Ist der Boom vorbei? Die Korrektur trifft bereits große Teile des US-Aktienmarkts. Steigende Anleiherenditen verschärfen den Druck – während wenige Schwergewichte die Schwäche verdecken.
Der Blick auf den S&P 500 vermittelt ein trügerisch ruhiges Bild. Ein Monatsverlust von rund 0,5 Prozent wirkt kaum bedrohlich. Doch abseits der größten Börsenkonzerne stehen viele Aktien bereits erheblich unter Druck.
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S&P 500: Wenige Schwergewichte halten den Index oben
Das zeigt der Vergleich mit dem gleichgewichteten S&P 500. Während im klassischen Index die Unternehmen entsprechend ihrer Börsenbewertung gewichtet werden, erhält im Equal-Weight-Index bei der regelmäßigen Neugewichtung jedes Unternehmen annähernd denselben Anteil. Die Kursentwicklung der Schwergewichte dominiert ihn deshalb deutlich weniger.
Im September verlor diese gleichgewichtete Variante laut dem Marktbericht der New York Stock Exchange rund fünf Prozent. Der Abstand zum klassischen S&P 500 betrug damit etwa 4,5 Prozentpunkte – innerhalb desselben Aktienuniversums. Die Korrektur ist also längst da. Nur kommt sie im bekanntesten US-Börsenbarometer bislang kaum an.
Auch die Quartalsbilanz offenbart die Spaltung. Der kapitalisierungsgewichtete S&P 500 gewann im dritten Quartal rund zwei Prozent, während die gleichgewichtete Variante etwa zwei Prozent verlor. Ein vergleichsweise kleiner Kreis großer Aktien trug damit die positive Indexentwicklung, während das breiter verteilte Portfolio nachgab.
Die Schwäche hält zudem an: Zum Ende voriger Woche am 2. Oktober hatte der gleichgewichtete S&P 500 sieben Verlustwochen in Folge verzeichnet. Nach Angaben der NYSE war eine solche Serie zuvor erst zweimal aufgetreten.
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Korrektur schon da? Viele Aktien weit unter ihren Hochs
Wie groß die Diskrepanz ausfällt, verdeutlichen weitere Zahlen aus dem September-Rückblick von Nasdaq: Zum Quartalsende lagen demnach 83 Prozent der S&P-500-Mitglieder mehr als zehn Prozent unter ihrem jeweiligen 52-Wochen-Hoch. Bei 42 Prozent betrug der Rückgang sogar mehr als 20 Prozent. Der S&P 500 selbst notierte dagegen lediglich rund zwei Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.
Diese Werte beschreiben die Abstände zu den individuellen Höchstständen, nicht die Verluste allein im September. Trotzdem zeigt es: Für zahlreiche Indexmitglieder ist eine größere Korrektur bereits Realität, während der Gesamtindex vergleichsweise robust erscheint.
Ein weiterer Hinweis kommt aus der Marktbreite: Laut NYSE fiel der Zehntagesdurchschnitt der täglichen Netto-Gewinner – also der Zahl steigender abzüglich fallender Aktien – im September auf ein Einjahrestief. Trotz einer anschließenden leichten Erholung blieb der Indikator negativ.
Der Anleihemarkt erhöht den Druck
Parallel dazu steigen die Renditen am US-Anleihemarkt. Am Donnerstag, dem 1. Oktober, erreichte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen laut CNBC zwischenzeitlich 5,344 Prozent.
Höhere Renditen belasten Aktien über mehrere Kanäle. Neu aufgenommene oder refinanzierte Schulden werden teurer. Zugleich sinkt bei höheren Diskontierungssätzen der heutige Wert künftiger Gewinne. Und zinstragende Anlagen werden als Alternative zu Aktien attraktiver. Besonders anfällig können Unternehmen mit hohem Finanzierungsbedarf und schwachen Bilanzen sein.
Die zeitgleiche Schwäche vieler Aktien passt zu diesem Zinsdruck. Sie beweist allerdings nicht, dass steigende Renditen die alleinige Ursache der Kursverluste sind.
Anleger sollten Warnsignal ernst nehmen
Muss die Schwäche nun zwangsläufig auf den S&P 500 und den Nasdaq 100 durchschlagen? Nein, nicht unbedingt. Die beschriebene Lücke kann sich auf zwei Wegen schließen: durch fallende Schwergewichte oder durch eine Erholung der bislang schwachen Aktien.
Für Anleger bleibt deshalb entscheidend, ob sich die Kursgewinne wieder auf mehr Unternehmen verteilen. Der Blick auf den gleichgewichteten Index liefert dafür wichtige Hinweise.
Die Septemberbilanz zeigt jedenfalls: Wer nur den klassischen S&P 500 betrachtet, unterschätzt die laufende Korrektur. Für große Teile des US-Aktienmarkts hat sie bereits begonnen.
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Häufige Fragen
Hat die Korrektur am US-Aktienmarkt bereits begonnen?
Für große Teile des Markts zeigen die Septemberdaten bereits deutliche Kursverluste. Während der S&P 500 nur rund 0,5 Prozent nachgab, verlor seine gleichgewichtete Variante rund fünf Prozent. Auch US-Nebenwerte standen unter Druck. Das spricht für eine Korrektur unter der Oberfläche, nicht automatisch für einen bevorstehenden Crash der Leitindizes.
Warum zeigt der S&P 500 die Schwäche vieler US-Aktien kaum?
Der S&P 500 gewichtet Unternehmen nach ihrer Börsenbewertung. Wenige besonders große Konzerne können den Index deshalb stabilisieren, obwohl zahlreiche andere Aktien fallen. Im gleichgewichteten S&P 500 erhält jedes Unternehmen bei der regelmäßigen Neugewichtung annähernd denselben Anteil. Er macht die Entwicklung jenseits der Schwergewichte besser sichtbar.
Warum können steigende US-Anleiherenditen Aktien belasten?
Höhere Anleiherenditen können die Finanzierung von Unternehmen verteuern und den heutigen Wert zukünftiger Gewinne senken. Gleichzeitig werden Anleihen als Alternative zu Aktien attraktiver. Besonders anfällig können Unternehmen mit hohem Finanzierungsbedarf sein. Ein weiterer Kursrückgang des S&P 500 oder Nasdaq 100 folgt daraus jedoch nicht zwangsläufig.
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