Die Börsen befinden sich am Donnerstag im Abwärtssog des KI-Trades. Kann der DAX dem wiederstehen? Außerdem im Fokus: Nordea, TSMC, Bitcoin, Strategy, CoreWeave, BofA, ASML, Smartphones.
Eine Talfahrt von Technologiewerten in den USA am Vorabend und an diesem Donnerstagmorgen in Asien dürfte den deutschen Aktienmarkt zum Börsenstart belasten. Sorgen vor steigenden Zinsen nach dem im September überraschend starken Inflationsanstieg in den Vereinigten Staaten sind der Auslöser für die heftigen Verluste.
Rund eine Stunde vor dem Auftakt signalisiert der X-Dax für den Dax ein Minus von 0,2 Prozent auf 25.240 Zähler. Damit bleibt die gleitende 21-Tage-Linie für den kurzfristigen Trend, die bei rund 25.310 Punkten verläuft, im Blick.
Die Furcht vor Zinsanhebungen und entsprechend höherer Finanzierungslast, vor allem für Technologieunternehmen, nimmt zu. Am Vortag waren nach den Daten zur US-Teuerung die Gewinne im Dax bereits abgeschmolzen. In den USA geriet dann der Techsektor stark unter Druck und setzte sich in Asien besonders deutlich im koreanischen Kospi fort, aber auch im japanischen Nikkei und dem chinesischen CSI.
"Wir sehen am Aktienmarkt gerade die zweite Welle der KI-Sorgen", kommentierte Marktexperte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Es seien keine klassischen Gewinnmitnahmen, sondern echte Sorgen vor einer massiven Korrektur. Im Dax allerdings, der nur mit einer geringen Anzahl an Techwerten bestückt ist, hinterließen derartige, aus KI-Sorgen heraus entstehende Verkaufswellen deutlich geringere Spuren.
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Nordea-Gewinn sinkt, Aktienrückkäufe pausieren
Nordea erzielte im dritten Quartal 1,18 Milliarden Euro Gewinn, vier Prozent weniger als vor einem Jahr; niedrigere Zinsmargen, Marktschwankungen und höhere Risikovorsorge belasteten das Ergebnis. Die Jahresprognose bleibt bestehen. Wegen einer laufenden EZB-Prüfung setzt die Bank weitere Aktienrückkäufe vorerst aus.
TSMC übertrifft im dritten Quartal die Erwartungen
TSMC erzielte einen bereinigten Gewinn je ADR von 4,60 US-Dollar und einen Umsatz von 46,72 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 41,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Bruttomarge lag bei 66,4 Prozent, die operative Marge bei 58,7 Prozent. Fortgeschrittene Fertigungstechnologien ab sieben Nanometern trugen 79 Prozent zum Waferumsatz bei.
CoreWeave-Aktie verliert wegen Finanzierungssorgen
Die Aktien von CoreWeave fielen am Mittwoch um 15,5 Prozent auf 65,78 US-Dollar. Ein Bericht über Gespräche zur Finanzierung zusätzlicher KI-Infrastruktur mit Kapital aus der Versicherungsbranche schürte Sorgen um Bilanz und Kapitalstruktur. Auch der breite Ausverkauf bei Technologiewerten belastete die Aktie und mehrere Branchenkollegen.
Bank of America erwartet kräftiges NII-Wachstum
Die Bank of America meldete für das dritte Quartal einen Nettogewinn von 6,9 Milliarden US-Dollar und einen Zinsüberschuss von 16,6 Milliarden US-Dollar, acht Prozent mehr als im Vorjahr. Darin enthalten waren Kosten von 1,2 Milliarden US-Dollar für einen regulatorischen Vergleich. Für 2027 rechnet das Management mit einem Zinsüberschuss, der mindestens acht Prozent über dem Vorjahreswert liegt.
ASML prüft Kapazitätsausbau über 30 Prozent
ASML erzielte im dritten Quartal einen Rekordumsatz von 11,7 Milliarden Euro und erwartet für das Schlussquartal Erlöse von 14,2 bis 15,2 Milliarden Euro. Wegen starker Nachfrage und anhaltender Engpässe prüft der Konzern für 2028 einen Kapazitätsausbau von mehr als 30 Prozent. Die Umsatzprognose für 2026 bleibt bei 44 bis 45 Milliarden Euro.
Smartphone-Markt erlebt Rekordeinbruch
Die weltweiten Smartphone-Auslieferungen sanken im Septemberquartal laut IDC um 22 Prozent auf 255,3 Millionen Geräte – der stärkste Quartalsrückgang seit Beginn der Erhebungen. Stark gestiegene Speicherpreise verschärfen den Kostendruck; eine Erholung könnte sich bis 2028 verzögern. Besonders chinesische Hersteller verloren deutlich stärker als Apple und Samsung.
US-Inflation belastet Bitcoin
Die US-Inflation stieg im September auf 3,7 Prozent nach 3,4 Prozent im August, während die Verbraucherpreise zum Vormonat um 0,6 Prozent zulegten. Die Daten schürten Sorgen über weitere Zinserhöhungen und drückten Bitcoin in Richtung der Marke von 80.000 US-Dollar. Aus US-Spot-Bitcoin-ETFs flossen am Mittwoch netto 261,4 Millionen US-Dollar ab.
Strategy zahlt hohe Dividenden für Bitcoin-Finanzierung
Strategy hielt Mitte Oktober 848.250 Bitcoin; laut einer K33-Analyse läge der Bestand bei einer alternativen Finanzierung nur um 4.947 Bitcoin niedriger. Zugleich belaufen sich die jährlichen Dividenden für Vorzugsaktien inzwischen auf rund 1,56 Milliarden US-Dollar. Die Dollarreserve könnte diese Zahlungen zwar 42 Monate lang decken, doch die angenommene Dividendenrate von zwölf Prozent liegt deutlich über der modellierten Reserve-Rendite von vier Prozent.
Enthält Material von dpa-AFX