Seit Jahren kursieren Vorwürfe, dass große Banken den Goldpreis gezielt manipulieren. Tatsächlich wurden in der Vergangenheit illegale Handelspraktiken aufgedeckt und mit hohen Geldstrafen geahndet. Nun sorgt der ehemalige Londoner Anleihemakler Mario Innecco mit neuen Aussagen für Aufsehen.
Dass der Goldpreis in der Vergangenheit manipuliert wurde, ist keine Verschwörungstheorie, sondern durch Ermittlungen und Sanktionen amerikanischer Behörden belegt. Mehrere Banken mussten hohe Geldstrafen wegen manipulativer Handelspraktiken an den Edelmetallmärkten zahlen. Dabei ging es unter anderem um sogenanntes Spoofing, bei dem Händler durch vorgetäuschte Kauf- oder Verkaufsaufträge künstliche Kursbewegungen auslösen.
Auch die grundsätzliche Möglichkeit, dass große Marktteilnehmer den Goldpreis kurzfristig gezielt beeinflussen, ist durch solche Fälle belegt. Der umfangreiche Terminhandel mit Gold und die vergleichsweise geringe Transparenz außerbörslicher Geschäfte können entsprechende Eingriffe begünstigen. Allerdings ist nicht jede auffällige Kursbewegung ein Manipulationsversuch.
Deutlich weiter geht hingegen die Behauptung, Banken und Zentralbanken würden den Goldpreis seit Jahrzehnten systematisch niedrig halten. Dafür fehlen bislang hinreichende Beweise. Offen bleibt insbesondere, ob nachgewiesene kurzfristige Manipulationen den langfristigen Goldpreistrend maßgeblich beeinflussen.
Mario Innecco vermutet gezielte Eingriffe in den Goldhandel
Der frühere Londoner Anleihemakler Mario Innecco vertritt eine deutlich weitergehende These. In einem Interview mit Kitco News erklärte der erfahrene Marktkenner, dass große Edelmetallbanken weiterhin versuchten, den Goldpreis unter Kontrolle zu halten.
Sein Verdacht reicht bis ins Jahr 2002 zurück, als er erstmals physisches Gold kaufte. Damals beobachtete er nach eigenen Angaben auffällige Kursrückgänge bei Gold und Silber, die sich regelmäßig zwischen 13:20 und 13:30 Uhr Londoner Zeit ereigneten. Dieses Zeitfenster fiel mit dem Beginn des regulären Terminhandels an der New Yorker COMEX zusammen.
Innecco hält es für unwahrscheinlich, dass solche wiederkehrenden Kursbewegungen ausschließlich zufällig entstanden. Seiner Ansicht nach nutzen große Marktteilnehmer den Handel mit Gold-Futures, um Preise gezielt zu beeinflussen. Besonders Silber sei aufgrund seiner geringeren Marktgröße anfällig.
Als weiteres Beispiel nennt er die chinesische Feiertagswoche Anfang Oktober. Weil während der sogenannten Golden Week wichtige chinesische Handelsplätze geschlossen bleiben, könnten große Edelmetallbanken die geringere Marktaktivität ausnutzen, um Gold und Silber unter Druck zu setzen. Belege für konkrete Manipulationen während dieser Feiertage liefert das Interview allerdings nicht.
Tipp: Fundierte Einschätzungen zum Goldpreis und zu Minenaktien finden Sie regelmäßig im Goldfolio - dem Börsendienst von Markus Bußler.
US-Staatsverschuldung: Warum Innecco langfristig auf Gold setzt
Noch größere Risiken erkennt Innecco am amerikanischen Anleihemarkt. Nach seiner Einschätzung ist die jahrzehntelange Phase sinkender Zinsen vorbei. Höhere Anleiherenditen erschweren die Finanzierung der enormen US-Staatsverschuldung und setzen zugleich die Kurse bestehender Staatsanleihen unter Druck.
Der Experte hält es deshalb für kaum möglich, dass die US-Notenbank die Inflation mit ähnlich drastischen Zinserhöhungen bekämpfen könnte wie Anfang der 1980er-Jahre. Stattdessen erwartet er eine fortgesetzte Geldentwertung, die langfristig das Vertrauen in den Dollar untergraben könnte. Innecco warnt eindringlich vor den möglichen Folgen und sagt: „Eines Tages wird es einen Auslöser geben, durch den die Menschen dies erkennen – und dann werden sie alles haben wollen, nur keine Währung.“
Fazit: Für Privatanleger bleibt entscheidend, zwischen nachgewiesenen Marktmanipulationen und bislang unbelegten Vorwürfen einer dauerhaften Goldpreisunterdrückung zu unterscheiden. An der zweiten Annahme, der dauerhaften Goldpreisunterdrückung, hat Innecco offensichtlich kaum Zweifel. Im Interview mit Kitco News erklärte er: „Die Edelmetallbanken versuchen immer noch, den Goldpreis unter Kontrolle zu halten.“
Lesen Sie auch:
Goldpreis Prognose: Bestes Umfeld für steigende Kurse, sagt Experte
Oder:
Zeit, sich vorzubereiten! Deshalb rät dieser US-Milliardär jetzt zum Kauf von Gold