Gabriel strebt nun das Amt des Außenministers an, die bisherige Staatssekretärin Brigitte Zypries soll neue Wirtschaftsministerin werden, wie es in SPD-Fraktionskreisen hieß. Führende SPD-Politiker zollten Gabriel Respekt für die Entscheidung, Vertreter anderer Parteien äußerten sich skeptisch.

In SPD-Kreisen hieß es, Schulz solle auf einem Sonderparteitag voraussichtlich kommenden Monat zum Parteichef gewählt werden. Dafür werde der für Mai geplante reguläre Parteitag vorverlegt. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann erklärte, es sei richtig, dass Gabriel auch das im November 2009 übernommene Amt des Parteichefs abgebe. Kanzlerkandidatur und Parteivorsitz gehörten in eine Hand. Die Entscheidung verdiene größten Respekt, es habe in der Fraktion langanhaltenden Beifall gegeben. Der 57-Jährige selbst lehnte am Dienstag zunächst eine öffentliche Stellungnahme ab: "Ich werde jetzt hier nicht mit Ihnen reden", sagte er am Rande der Fraktionssitzung vor Journalisten.

In der Fraktion sagte Gabriel laut Teilnehmern, nach Umfragen wollten die Menschen keine Fortsetzung der großen Koalition, für die er jedoch in den Köpfen der Bevölkerung stehe. Für die SPD endet mit der Entscheidung Gabriels eine Monate währende Hängepartie. Noch Anfang Januar rechneten Insider mit einer Kandidatur Gabriels gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Bundestagswahl am 24. September. Allerdings schnitt der SPD-Chef in Umfragen im direkten Vergleich mit Merkel deutlich schlechter ab als Schulz.

Nachdem Merkel erklärt hatte, für die CDU wieder in den Bundestagswahlkampf ziehen zu wollen, wuchs der Druck auf den SPD-Chef, eine Entscheidung zu fällen. Zuletzt war die SPD die einzige Partei, die ihre personelle Spitze für den Bundestagswahlkampf noch nicht geklärt hatte.

OPPERMANN: APPLAUS IN FRAKTION FÜR GABRIEL



"Die Fraktion hat seine Entscheidung mit lang anhaltendem Beifall zur Kenntnis genommen", sagte Oppermann und spiegelte damit die Meinung führender Parteimitglieder. Der Chef des konservativen Seeheimer Kreises in der SPD, Johannes Kahrs, erklärte: "Ich glaube nicht, dass Martin Schulz nicht in erster Linie für Rot-Rot-Grün steht." Der Vorsitzende der SPD-Linken in der Bundestagsfraktion, Matthias Miersch, sagte, die Partei werde einen enormen Motivationsschub bekommen, "weil Martin Schulz hohe Anerkennung in der Bevölkerung genießt". SPD-Präsidiumsmitglied Florian Pronold sagte zu Reuters, Gabriel habe der SPD eine Chance eröffnet, gestärkt aus der Bundestagswahl hervorzugehen.

CDU-Generalsekretär Peter Tauber setzte auf eine faire Auseinandersetzung mit der SPD. "Die CDU kämpft mit Angela Merkel für Maß & Mitte. Die SPD tritt mit Schulz an. Wir freuen uns auf einen fairen Wahlkampf", twitterte Tauber. Der CDU/CSU-Fraktionsvize Michael Fuchs gab sich siegesgewiss: er gehe davon aus, "dass auch Herr Schulz zweiter Sieger bleibt - wie die drei Vorgänger".

Skeptisch äußerte sich die Linken-Parteichefin Katja Kipping: "Ob Martin Schulz ein Zeichen für einen fortschrittlichen Politikwechsel wird, ist unbestimmt." Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt erklärt über Twitter: "Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung von @sigmargabriel. Aber er ist auch nicht weg". Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry lehnte Schulz ab. "Symbol für EU-Bürokratie und ein tief gespaltenes Europa als Kanzlerkandidat?" twitterte sie.

Die SPD-Spitze wollte nach bisheriger Planung am kommenden Sonntag entscheiden, wer die Sozialdemokraten als Kanzlerkandidat in die Bundestagswahl führen soll. Bislang waren neben Gabriel auch Schulz und der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz als Herausforderer von Kanzlerin Merkel im Gespräch. Allerdings wurde Schulz auch als Nachfolger von Außenminister Frank-Walter Steinmeier gehandelt, der am 12. Februar zum Bundespräsidenten gewählt werden soll.

rtr