Die Aktie des Triebwerkherstellers dreht nach oben. Mit dem Bonus-Cap-Zertifikat und dem Discount Call winken Anlegern 22,8 beziehungsweise 68,9 Prozent Rendite, wenn die Aktie sich bei 340 Euro und damit knapp über dem aktuellen Niveau einpendelt
Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 17. Juni in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 26/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.
Die Aktie von MTU Aero Engines sank im Mai in den Bereich des Apriltiefs vom vergangenen Jahr. Damals sorgte US-Präsident Donald Trump mit Strafzöllen kurzzeitig für Nervosität an den Aktienmärkten. In den zurückliegenden Monaten setzte der Irankrieg den Triebwerkszulieferer erneut unter Druck. Seit dem vergangenen Wochenende gibt es neue Hoffnung auf ein Ende des Konflikts. Die Aktie quittierte dies mit einem Sprung auf knapp 330 Euro. Dabei gelang auch der Ausbruch aus dem seit März gebildeten Abwärtstrend, womit das Aprilhoch von 345 Euro in greifbare Nähe rückt. Im weiteren Verlauf ist gar ein Anlauf auf das Allzeithoch von rund 400 Euro möglich. Die Kursziele zahlreicher Analysten gehen deutlich über die 400-Euro-Marke hinaus.
Aymeric Poulain, Analyst bei Kepler Cheuvreux, verweist in seiner jüngsten Studie unter anderem auf das solide Zahlenwerk für das erste Quartal. Demnach stieg der Umsatz um sieben Prozent auf 2,24 Milliarden Euro und das bereinigte Ebit um sechs Prozent auf 320 Millionen Euro. Das Triebwerkgeschäft blieb dabei weitgehend stabil. Der Umsatz in der Militärsparte legte hingegen zweistellig zu. Derweil hat der Triebwerkshersteller Pratt & Whitney in den USA und Europa die Zulassung für eine Weiterentwicklung des Triebwerks GTF Advantage erhalten. Das Triebwerk soll unter anderem die absatzstarke A320-Familie von Airbus zum Abheben bringen. Da der GTF Advantage ab 2028 den bisherigen Triebwerksstandard in der Produktion vollständig ersetzt, sichert sich MTU über ihren 18-Prozent-Anteil den Zugriff auf diesen gigantischen Auftragsbestand.
In der Luftfahrtindustrie ist die Entwicklung neuer Großtriebwerke extrem teuer und risikoreich. Konsortien aus mehreren Unternehmen teilen sich daher die Lasten auf. MTU Aero Engines übernimmt bei diesem Triebwerk unter anderem die Niederdruckturbine, die ersten vier Stufen des Hochdruckverdichtens sowie die Endmontage. Daher erhält der DAX Konzern von jedem verkauften GFT-Triebwerk sowie von jedem verkauften originalen Ersatzteil 18 Prozent der Erlöse.
Starkes Wartungsgeschäft
Stütze des Zahlenwerks war im ersten Quartal erneut das Wartungsgeschäft. Dieses Segment steuerte rund 78 Prozent zum Gesamtumsatz und 42 Prozent zum Ebit bei. Zahlreiche Fluggesellschaften sowie die Bundeswehr lassen ihre Triebwerke von den Münchnern warten. Angesichts der Lieferverzögerungen bei Airbus und Boeing in den zurückliegenden Jahren brummt das Wartungsgeschäft bei MTU Aero Engines. Alte Triebwerke sind in der Regel wartungsintensiver als die neueren Antriebe. Im ersten Quartal konnte der Konzern neue Wartungsverträge über 878 Millionen US-Dollar an Land ziehen. Ende Mai vereinbarte MTU Aero Engines, künftig die Wartung von Triebwerken der taiwanesischen Fluggesellschaft EVA Air zu übernehmen. Der Auftragsbestand stieg Ende März auf ein Rekordniveau von 31,6 Milliarden Euro. Nach eigenen Angaben ist MTU Aero Engines für drei Jahre technisch ausverkauft.
Mit einem KGV von 15,2 ist die Aktie nach der Korrektur moderat bewertet. Technische Indikatoren wie der auf Tagesbasis ermittelte MACD-Indikator zeigen nach oben. Der mittelfristige MACD-Indikator hat Anfang der Woche die Signallinie nach oben durchbrochen. Beide Indikatoren geben somit Kaufsignale. Der viel beachtete RSI-Indikator zeigt ebenfalls nach oben und ist noch deutlich vom überkauften Status entfernt.
Mit Bonuschance oder gehebelt
Das Bonus-Cap-Zertifikat sowie der Discount-Call-Optionsschein sind, je nach Risikoneigung des Anlegers, aktuell attraktive Alternativen zum Direkteinstieg in die Aktie.
Das Bonus-Cap-Zertifikat eignet sich für etwas defensivere Investoren. Diese Wertpapiere sind mit einer Barriere und einem Cap-Level ausgerüstet. Wird in diesem Fall die Barriere von 250 Euro bis zum Laufzeitende im Juni kommenden Jahres nicht berührt oder unterschritten, erhalten Anleger 420 Euro ausbezahlt. Das Papier bietet so aktuell einen Puffer von rund 75 Euro beziehungsweise 23 Prozent. Die kritische Marke wurde zuletzt für einen Tag im April vergangenen Jahres verletzt. Aus heutiger Sicht ist dieses Level nicht in Gefahr. Vielmehr hat das DAX-Papier in den vergangenen Wochen zwischen 282 und 310 Euro eine solide Unterstützungszone gebildet und zog zuletzt deutlich nach oben. Stabilisiert sich die Aktie weiterhin oberhalb der Barriere oder legt gar noch zu, winkt Investoren eine Rendite von 22,8 Prozent. Für den Fall, dass die Aktie bis Laufzeitende über das Cap-Level von 420 Euro steigt, bleibt der Rückzahlungsbetrag dennoch auf 420 Euro beschränkt. Wird die Barriere jedoch verletzt, erlischt die Chance auf den Bonus, und es drohen Verluste. Um potenzielle Verluste zu begrenzen, sollte ein Stoppkurs gesetzt werden.
Für risikofreudigere Anleger könnte der Discount-Call-Optionsschein interessant sein. Bei diesem Papier gibt es ebenfalls zwei Marken zu beachten: den Basispreis von 290 Euro und das Cap bei 340 Euro. Notiert die Aktie Mitte Dezember bei 340 Euro oder darüber, erhalten Anleger den maximalen Rückzahlungsbetrag von fünf Euro. Dieser Wert ergibt sich aus der Differenz von Cap und Basispreis, angepasst um das Bezugsverhältnis von 0,1. Bei einem Einsatz von 2,96 Euro ergibt sich daraus also eine Gewinnchance von 68,9 Prozent. Andernfalls fällt die Rückzahlung geringer aus. Unterhalb von 290 Euro verfällt das Papier wertlos. Gleichwohl notiert die Aktie bereits oberhalb des Basispreises, und bis zum Cap sind es nur noch rund 14 Euro oder 4,3 Prozent.
Fazit
Die Aktie von MTU Aero Engines hat in den zurückliegenden Handelstagen deutlich an Höhe gewonnen. Das Zahlenwerk für Q1 fiel durchaus solide aus, und das Management bestätigte die Ziele für das Gesamtjahr. Das Bonus-Cap-Zertifikat sowie der Discount Call bieten interessante Alternativen zum Direkteinstieg in die Aktie.