Der DAX befindet sich weiter im Aufwind - das treibt den deutschen Leitindex an. Im Fokus: Iran, Springer Nature, Schaeffler, Bitcoin, Novo Nordisk, SK Hynix, Samsung, KI und Oracle.
Der deutsche Aktienmarkt dürfte seinen jüngsten Höhenflug am Mittwoch fortsetzen. Hoffnungen auf eine Beilegung des Iran-Krieges, sinkende Ölpreise und eine Rally bei Technologie-Aktien sollten für eine fortgesetzte Rekordrally des Dax sorgen. Der X-Dax signalisierte für den deutschen Leitindex knapp eine Stunde vor dem offiziellen Handelsbeginn ein Plus von 0,8 Prozent auf 26.401 Punkte. Damit würde der Leitindex seine Bestmarke vom Vortag nochmals erhöhen und das Plus seit Monatsanfang auf rund drei Prozent ausbauen.
"Die Rekordjagd an den Börsen geht weiter", resümierte der Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners. "Die erhoffte Wiedereröffnung der Straße von Hormus würde die Öl- und Gaspreise weiter fallen lassen. Niedrigere Energiekosten dämpfen die Inflationserwartungen." Die Notenbanken wären wohl nicht mehr gezwungen, die Zinsen anzuheben. Mit sinkenden Energiekosten und wohl eher niedrigen Finanzierungskosten für Unternehmen gebe es zwei Faktoren, die sich positiv auf die Unternehmensgewinne auswirken können.
Im Iran-Krieg stehen die USA, der Iran und der Oman dem US-Portal "Axios" zufolge kurz vor einer Übergangslösung zur Öffnung der für die Handelsschifffahrt wichtigen Straße von Hormus. Demnach streben die USA bereits für heute eine Einigung an, berichtet "Axios" unter Berufung auf einen US-Regierungsbeamten sowie zwei Quellen aus der Golfregion. US-Präsident Donald Trump sagte, es könnte passieren, dass die Meerenge am Mittwoch geöffnet wird - oder am darauffolgenden Tag. Er sprach von Fortschritten.
Nachrichten Deutschland
Springer Nature wird etwas optimistischer für 2026
Der Wissenschaftsverlag Springer Nature geht nach Zuwächsen im ersten Halbjahr von etwas besseren Geschäften im Gesamtjahr aus. So soll das organische Umsatzwachstum - also ohne Währungseffekte und Zu- wie Verkäufe von Unternehmensteilen gerechnet - bei rund 6 Prozent liegen statt nur zwischen 5 und 6 Prozent, wie das SDax-Unternehmen am Mittwoch in Berlin mitteilte. Bei der operativen Ergebnismarge geht der Konzern nun von einer Verbesserung um mindestens 0,3 Prozentpunkte aus statt um rund 0,3 Prozentpunkte.
Im ersten Halbjahr wuchs der Umsatz insgesamt um 1,5 Prozent auf 939,8 Millionen Euro. Aus eigener Kraft wären es jedoch 6,2 Prozent Plus gewesen. Das bereinigte Betriebsergebnis legte um 2,3 Prozent auf 246,2 Millionen Euro zu und hätte organisch noch stärker zugelegt als der Erlös. Die Zahlen fielen besser aus als von Experten erwartet.
Klöckner & Co mit Umsatzplus im zweiten Quartal - Delisting rückt näher
Der Stahlhändler Klöckner & Co hat den Umsatz im zweiten Quartal in einem eher schwierigen Geschäftsumfeld etwas gesteigert. Die Erlöse wuchsen im Jahresvergleich um gut 6 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro, teilte das noch im SDax gelistete Unternehmen am Mittwoch mit. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank hingegen um drei Prozent auf 63 Millionen Euro. Im Gesamtjahr sollen hier 170 bis 250 Millionen Euro herauskommen.
Das Konzernergebnis belief sich im zweiten Quartal auf minus 268 Millionen Euro, nachdem vor einem Jahr ein kleines Plus von 2 Millionen erzielt worden war. Der Verlust geht im Wesentlichen auf Wertberichtigung auf die Becker Gruppe zurück, die verkauft wird.
Der Stahlhändler steht derweil im Zuge der Übernahme durch Worthington Steel vor seinem Abschied von der Börse. Das US-Unternehmen legte Mitte Juli ein Delisting-Angebot zu elf Euro je Aktie vor. Die Annahmefrist läuft bis zum 12. August. Das Delisting wird voraussichtlich unmittelbar mit Ablauf der Annahmefrist wirksam, hieß es nun
Ifo-Institut: Die Autoindustrie schöpft Hoffnung
Die Stimmung in der deutschen Autoindustrie hat sich deutlich verbessert. Der vom Münchner Ifo-Institut erhobene Geschäftsklimaindex für die Branche stieg im Juli um 6 Punkte. Mit einem Stand von minus 15,6 ist er allerdings immer noch im negativen Bereich.
Treiber des Anstiegs sind die Geschäftserwartungen, die sich erneut deutlich verbesserten und mit minus 0,1 Punkten derzeit so hoch sind, wie zuletzt vor mehr als drei Jahren. Der Anstieg der vergangenen Monate ist hier besonders deutlich. Noch im April hatte der Wert mehr als 30 Punkte tiefer gelegen. Die aktuelle Geschäftslage wird mit minus 29,9 Punkten dagegen nach wie vor sehr schlecht bewertet.
"Die Auftragsbücher füllen sich wieder etwas und die Exporterwartungen sind gestiegen", sagt Ifo-Expertin Anita Wölfl. Auch in den Auftragseingängen, die zumindest bis Mai vorliegen, zeigt sich ein positiver Trend aus dem Inland und Euroraum.
Unter anderem profitieren laut Ifo die Hersteller von Karosserien und Aufbauten, die Geräte und Komponenten herstellen, die auch außerhalb der Autoindustrie, beispielsweise in der Verteidigung, verwendet werden können. "Die europaweit steigenden Investitionen in Rüstungsgüter könnten Teilen der Automobilindustrie zugutekommen", sagt Wölfl.
Schaeffler steigert operativen Gewinn wie erwartet - Jahresprognose steht
Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler hat im zweiten Quartal wie erwartet seine Profitabilität verbessern können. Während der Umsatz leicht auf 5,9 Milliarden Euro zurückging, stieg das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern um mehr als ein Viertel auf 264 Millionen Euro, wie das MDax-Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Die Herzogenauracher steigerten die entsprechende operative Marge damit um einen Prozentpunkt auf 4,5 Prozent.
Eine deutliche Verbesserung in der Sparte mit Wälz- und Kugellagern, ein weiter stark laufendes Ersatzteilgeschäft sowie weniger Verlust in der Elektroautozulieferung trugen dazu bei. Der Konzern hatte bereits angedeutet, wie es im Tagesgeschäft gelaufen war, und traf mit den Werten die Markterwartungen. Unter dem Strich erzielte Schaeffler einen Gewinn von 34 Millionen Euro nach 40 Millionen Verlust ein Jahr zuvor.
Unternehmenschef Klaus Rosenfeld bestätigte die Jahresprognose, hatte aber Ende Juli bereits die Investoren mit gesenkten Mittelfristzielen verschreckt wegen mauer Aussichten in der Elektroautozulieferung in den kommenden Jahren.
Nachrichten International
Morgan-Stanley-Banken wollen 15 Milliarden Dollar Anthropic-Schulden verkaufen
Ein von Morgan Stanley geführtes Bankenkonsortium bereitet laut einem Bericht den Verkauf von rund 15 Milliarden Dollar Schulden vor, die mit einem von Google unterstützten Rechenzentrum für Anthropic verbunden sind. Der Campus im texanischen Hubbard soll Googles Tensor Processing Units beherbergen und von Anthropic langfristig gemietet werden. Die geplante Refinanzierung über mehrere Anleiheemissionen könnte spekulative Ratings erhalten, da Googles Garantie erst nach Fertigstellung des Rechenzentrums greift.
Oracle-Ausfallrisiko steigt auf Rekordhoch
Die Kosten für die Absicherung von Oracle-Schulden gegen einen Zahlungsausfall sind laut Bloomberg-Daten auf den höchsten Stand der Unternehmensgeschichte gestiegen. Anleger sorgen sich, dass die umfangreichen Investitionen in KI-Infrastruktur und der damit verbundene Schuldenaufbau die Bilanz belasten. Die Oracle-Aktie verlor seit Jahresbeginn 27 Prozent und auf Jahressicht fast 44 Prozent.
Samsung und SK Hynix prüfen chinesische Chipausrüstung
Samsung Electronics und SK Hynix prüfen laut Reuters Ätzanlagen des chinesischen Herstellers AMEC für den möglichen Einsatz in ihren chinesischen Werken. Hintergrund sind Unsicherheiten über US-Lizenzauflagen sowie mögliche Beschränkungen für Wartung und Reparatur bereits installierter westlicher Anlagen. Chinesische Anbieter könnten dadurch langfristig zu einer größeren Herausforderung für Applied Materials, Lam Research und KLA werden.
Hormus-Abkommen könnte Krypto-Rally auslösen
Die USA, Iran und Oman stehen Medienberichten zufolge vor einem Interimsabkommen zur Stabilisierung der Waffenruhe und zur Wiederöffnung der Straße von Hormus für den internationalen Schiffsverkehr. Bitcoin stieg um 0,60 Prozent auf 64.238 Dollar, während die US-Bitcoin-ETFs am Vortag Nettozuflüsse von 211,49 Millionen Dollar verzeichneten. Eine Entspannung der geopolitischen Lage könnte den Fokus der Anleger wieder stärker auf Konjunkturdaten und die Geldpolitik der US-Notenbank lenken.
Novo Nordisk erhöht erneut Prognose - Anleger dennoch enttäuscht
Novo Nordisk hat wegen des guten Marktstarts der Wegovy-Abnehmpille erneut seine Prognose erhöht. Der dänische Pharmahersteller blickt nun noch etwas weniger pessimistisch auf das laufende Jahr als zuletzt. So rechnet der Konzern bei dem um Währungseffekte bereinigten Umsatz jetzt maximal mit einem Rückgang um sechs Prozent und im besten Fall mit einer Stagnation, wie das Unternehmen am Dienstagabend mitteilte. Zuvor hatte Novo Nordisk mit einem Umsatzrückgang von bis zu zwölf Prozent gerechnet. Anfang des Jahres waren es sogar noch bis zu 13 Prozent gewesen.
Auch beim operativen Gewinn geht Konzernchef Maziar Mike Doustdar jetzt nur noch von einem Rückgang von maximal sechs Prozent aus. Im zweiten Quartal legte der um Sondereffekte bereinigte Erlös um sechs Prozent auf 78,5 Milliarden dänische Kronen (10,5 Mrd Euro) zu. Ohne die Umrechnungsfolgen durch die starke heimische Krone wäre der Umsatz sogar um sieben Prozent gestiegen. Der bereinigte operative Gewinn zog um acht Prozent auf 33,4 Milliarden Kronen an. Beide Werte fielen höher als von Experten erwartet aus.
An der Börse spielte dies aber keine Rolle. Hier wurde die erhöhte Prognose als Enttäuschung aufgenommen. Investoren hatten sich mehr erhofft. Die in New York gehandelten Anteile des dänischen Unternehmens, sogenannte Hinterlegungsscheine (ADR), gaben nach der Bekanntgabe der Eckdaten und der neuen Prognose um bis sieben Prozent auf 43,70 Dollar nach. Sie beendeten damit die Erholung vom Ende März erreichten Mehrjahrestief von 35 Dollar. Innerhalb dieser war der Kurs Ende Juli wieder über die Marke von 50 Dollar geklettert. Seit Ende 2025 gab der Kurs der Novo-Nordisk-Hinterlegungsscheine um 14 Prozent nach.
Enthält Material von dpa-AFX