So günstig war die Anleihe des Italo-Lebensmittelkonzerns NewPrinces seit Emission 2025 noch nie zu haben. Als Beimischung empfohlen
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 28. Oktober in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 45/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Wer in Italien oder Großbritannien durch den Supermarkt geht, kommt an NewPrinces kaum vorbei. Die Mailänder Gruppe, früher als Newlat Food bekannt, macht in Dosenfisch, Speiseöl, Nudeln und Frischmilch und steht hinter Marken wie Princes, Napolina, Mukki oder Delverde, in Deutschland hinter Birkel und 3 Glocken. Dazu kommen jede Menge Handelsmarken für allerhand Supermarktketten. Der Konzern betreibt über 30 Produktionsstandorte, vor allem in Italien und Großbritannien, aber auch in Ländern wie Deutschland, Frankreich, Polen und Mauritius. Damit setzt die Gruppe allein im ersten Halbjahr 2026 mehr als drei Milliarden Euro um.
Großaktionär des Unternehmens ist die Familie Mastrolia, die über die Newlat Group mit gut 70 Prozent Anteil am Unternehmen klar die Fäden zieht. Wichtigster Mann ist dabei der Chairman und Patriarch Angelo Mastrolia, der seit über 20 Jahren Firmen zukauft. Der wohl größte Coup gelang ihm 2024, als Newlat für gut 700 Millionen Pfund den britischen Konservenspezialisten Princes vom japanischen Mitsubishi-Konzern kaufte. Damit hatte sich der Konzern in Sachen Größe auf einen Schlag verdoppelt.
Durch die Übernahme steht die Gruppe breit da, geografisch wie auch bei den Produkten. Wer vom Dosenfisch bis zur Milch alles im Repertoire hat, hängt nicht an einem einzigen Rohstoff oder Händler. Allerdings hat das auch seinen Preis. NewPrinces ist ein „Akquisitionskonzern“ und Zukäufe müssen verdaut werden, was auch in der Bilanz zu sehen ist: Das erste Halbjahr 2026 schloss man mit einem Verlust von elf Millionen Euro ab, das Betriebsergebnis sank deutlich von 53 auf 15 Millionen Euro. Immerhin ist die Substanz gut: Zuletzt lag die Liquidität bei rund 1,4 Milliarden Euro, die Nettofinanzschulden blieben nach Unternehmensangaben mit gut 67 Millionen Euro überschaubar.
Auf dem Weg zum Megaplayer
Das macht die einzige NewPrinces-Anleihe, die in Deutschland handelbar ist, durchaus interessant. Der Kupon der 2025 begebenen Anleihe fällt bei einer Laufzeit bis 2031 mit 4,75 Prozent recht ordentlich aus. Und da der Kurs des Papiers durch die jüngsten allgemeinen Turbulenzen an den Anleihemärkten zuletzt auch an Boden verloren hat, liegt die Rendite gar bei rund
Mitmischen, wo es nur geht
In den zurückliegenden zwölf Monaten hat der Konzern in der europäischen Lebensmittelbranche ordentlich gewirbelt. So kaufte man im vergangenen Jahr mit Diageo Operations Italy eine Produktionsstätte des weltweit größten Spirituosenherstellers für 100 Millionen Euro, um im Bereich „Ready to Drink“-Mixgetränke zu wachsen. Im selben Jahr kam Carrefour Italia dazu, das verlustbringende Italiengeschäft des französischen Supermarkt-Riesen mit rund 1.000 Filialen, wodurch man die eigene Vertriebskette besser kontrollieren will. Anfang des Jahres war dann Plasmon der bislang letzte Zukauf, die traditionsreiche Babynahrungssparte von Kraft Heinz. NewPrinces dringt damit weiter in den margenstarken Spezialnahrungssektor vor.
Fazit
Unterm Strich taugt die Anleihe als Beimischung. Für gut fünf Prozent Rendite trägt man ein überschaubares Unternehmensrisiko. Das Geschäft ist solide, die Marken kennt in den Hauptmärkten jeder, die Liquidität ist hoch. Dagegen stehen die Abhängigkeit von Zukäufen und die aktuell roten Zahlen. Daher dosiert investieren. Zu beachten ist: Der Emittent darf die Anleihe am 12. Februar 2028 vorzeitig zum Nennwert kündigen. Bei einem aktuellen Kurs unter 100 Prozent ist das für Anleger aber eher eine gute Nachricht, würde man doch so vorzeitig Kursgewinne realisieren.