Mit einem Carsharing-Deal erweitert der Private-Equity-Investor sein Portfolio. Die prall gefüllte Exit-Pipeline verspricht zudem kurzfristig weitere Liquiditätszuflüsse.
Der Private-Equity-Investor Mutares erschließt sich ein neues Geschäftsfeld: Vom Automobilkonzern Stellantis übernimmt der SDAX-Konzern, der bislang vor allem im Industrieumfeld unterwegs ist, das Unternehmen Free2move. Die Carsharing-Plattform soll als eigenständige Einheit unter dem Dach von Mutares weitergeführt werden.
Das Geschäftsmodell des Münchner Finanzinvestors ist klar definiert: Mutares kauft mittelständische Unternehmen und Konzernabspaltungen, die nicht mehr zum strategischen Fokus ihrer bisherigen Eigentümer passen und häufig operativ angeschlagen sind. Auf die Optimierung und Stabilisierung folgt das sogenannte Harvesting — also der Verkauf mit Wertzuwachs.
Rege Akquisitionstätigkeit
Im laufenden Jahr hat Mutares bereits zahlreiche Zukäufe getätigt, darunter die größte Transaktion in der Unternehmensgeschichte. Im Januar übernahm der Private-Equity-Investor den Geschäftsbereich Engineering Thermoplastics (ETP) vom saudi-arabischen Chemiekonzern Sabic. ETP bildet nun die Basis des neu geschaffenen Segments Chemicals & Materials. Darin will Mutares mehrere Beteiligungen zu einer integrierten Plattform für Werkstoffe und Spezialchemikalien bündeln.
Parallel dazu verfügt Mutares nach eigenen Angaben über die größte Exit-Pipeline seiner Geschichte. 2026 wurden bereits mehr als zehn Beteiligungen veräußert oder ein Verkauf vereinbart. Daraus könnten im weiteren Jahresverlauf mehrere Liquiditätszuflüsse entstehen.
Das erste Halbjahr verlief für Mutares solide. In den ersten sechs Monaten stieg der Konzernumsatz um neun Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebitda verbesserte sich deutlich: Nach einem Verlust von 88,5 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum erreichte Mutares nun ein Plus in Höhe von 67 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr bestätigt Mutares seine Umsatzprognose von 7,9 bis 9,1 Milliarden Euro. Mit einer Dividendenrendite von 5,5 Prozent sind die Aktien auch für einkommensorientierte Anleger interessant. Die Ausschüttungsfähigkeit hängt allerdings stark von erfolgreichen Beteiligungsveräußerungen ab.
Mutares hat bereits mehrfach bewiesen, dass Turnarounds gelingen und in lukrativen Verkäufen münden können. Das hohe Transaktionsvolumen und die gut gefüllte Exit-Pipeline sprechen für ein skalierbares Geschäftsmodell und weitere potenzielle Liquiditätszuflüsse. Der Eintritt in neue Marktsegmente verringert darüber hinaus die Abhängigkeit von einzelnen Branchen.
Fazit
Dennoch ist Mutares kein Industriekonzern mit stetig wachsenden Erträgen. Der Gewinn wird stark durch Akquisitionen und Verkäufe beeinflusst. Verzögern sich Exits oder lassen sich keine attraktiven Verkaufspreise erzielen, können Ergebnis und Liquidität schwanken. Das breite Turnaround-Portfolio und die aussichtsreiche Verkaufspipeline sprechen zusammen mit der ambitionierten Prognose und der Dividendenrendite für risikofreudige Anleger dennoch für die Aktie.