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Börsenjahr 2018: Was die Profis dem Dax zutrauen, wo sie die größten Gefahren wittern - Teil 1

Börsenjahr 2018: Was die Profis dem Dax zutrauen, wo sie die größten Gefahren wittern - Teil 1

WKN: 931020 ISIN: US7135693098 Per-Se Technologies Inc.

28.12.2017 02:20:00

Mit dem Jahreswechsel machen Anleger traditionell Kassensturz. Wie hat sich das Depot entwickelt, welche Werte müssen raus - und wo lockt ein Neueinstieg? BÖRSE ONLINE hat die Börsenprofis gefragt, was sie für 2018 an den Kapitalmärkten erwarten. Im ersten Teil erklären Jörg Krämer (Commerzbank), Carsten Klude (M.M. Warburg) und Prof. Max Otte, wo sie im kommenden Jahr die größten Chancen sehen und wo mögliche Risiken lauern. Von Thomas Schmidtutz



Dr. Jörg Krämer, Chef-Volkswirt Commerzbank: "Europas Börsen dürften die Wall Street hinter sich lassen"


Dr. Jörg Krämer, Commerzbank


Wall Street, Dax und viele andere wichtige Börsen haben im abgelaufenen Jahr neue Rekordstände erreicht. Bleiben die Börsen auch 2018 im Rallye-Modus?

Jörg Krämer: Eigentlich ist beim Dax nicht mehr viel Raum nach oben. Das Ifo-Geschäftsklima befindet sich auf einem historischen Hoch und kann kaum noch positiv überraschen. Außerdem ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis in den USA ungewöhnlich hoch und in Europa nicht mehr niedrig. Schließlich herrscht gemessen an den Kursen von Absicherungsinstrumenten bei den Anlegern eine gewisse Sorglosigkeit. Wenn wir für den Dax trotzdem noch ein weiteres gutes Jahr erwarten, so liegt das nur an der fortgesetzt lockeren Geldpolitik der EZB.

Wo sehen Sie den S&P 500 Ende 2018 und welchen Stand erwarten Sie auf Jahressicht für den Dax?

Unser Jahresendziel für den DAX ist 14.000. Der Anstieg kommt nicht mehr aus einem höheren Kurs-Gewinn-Verhältnis. Vielmehr resultiert er davon, dass die im Dax notierten Unternehmen ihre Gewinne 2018 um 6% anheben und mehr an ihre Aktionäre ausschütten sollten. Für den S&P500 erwarten wir per Ende nächsten Jahres 2650 Punkte.

Welche Themen dürften die Entwicklung an den Börsen 2018 aus heutiger Sicht bestimmen?

Wichtig wird die Inflation sein. Die Massenarbeitslosigkeit im Euroraum hält die Lohnanstiege und mithin die Inflation zumindest 2018 in Schach. Das stützt die Position der Tauben im EZB-Rat, die ohnehin für eine lockere Geldpolitik sind. Das ist der Hauptgrund, warum wir im Euroraum 2018 höhere Aktienkurse sehen.

Welchem der wichtigsten Börsenindizes weltweit trauen Sie 2018 die beste Entwicklung zu?

Die europäischen Aktienindizes sollten sich besser als ihre US-Pendants entwickeln, weil sie nicht überbewertet sind und der Konjunkturzyklus im Euroraum jünger ist.


Wo sehen Sie die größten Treiber für die Börsen 2018?

Die Inflation und ihre Auswirkungen auf die Geldpolitik dürften 2018 vor allem im Euroraum wichtige Treiber sein.

Wo sehen Sie die größten Risiken für die Börsen 2018?

Die politischen Spannungen sind hoch, vor allem auf der koreanischen Halbinsel.

Bei welchen sonstigen Anlage-Produkten bzw. Asset-Klassen sollten Anleger mit Blick auf 2018 zugreifen?

Mit dem Zugreifen ist das immer so eine Sache. Billig ist nämlich nichts mehr. Aber der Boom bei deutschen Wohnimmobilien sollte zumindest 2018 weitergehen.

Der künftige US-Notenbank-Chef Jerome Powell hat bei einer Anhörung vor dem Banken-Ausschuss des Senats Ende November bereits durchblicken lassen, dass er den bisherigen Fed-Kurs fortsetzen und die Zinszügel 2018 weiter anziehen will. Wie könnte sich eine solche geldpolitische Normalisierung in den USA auf die Börsen auswirken?

Die US-Wirtschaft nähert sich der Vollbeschäftigung, die Kerninflation dürfte in Richtung der 2%-Marke driften. Deshalb wird die Fed ihren Leitzins 2018 wohl drei Mal anheben. Die Märkte rechnen dagegen nur mit zwei Schritten. US-Aktien haben weniger Potential als ihre Pendants im Euroraum, wo die EZB noch lange an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten wird.

Wird die EZB 2018 dem Beispiel der US-Notenbank folgen und die Wende in ihrer ultra-lockeren Geldpolitik einleiten und die Zinsen anheben und welche Folgen hätte ein solcher Schritt für Dax und Co.?

Die EZB wird ihre Anleihenkäufe 2018 herunterfahren, weil sie ansonsten mehr als ein Drittel der Staatsanleihen halten würde, was zu rechtlichen Problemen führen würde. Aber trotzdem wird der EZB-Einlagensatz noch lange negativ bleiben.

Wo erwarten Sie den Euro im Verhältnis zum US-Dollar Ende 2018?

Der Euro dürfte gegenüber dem Dollar 2018 leicht abwerten, wir sehen ihn am Jahresende bei 1,12. Denn die US-Notenbank dürfte ihren Leitzins um mehr anheben als die Märkte erwarten, was positiv für den US-Dollar wäre."

Auf Seite 2: Carsten Klude, M.M. Warburg



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Bildquelle: Kai Pfaffenbach/Reuters, Commerzbank AG, M.M.Warburg & CO , Finanzen Verlag

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