgesamt als ausgewogen ein.

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