Der DAX fällt am Mittwoch vor dem Fed-Entscheid. Das ist jetzt wichtig. Im Fokus stehen diese Themen: Iran, SK Hynix, DWS, Visa, Redcare, Nordex, Ford, UBS, Auto1, Bitcoin und Krypto.
Neuerliche Angriffe des Iran im Konflikt mit den Vereinigten Staaten dürften am Mittwoch die Kurse am deutschen Aktienmarkt zunächst etwas belasten. Eine Stunde vor Handelsbeginn signalisierte der X-Dax für den deutschen Leitindex Dax einen Abschlag von 0,3 Prozent auf 25.393 Punkte.
Am Vortag sowie am Montag war der Dax jeweils bis über 25.550 Punkte geklettert, von dort aber wieder zurückgeprallt. Das Rekordhoch von 25.900 Punkten bleibt im Blick, rückt nun aber erst einmal wieder etwas weiter weg.
Erstmals seit dem vorläufigen Stopp der US-Angriffe auf Ziele im Iran haben Teherans Streitkräfte nach Darstellung des US-Militärs mehrere ballistische Raketen auf US-Truppen im Nahen Osten abgefeuert. Alle Geschosse seien abgefangen worden, teilte das US-Regionalkommando Centcom auf der Plattform X mit, ohne Angabe des Ziels der Angriffe. Die Preise für Öl und Gas legten am Mittwoch wieder zu.
"Die Unruhe ist zurück im Markt", kommentierte Marktexperte Thomas Altmann von QC Partners die erneute geopolitische Anspannung. Anleger sollten dieses Thema nicht vorschnell abhaken, der Konflikt könne die Weltwirtschaft und die Börsen noch lange beschäftigen.
In den Blick rückt am Abend die Sitzung der US-Notenbank Fed. Bei der zweiten Zinssitzung unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh rechnen Marktbeobachter überwiegend erneut nicht mit keine Änderung beim Leitzins, sodass dieser zum fünften Mal in Folge in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent bleiben dürfte. Die Diskussion über eine mögliche Leitzinserhöhung hat zuletzt aber wieder zugenommen. Der Iran-Krieg sorgt weiter für große Verunsicherung.
An den Aktienmärkten steht die Halbleiterbranche weiter unter Druck. In den USA und am Morgen in Asien ging es im Chipsektor erneut bergab. Halbleiterwerte am deutschen Markt können diesem Trend nicht entkommen. Papiere wie Infineon oder Aixtron gaben entsprechend vorbörslich weiter nach. Bedenken, dass sich die immens hohen Ausgaben für Künstliche Intelligenz (KI) nicht rechnen könnten sowie Sorgen vor Konkurrenz aus China trüben die Stimmung ein. Vor der Fed-Zinssitzung an diesem Abend dürften Anleger im Chipsektor kein größeres Risiko eingehen wollen. Zudem verfehlte der südkoreanische Chipproduzent SK Hynix trotz erneuter Rekordgewinne mit seinen Geschäftszahlen die Markterwartungen.
Aktien Deutschland
Deutsche-Bank-Tochter DWS sammelt überraschend viel Anleger-Geld ein
Der Fondsanbieter DWS hat im zweiten Quartal deutlich mehr Geld von Anlegern eingesammelt als gedacht. Unter dem Strich flossen fast 25 Milliarden Euro zusätzlich, wie die börsennotierte Tochtergesellschaft der Deutschen Bank am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Analysten hatten im Schnitt nur mit knapp 16 Milliarden Euro gerechnet. Der Gewinn legte vor allem dank einer geringeren Steuerlast zu.
Zwar wuchsen die Erträge im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf 773 Millionen Euro. Doch damit verfehlte DWS die Erwartungen von Analysten ebenso wie mit dem Vorsteuergewinn, der mit 305 Millionen Euro nur eine Million über dem Vorjahreswert lag. Der Überschuss wuchs hingegen dank einer Steuergutschrift um elf Prozent auf 237 Millionen Euro.
Das verwaltete Vermögen von DWS habe mit 1,19 Billionen Euro einen Höchststand erreicht, sagte Vorstandschef Stefan Hoops. Zwar fielen die Erträge im zweiten Quartal niedriger aus als im ersten Jahresviertel, doch dies sieht der Vorstand nicht als Problem. So hatte das Unternehmen Anfang des Jahres besonders hohe erfolgsabhängige Gebühren eingestrichen, die sonst erst im zweiten Quartal eingegangen wären. Auf das erste Halbjahr gesehen legten Erträge und Gewinn von DWS deutlicher zu.
Der Vorstand hält daher an seinem Ziel fest, den Gewinn je Aktie im laufenden Jahr um 10 bis 15 Prozent zu steigern. Dazu sollen die Kosten nur 55 bis 57 Prozent der Erträge aufzehren. Im ersten Halbjahr lag dieser Wert mit 57,2 Prozent noch etwas über dieser Zielspanne.
Online-Apotheke Redcare legt stärker zu als erwartet - Prognose bestätigt
Die Online-Apotheke Redcare hat im zweiten Quartal Umsatz und operatives Ergebnis stärker gesteigert als erwartet. Der Umsatz sei im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um ein Fünftel auf 853 Millionen Euro geklettert, teilte das im Juni in den SDax abgestiegene Unternehmen am Mittwoch in Sevenum mit. Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um 63 Prozent auf knapp 30 Millionen Euro zu. Damit übertraf das Unternehmen bei beiden Werten die Erwartungen der Experten. Zudem wurde die erst Mitte Juni erhöhte Prognose bestätigt.
Nordex verdient mehr als erwartet - Prognose bestätigt
Der Windturbinen-Hersteller Nordex hat im abgelaufenen zweiten Quartal überraschend viel verdient. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) mehr als verdoppelte sich auf 224 Millionen Euro, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Hamburg mit. Das war mehr als vom Unternehmen befragte Analysten geschätzt hatten. Der Umsatz bewegte sich mit einem Zuwachs um gut 16 Prozent auf rund 2,2 Milliarden Euro etwas über dem erwarteten Niveau. Wie bereits bekannt, verbesserte sich der Auftragseingang von Nordex um knapp ein Drittel im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Konzernchef José Luis Blanco bestätigte am Mittwoch die Jahresprognose und sieht sein im MDax der mittelgroßen Werte notiertes Unternehmen auch auf dem Weg zu dem mittelfristigen Margenziel von 10 bis 12 Prozent. Zum Ende des ersten Halbjahrs lag sie bei 9,4 Prozent.
Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 wächst kräftig - Prognose bestätigt
Der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 hat im zweiten Quartal bei Umsatz und Ergebnis kräftig zugelegt. Der Absatz kletterte um rund ein Fünftel auf 240.298 Fahrzeuge, wie das MDax-Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Die Berliner steigerten den Umsatz gar um fast ein Viertel auf 2,4 Milliarden Euro. Vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sondereffekten zog der Gewinn um 38,4 Prozent auf 58,6 Millionen Euro an und traf damit in etwa die Erwartungen von Experten. Für das Gesamtjahr bleibt Auto1-Chef Christian Bertermann bei seiner Prognose.
Aktien international
UBS steigert Gewinn stärker als gedacht - Aktienrückkauf
Die Schweizer Großbank UBS hat ihren Gewinn im zweiten Quartal deutlich gesteigert. Der Konzerngewinn erreichte 2,8 Milliarden US-Dollar und damit 17 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Institut am Mittwoch in Zürich mitteilte. Dabei fiel allerdings ein positiver Steuereffekt aus dem Vorjahreszeitraum weg. Vor Steuern sprang der Gewinn sogar um 64 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar nach oben. Angesichts der Unsicherheit rund um schärfere Kapitalanforderungen ist das Management mit seinem Zeitplan für weitere Aktienrückkäufe jedoch zurückhaltend.
Mit ihren Geschäftszahlen übertraf die größte Schweizer Bank wieder einmal die Markterwartungen. Im Kerngeschäft - der globalen Vermögensverwaltung - sammelte sie unter dem Strich weitere Milliardensummen von Kunden ein: Der Nettoneugeldzufluss belief sich in diesem Bereich auf 35,5 Milliarden Dollar.
Zudem machte die UBS bei der Integration der vor drei Jahren übernommenen Credit Suisse weitere Fortschritte. Der Abschluss zum Jahresende sei "auf gutem Weg", schrieb die Bank dazu. Mehr als 90 Prozent der alten Anwendungen würden nicht mehr genutzt, und rund 70 Prozent seien bereits vollständig außer Betrieb.
Zudem will die Bank ein neues Aktienrückkaufprogramm starten. Dabei geht es um Rückkäufe über bis zu drei Milliarden Dollar bis Mitte 2027, davon mindestens eine Milliarde US-Dollar in den nächsten drei Monaten.
Ford hebt Jahresprognose an – Elektroauto-Verluste bleiben belastend
Ford hat im zweiten Quartal einen Umsatz von 48,3 Milliarden Dollar erzielt und hebt die Jahresprognose für das bereinigte operative Ergebnis auf 10 bis 11 Milliarden Dollar an – ein Plus von einer Milliarde Dollar gegenüber der vorherigen Erwartung. Belastet wird das Ergebnis weiterhin von der Elektroauto-Sparte Model e, deren Verluste für das Gesamtjahr auf rund 4 Milliarden Dollar geschätzt werden; das günstigste neue Modell soll ab rund 30.000 Dollar und mit Auslieferungen ab nächstem Jahr kommen. Parallel dazu hat Ford mit Ford Energy eine eigene Energiesparte gestartet, die bis Ende 2027 eine jährliche Batteriekapazität von 20 Gigawattstunden erreichen soll.
Visa übertrifft Erwartungen – Zahlungsvolumen überschreitet erstmals 4 Billionen Dollar
Visa hat im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 einen Umsatz von 11,6 Milliarden Dollar erzielt – ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr – und dabei erstmals in der Unternehmensgeschichte ein quartalsweises Zahlungsvolumen von über 4 Billionen Dollar verarbeitet. Als strategische Neuheiten wurden eine Partnerschaft mit OpenAI für sichere KI-Agenten-Zahlungen sowie der Start einer eigenen Stablecoin-Plattform für institutionelle Nutzer angekündigt. Gleichzeitig kündigte CEO Ryan McInerney den Abbau von Stellen hauptsächlich in den Technologie- und Produktteams an, ohne eine genaue Zahl zu nennen.
Südkorea plant konsolidiertes Krypto-Gesetz – Core Scientific verdoppelt Umsatz dank KI
Südkoreas Finanzaufsicht FSC plant gemeinsam mit der Regierungspartei einen einheitlichen Digital Asset Basic Act, der Stablecoin-Ausgabe, Börsenregulierung und Systemresilienz abdecken soll – um einem Wirrwarr von zehn parallel eingereichten Einzelgesetzen im Parlament entgegenzuwirken. In den USA verdoppelte der digitale Infrastrukturanbieter Core Scientific seinen Quartalsumsatz auf 164 Millionen Dollar, wobei KI-Colocation mit 137 Millionen Dollar erstmals die größte Einnahmequelle wurde; ein neues Partnerschaftsabkommen mit AMD über 530 Megawatt Rechenzentrumsfläche ab 2027 soll langfristig über 14 Milliarden Dollar kontrahierten Basisumsatz generieren. Der ausgewiesene Nettoverlust von 1,15 Milliarden Dollar ist dabei auf eine nicht-zahlungswirksame Buchungskorrektur zurückzuführen.
Lido-Upgrade könnte Ethereum-Validatoren um ein Drittel reduzieren
Das Ethereum-Liquid-Staking-Protokoll Lido hat ein Infrastruktur-Upgrade eingeführt, das Validatoren erlaubt, ihren effektiven Saldo von 32 auf bis zu 2.048 ETH zu erhöhen – was laut Lido-Schätzungen die Gesamtzahl der Ethereum-Validatoren von rund 880.000 auf etwa 628.000 reduzieren würde. Das Upgrade zielt auf eine effizientere und dezentralere Netzwerkinfrastruktur ab, ohne die Transaktionsgebühren oder den Gas-Mechanismus auf der Ausführungsebene zu verändern. Die eigentliche Migration hat noch nicht begonnen; die genannten Zahlen basieren auf Projektionen.
Enthält Material von dpa-AFX