Der größte Staatsfonds der Welt will seine Bestände an Staatsanleihen deutlich reduzieren – vor allem bei US-Treasuries. Für den ohnehin angeschlagenen Anleihemarkt ist das zwar mengenmäßig verkraftbar, doch der Schritt könnte Signalwirkung haben.

Bei der Fußball-WM in den USA mischten die Norweger als Wikinger die etablierten Fußballmächte auf und schieden erst im Viertelfinale gegen England aus.

Nun sorgen die Norweger mit einem bemerkenswerten Schritt für Furore, der diesmal die etablierten Strukturen an den Weltbörsen aufmischt – und wieder liegt das Spielfeld in den USA: Der 2,3 Billionen US-Dollar schwere norwegische Staatsfonds will den Anteil von Staatsanleihen in seinem Portfolio deutlich senken. Betroffen wären vor allem US-Staatsanleihen, aber auch Anleihen der Eurozone, inklusive Deutschlands.

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US-Treasuries im Visier

Die Verantwortlichen von Norges Bank Investment Management haben dem norwegischen Finanzministerium vorgeschlagen, den staatlichen Anteil im Anleiheportfolio von 70 auf 50 Prozent zu reduzieren. Ihre Begründung: Der Fonds setzt auf höhere Renditen in anderen Anlageklassen und will seine Risiken breiter streuen. Nach den jüngsten Rekordgewinnen des Fonds mit Aktien, insbesondere aus dem Technologie- und Künstliche-Intelligenz-Sektor, soll das Portfolio verbreitert werden. Klassische Staatsanleihen als Liquiditätsanker werden dafür offenbar immer weniger gebraucht.

Die geplante Umschichtung hätte vor allem für US-Staatsanleihen Folgen. Der Anteil der US-Treasuries am Anleiheportfolio Norwegens soll von 34,1 auf 21,9 Prozent sinken. Auch Euro-Staatsanleihen wären betroffen: Ihr Anteil soll um mehr als ein Drittel von 16,8 auf 14,1 Prozent zurückgehen. Dagegen möchte der Fonds japanische Staatsanleihen stärker gewichten und deren Anteil leicht von 4,6 auf 7,4 Prozent erhöhen.

Gleichzeitig soll der Anteil nichtstaatlicher US-Anleihen deutlich steigen. Vorgesehen ist eine Erhöhung von 16,2 auf 27,6 Prozent. Dazu zählen Unternehmensanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere. Letztere genießen allerdings einen zweifelhaften Ruf: verbriefte Hypothekenkredite, sogenannte Mortgage-backed Securities, spielten als Auslöser der Finanzkrise 2008 eine zentrale Rolle.

Die Fondsmanager argumentieren dennoch, dass diese Papiere für einen langfristig orientierten Investor sinnvoll sein könnten. Hypothekenbesicherte Anleihen bewegten sich in Krisen tendenziell gegenläufig zu Aktien und könnten dadurch die Schwankungen des Gesamtportfolios reduzieren. Sie seien in dieser Hinsicht eher mit Staatsanleihen als mit Unternehmensanleihen vergleichbar.

US 10-Year Gov Bond Yield (ISIN: AF00000US10Y)

El-Erian warnt: Signal für den Markt

Für den US-Anleihemarkt kommt die Nachricht zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen stehen bereits seit Wochen unter Druck, weil Anleger die hohe Verschuldung, die wachsende Emissionstätigkeit des Staates und die langfristige US-Finanzpolitik kritisch bewerten. Steigende Renditen bedeuten bei Anleihen fallende Kurse – und umgekehrt.

Mohamed El-Erian, Chef-Wirtschaftsberater der Allianz, bezeichnete die Größenordnung der geplanten norwegischen Verkäufe gegenüber dem gesamten Treasury-Markt zwar als überschaubar. Entscheidend sei aber die Signalwirkung, „dass traditionelle Inhaber und Käufer als zuverlässige Investoren ausfallen, ist sehr wichtig“, sagte El-Erian am Freitag dem US-Börsensender CNBC.

Auch Japan verkaufte US-Staatsanleihen

Am Montag wurde bekannt, dass auch Japan seine Bestände an ausländischen Wertpapieren im August so stark reduziert hat wie nie zuvor. Analysten gehen davon aus, dass Finanzministerium und Notenbank dabei auch kurzlaufende US-Staatsanleihen verkauft haben, um die jüngsten Interventionen zugunsten des Yen zu finanzieren. Das japanische Finanzministerium bestätigte Verkäufe von US-Staatsanleihen jedoch nicht.

Nach den am Montag veröffentlichten Reservedaten sank der Wert der ausländischen Wertpapierbestände Ende August gegenüber dem Vormonat um 87,8 Milliarden US-Dollar. Der Rückgang entspricht annähernd dem Umfang der jüngsten Devisenmarktinterventionen. Dafür hatten die Behörden im Monat bis zum 26. August umgerechnet 15,4 Billionen Yen oder 98,6 Milliarden Dollar eingesetzt – ebenfalls ein Rekord. Welche Wertpapiere verkauft wurden, geht aus den Daten nicht hervor.

Atsushi Takeda, Chefökonom des Itochu Research Institute, geht davon aus, dass Japan sowohl ausländische Wertpapiere als auch Einlagen dafür genutzt hat. „Höchstwahrscheinlich“ habe Japan dabei auch US-Treasuries verkauft. Verkäufe von Treasuries mit Laufzeiten ab zehn Jahren halten Experten wegen des möglichen Aufwärtsdrucks auf die langfristigen Renditen allerdings für unwahrscheinlich. Die Verkäufe dürften sich auf Laufzeiten von höchstens fünf Jahren konzentriert haben; auch weil diese liquider sind. Marktteilnehmer schätzen, dass etwa 70 Prozent der japanischen Devisenreserven in US-Staatsanleihen investiert sind.

US-Finanzminister in der Zwickmühle

Für US-Finanzminister Scott Bessent sind beide Nachrichten ein Problem. Denn nicht nur die USA müssen immer mehr Anleihen am Markt unterbringen, um ihre Haushaltsdefizite zu finanzieren. Derzeit steigt das Angebot an Anleihen mit Investment-Grade-Status generell an, weil auch andere Staaten – wie Deutschland – oder große Technologie-Konzerne, die Milliarden in Rechenzentren und Künstliche Intelligenz investieren, den Bondmarkt anzapfen und damit zueinander in Konkurrenz treten. El-Erian prognostiziert, dass das Angebot bald die Zahl der verlässlichen Käufer übersteigen wird. Die Folge: Es beginnt ein Wettbewerb, in dem die Käufer dann höhere Coupons verlangen werden, wenn sie bestimmte Anleihen bevorzugt kaufen sollen. Das würde zu weiter steigenden Zinskosten führen und die Staatshaushalte zusätzlich belasten.

Weiterführende Links

Staatsfonds wappnet sich für Einbruch bei Technologiewerten

Der norwegische Staatsfonds hält derzeit Aktien im Wert von rund 1,65 Billionen US-Dollar und ist an fast 1,5 Prozent aller börsennotierten Unternehmen weltweit beteiligt. Weitere rund 592 Milliarden US-Dollar entfallen auf festverzinsliche Anlagen. In den vergangenen Quartalen profitierte der Fonds stark von seinen Beteiligungen an US-amerikanischen und asiatischen Technologiewerten sowie weiteren Aktien aus dem Umfeld des KI-Booms.

Fondschef Nicolai Tangen hat jedoch bereits gewarnt, dass die hohen Renditen nicht dauerhaft sein dürften. Ein interner Stresstest des Fondsmanagements sei zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Korrektur bei KI-Aktien den Wert des Portfolios um 740 Milliarden US-Dollar oder 35 Prozent verringern könnte. Die geplante Umschichtung ist daher nicht nur eine Renditewette, sondern vor allem der Versuch, das Portfolio gegen einen möglichen Einbruch bei Technologiewerten robuster zu machen.

Droht ein Käuferstreik?

Dass dabei auch Staatsanleihen verkauft werden sollen, bringt den weltweiten Bondmarkt zusätzlich unter Druck. El-Erian erwartet, dass der Ausverkauf bei US-Staatsanleihen noch nicht beendet ist und die Renditen weiter steigen könnten. Denn in den USA fehle die Bereitschaft zu einer schnellen Haushaltskonsolidierung. Zugleich verwies er auf besonders anfällige Länder wie Großbritannien, Japan und Frankreich.

Frankreich sei für den Anleihemarkt inzwischen zu einem wichtigen Brennpunkt geworden. Während früher vor allem Italien als Sorgenkind Europas gegolten habe, würden italienische Anleihen inzwischen innerhalb der Spreads von Frankreich gehandelt. Das zeige, wie stark sich die Wahrnehmung der Risiken im Euroraum verschoben habe.

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Fazit

Dass der norwegische Staatsfonds US-Staatsanleihen verkauft, hat zunächst einmal eigene strategische Gründe, weil das Portfolio breiter ausgerichtet werden soll. Der Schritt kann aber auch als Misstrauensvotum gegenüber der Schuldenpolitik der USA verstanden werden; zumal auch Japan US-Staatsanleihen abstößt. Das ist ein Warnsignal für die Anleihemärkte: Wenn selbst einige der zuverlässigsten institutionellen Käufer ihre US-Quoten senken, müssen die USA künftig möglicherweise bald höhere Renditen bieten, um ihre Schulden überhaupt noch komplett platzieren zu können. Die Wikinger ziehen den Schuldenmachern also noch nicht komplett den Stecker – aber die Gefahr eines Kurzschlusses steigt.

Häufige Fragen

Welches Anlagevolumen besitzt der norwegische Staatsfonds?

Das Volumen des norwegischen Staatsfonds beläuft sich auf rund 21 Billionen norwegische Kronen (umgerechnet etwa 1,83 Billionen Euro). Davon entfällt knapp eine Billion Euro auf Aktien.

Was sind die größten Aktien-Positionen im Portfolio des Norwegischen Staatsfonds?

Wie aus dem jüngsten 13F-Filing an die US-Wertpapieraufsicht hervorgeht, hielt der Staatsfonds zum 30. Juni 2026 knapp 326 Millionen Nvidia-Aktien im Marktwert von 65,2 Milliarden US-Dollar. Auf Platz Zwei rangiert Apple mit Aktien im Wert von 55,2 Milliarden Dollar vor Microsoft mit 38,3 Milliarden Dollar.

Warum gibt es den norwegischen Staatsfonds?

Der norwegische Ölfonds ist der größte Staatsfonds der Welt. Indem Norwegen die Erlöse aus den staatlichen Öleinnahmen investiert, will das Land für die Zeit vorsorgen, wenn seine Erdölreserven zur Neige gehen. Die norwegische Regierung darf pro Jahr bis zu drei Prozent des Fondsvolumens für gesellschaftliche Zwecke entnehmen.

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