Airbus sollte gemeinsam mit dem französischen Konzern Dassault das Kampfjetprojekt FCAS durchführen. Bereits 2017 kam es zu einer Einigung zwischen Deutschland und Frankreich. Nach einem Stillstand der Kooperation kippt Friedrich Merz das Projekt jedoch. Kommt es jetzt zu weitreichenden Kursschwankungen in der Rüstungsbranche?

Die Airbus-Aktie reagiert vorbörslich nicht auf die Meldung. Auf Tradegate notiert sie am Dienstagmorgen 176,44 Euro, was einem Verlust von 0,44 Prozent im Vergleich zum Vortag entspricht. Eine solche Meldung betrifft in der Regel jedoch nicht nur einen Vertragspartner. Die Papiere von Dassault sinken aktuell um 1,18 Prozent auf 19,72 Euro (Stand: 9. Juni 2026, 09:14 Uhr). Noch lässt sich nicht absehen, welche Folgen das für die Rüstungsindustrie hat.

Airbus-Aktie bisher stabil - das erwartet Anleger

Die Meldung könnte noch Staub aufwirbeln. FCAS galt als Prestigeprojekt für Airbus Defence and Space. Durch das Scheitern sind potenzielle Milliardenumsätze und die Führungsrolle für Kampfjets der nächsten Generation im europäischen Bereich gefährdet. Dass es auf Tradegate noch keine Reaktion gibt, heißt nicht, dass die Kurse zum Börsenstart nicht deutlich reagieren könnten. Ein entsprechender kurzfristiger negativer Impuls ist durchaus wahrscheinlich.

Doch Airbus ist nicht auf FCAS angewiesen. Das Unternehmen erzielt deutlich mehr Gewinne aus dem zivilen Flugzeuggeschäft und anderen Rüstungs- sowie Weltraumaktivitäten. Durch das Scheitern des Projektes gibt es für Airbus auch einige positive Effekte. Dadurch enden einerseits die Machtspiele mit Dassault, andererseits sinkt der politische Druck und die Kapitalbindung fällt geringer aus. Sollten zudem weitere Rüstungsprojekte geplant sein, könnte das Unternehmen auch den Prestigeschaden deutlich eindämmen.

Neben dem negativen Szenario sind also auch andere Folgen möglich. Erkennt der Markt, dass FCAS ohnehin ein politisches Fiasko darstellte und Airbus nun die Möglichkeit hat, sich auf profitablere Geschäfte zu konzentrieren, könnte sich mittelfristig eine neutrale bis leicht positive Kursentwicklung zeigen. Findet Deutschland einen anderen Partner für neue Programme derselben Sparte, wäre das Kampfjetprojekt nur ein kleiner Stein am Wegesrand für Airbus und könnte in einer langfristig positiven Kursentwicklung münden. 

Eine tatsächlich negative Entwicklung ist dennoch nicht auszuschließen. Schafft es Dassault, den Konkurrenten aus künftigen Kampfjetprojekten zu drängen, hätte dies strategische Folgen für Airbus. Die Aktie reagiert auf solche Situationen in der Regel nicht gut.

Rüstungsindustrie als Investitionsidee

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Kein deutsch-französischer Jet in Aussicht

Kippt die Regierung einen industriellen Deal, hat dies mehrere Gründe. Einer davon lag in der Uneinigkeit beider Konzerne. Vor einiger Zeit machte Dassault-CEO Eric Trappier bereits deutlich, als alleiniger Chef die Kooperation führen zu wollen. "Ich habe es von Anfang an gesagt: Ich will eine klare Führung, nicht nur auf dem Papier", sagte er auf der Bilanzkonferenz im Februar. Daraufhin unterstellte er Airbus, dass das Unternehmen noch lernen müsse.

Daraufhin folgte ein Verdacht, dass Frankreich lediglich am Know-how und der Auftragsvergabe an die Zulieferer interessiert sei, während Deutschland den 100-Milliarden-Deal hauptsächlich finanzieren solle. Nach den Reibereien meldete sich auch Bundeskanzler Merz. "Die Franzosen brauchen in der nächsten Generation der Kampfflugzeuge ein atomwaffenfähiges und ein flugzeugträgerfähiges Flugzeug. Das brauchen wir in der deutschen Bundeswehr gegenwärtig nicht", sagte er im Podcast Machtwechsel im Februar.

Der Regierungschef wies dabei auch auf die unterschiedlichen Anforderungen hin, wodurch das Projekt ohnehin in zwei verschiedenen Kampfflugzeugen münden könnte. Somit hat auch Berlin das Scheitern zuerst angekündigt, während die Meldung aus Paris noch einige Stunden auf sich warten ließ. Die Rüstungsindustrie könnte nun den Zuschlag für ein weiteres Projekt dieser Art erhalten. Anleger, die in solche Aktien investieren, könnten also vom Ausfall des deutsch-französischen Deals profitieren. Es ist allerdings auch nicht ausgeschlossen, dass Airbus hier noch einmal zum Zug kommt.

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Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet die Meldung für die Dassault-Aktie?

Für die Dassault-Aktie ist das zunächst eher gemischt bis leicht negativ, weil FCAS ein wichtiges Zukunftsprojekt ist und das Scheitern für Unsicherheit sorgt. Langfristig könnte das aber auch positiv sein, falls Dassault bei einem eigenen oder neuen Programm mehr Kontrolle, höhere Anteile und bessere Margen erhält.

Was macht Airbus eigentlich?

Airbus ist vor allem als Flugzeughersteller bekannt und verdient einen großen Teil des Geldes im zivilen Luftfahrtgeschäft. Daneben ist der Konzern auch in der Verteidigung, Raumfahrt und bei Sicherheitslösungen aktiv, was ihn für Anleger breiter aufstellt als viele reine Rüstungswerte.

Wer ist Eric Trappier?

Eric Trappier ist der CEO von Dassault Aviation und gilt als zentrale Figur beim FCAS-Streit. Er steht für eine klare Führungsrolle seines Unternehmens und hat die Zusammenarbeit mit Airbus wiederholt öffentlich kritisch kommentiert.

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