Acht Prozent Kursverlust an nur einem Tag: Elon Musks Mobilfunkpläne sorgen bei der Deutschen Telekom für Unruhe. Eine neue Studie liefert nun Zahlen, die Anleger hellhörig werden lassen dürften.

Die Aktie der Deutschen Telekom erlebte am vergangenen Donnerstag ihren schlechtesten Handelstag seit Langem: An nur einem Tag ging es um satte acht Prozent nach unten. Der Grund waren Bedenken wegen neuer Konkurrenz durch SpaceX. Das Unternehmen von Elon Musk hatte angekündigt, in den Mobilfunkmarkt einsteigen zu wollen. Nun gibt es eine neue Prognose der Pivotal Research Group, die alle Telekom-Aktionäre hellhörig werden lassen sollte.

Deutsche Telekom (WKN: 555750)

„Das letzte entscheidende Puzzleteil“ für SpaceX

Am Donnerstag gab SpaceX bekannt, mit Grain Management eine Vereinbarung zur Übernahme landesweiter 800-MHz-Mobilfunkfrequenzen für rund acht Milliarden US-Dollar getroffen zu haben. Die Transaktion muss allerdings noch von der US-Regulierungsbehörde FCC genehmigt werden.

Für SpaceX sind die 800-MHz-Frequenzen ein zentraler Baustein, um sich als vollwertiger Mobilfunkanbieter zu etablieren. Denn diese Frequenzen ermöglichen eine hohe Reichweite und durchdringen vergleichsweise gut Hindernisse wie Hauswände. Genau hier weist das Netz aus mittlerweile rund 11.000 Satelliten bislang noch Schwächen auf.

Elon Musk schrieb dazu am 8. Oktober auf X: „Das ist das letzte entscheidende Puzzleteil im Frequenzspektrum, das SpaceX benötigt, um eine vollständige Mobilfunkabdeckung in Amerika anzubieten.“

Deutlich günstiger als die Telekom

Pivotal schätzt, dass SpaceX ein landesweites Mobilfunknetz in den USA für lediglich zehn Milliarden US-Dollar aufbauen könnte. Klassische Mobilfunkanbieter müssten dafür hingegen 50 bis 100 Milliarden Dollar investieren. Nicht berücksichtigt sind dabei die Kosten für den Erwerb der Funkfrequenzen.

Dieser Kostenvorteil gründet auf der Kombination des bereits bestehenden Satellitennetzwerks mit ergänzender Mobilfunkinfrastruktur am Boden. In dicht besiedelten Gebieten dürfte SpaceX auf klassische Mobilfunkmasten angewiesen sein, da die Kapazität der Satelliten dort nicht ausreicht. In ländlichen Regionen könnte sich das Unternehmen jedoch einen Teil der teuren Infrastruktur sparen und überwiegend auf seine Satelliten setzen. Ergänzend könnten kleinere Mobilfunkstationen eingesetzt werden, die beispielsweise über bestehende Starlink-Internetanschlüsse angebunden werden.

Neben dem klassischen Mobilfunk könnte die Technologie auch in das bestehende Ökosystem von Elon Musk integriert werden. Beispielsweise, um Teslas Robotaxis miteinander zu vernetzen oder die Kommunikation der humanoiden Optimus-Roboter zu ermöglichen.

160 Millionen Mobilfunkkunden bis 2036?

Laut Prognosen von Pivotal könnte Starlink Mobile ab Ende 2027 oder 2028 erste Kunden für seinen eigenen Mobilfunkdienst gewinnen. Bis 2036 rechnet das Analystenhaus weltweit mit 160 Millionen Mobilfunkkunden, davon 50 Millionen in den USA. Das entspräche einem US-Marktanteil von rund 13 Prozent.

Den durchschnittlichen monatlichen Umsatz pro Kunde schätzt Pivotal auf 22 US-Dollar weltweit. Zum Vergleich: T-Mobile verlangt in den USA je nach Tarif zwischen 50 und 100 Dollar im Monat. 

Wird SpaceX zur Bedrohung für die Deutsche Telekom?

SpaceX dürfte sich mit seinem Angebot zunächst auf die USA konzentrieren. Genau das ist aber auch für die Deutsche Telekom der wichtigste Markt, der rund zwei Drittel des Konzernumsatzes ausmacht.

Insbesondere in ländlichen Regionen könnte der Raumfahrtkonzern von Elon Musk dank seines Satellitennetzes eine günstigere und praktikablere Alternative zu den etablierten Mobilfunkanbietern schaffen.

In den Ballungsgebieten sieht die Sache jedoch ganz anders aus: Hier zählt weniger die Reichweite, sondern vor allem die Leistungsfähigkeit und eine hohe Netzkapazität. Dafür braucht es ein dichtes Netz an Mobilfunkmasten, das die etablierten Anbieter über Jahrzehnte aufgebaut haben. Zudem verfügen diese über ein deutlich breiteres Funkspektrum. T-Mobile-Technikchef John Saw betonte nach der SpaceX-Ankündigung ausdrücklich, dass der Besitz von Frequenzen allein noch kein leistungsfähiges Mobilfunknetz schafft.

Unterschätzt werden sollte die Konkurrenz durch SpaceX dennoch nicht. Schließlich hat das Unternehmen bereits mehrfach bewiesen, dass es ambitionierte Großprojekte erfolgreich umsetzen kann. Insbesondere in einem weitgehend gesättigten Markt mit relativ austauschbaren Angeboten könnte ein zusätzlicher Konkurrent zudem einen Preiskampf auslösen.

Fazit

Kurzfristig dürfte SpaceX noch keine ernsthafte Bedrohung für die Deutsche Telekom darstellen. Gegen Ende des Jahrzehnts könnte sich das jedoch ändern, wenn die Starlink-Infrastruktur weiter ausgebaut ist. Dann drohen nicht nur Marktanteilsverluste in ländlichen Regionen, sondern möglicherweise auch ein zunehmender Preisdruck auf den gesamten US-Mobilfunkmarkt.

Anleger sollten deshalb genau verfolgen, welche Fortschritte SpaceX in den kommenden Jahren mit seinem Mobilfunknetz macht. Neben möglichen Umsatz- und Gewinneinbußen besteht für die Deutsche Telekom zudem das Risiko, dass der Markt die zunehmende Unsicherheit mit einem niedrigeren KGV der Telekom-Aktie einpreist – selbst wenn sich die neue Konkurrenz noch gar nicht negativ auf das Geschäft ausgewirkt hat.

Weiterführende Links

Häufig gestellte Fragen:

Warum ist die Telekom-Aktie vergangenen Donnerstag gefallen?

SpaceX will in den US-Mobilfunkmarkt einsteigen und könnte damit langfristig zu einem ernsthaften Konkurrenten für die Deutsche Telekom werden.

Wie viele Mobilfunkkunden erwartet SpaceX?

Laut einer Prognose von Pivotal könnte Starlink Mobile bis 2036 weltweit 160 Millionen Kunden gewinnen, davon 50 Millionen in den USA.

Ist SpaceX eine Gefahr für die Deutsche Telekom?

Kurzfristig dürfte die Bedrohung gering bleiben. Langfristig könnten jedoch Marktanteilsverluste und ein zunehmender Preisdruck das Geschäft der Telekom belasten.

Hinweis auf Interessenkonflikte
Der Vorstand und Mehrheitsinhaber der Herausgeberin Börsenmedien AG, Herr Bernd Förtsch, ist unmittelbar und mittelbar Positionen über die in der Publikation angesprochenen nachfolgenden Finanzinstrumente oder hierauf bezogene Derivate eingegangen, die von der durch die Publikation etwaig resultierenden Kursentwicklung profitieren können: Deutsche Telekom.