Amazon hat am Abend beeindruckende Zahlen vorgelegt. Was das Management über das AWS-Wachstum und die langfristige Geschäftsentwicklung sagte - und wie die Börse reagierte, lesen Sie hier.
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22:45 Uhr: Starkes Quartal mit zwei klaren Schwachpunkten
Amazon hat die Erwartungen bei Umsatz, operativem Gewinn und insbesondere bei AWS deutlich übertroffen. Das AWS-Wachstum von 37 Prozent bei einer Marge von mehr als 39 Prozent zeigt, dass sich die hohe KI-Nachfrage zunehmend in den Ergebnissen niederschlägt.
Auf der anderen Seite der Medaille steht ein negativer Free Cashflow sowie stark steigende Schulden. Das Management zeigt sich jedoch weiter zuversichtlich, dass diese Investitionen nötig sind, um einerseits die bestehenden Wettbewerbsvorteile abzusichern und andererseits neue Umsatz- und Gewinnquellen zu erschließen.
Insgesamt überwiegen operativ klar die positiven Aspekte.
22:36 Uhr: Langfristige Verbindlichkeiten schießen in die Höhe
Amazon bilanzierte zum zweiten Quartal langfristige Schulden in Höhe von fast 303 Milliarden US-Dollar und damit 45 Milliarden mehr als im ersten Quartal und 142 Milliarden mehr als im zweiten Quartal des Vorjahres. Der Cashbestand liegt bei 123 Milliarden US-Dollar.
Damit wird klar, dass Amazon einen bedeutenden Teil seiner gigantischen Investitionen über Schulden finanziert.
Dem Markt scheint das bislang nicht zu stören: Die Aktie ist nachbörslich bereits rund acht Prozent im Plus.
22:31 Uhr: Zoox darf künftig Geld mit Robotaxi-Fahrten verdienen
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hat Zoox die Genehmigung erteilt, für Fahrten Geld zu verlangen. Laut Amazon ist Zoox das erste speziell entwickelte Robotaxi, das diese Ausnahmegenehmigung erhalten hat.
Damit ist eine wichtige regulatorische Voraussetzung für den kommerziellen Betrieb erfüllt. Für Amazons Umsatz und Gewinn dürfte Zoox kurzfristig aber weiterhin kaum relevant sein.
22:27 Uhr: Free Cashflow rutscht ins Minus
Der operative Cashflow der vergangenen zwölf Monate stieg um 33 Prozent auf 161,4 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig erhöhten sich die Nettoinvestitionen um 64 Prozent auf 169 Milliarden US-Dollar.
Dadurch fiel der freie Cashflow von plus 18,2 Milliarden auf minus 7,6 Milliarden US-Dollar. Allein im zweiten Quartal investierte Amazon brutto 54,2 Milliarden US-Dollar in Sachanlagen - deutlich mehr als der operative Cashflow in Höhe von 45,4 Milliarden US-Dollar.
Das starke operative Wachstum reicht damit derzeit nicht aus, um die Investitionen vollständig zu finanzieren. Der negative Cashflow ist damit der größte Belastungsfaktor.
22:24 Uhr: KI- und Chipgeschäft erreichen jeweils 25 Milliarden Dollar
Sowohl Amazons KI-Geschäft als auch das Geschäft mit eigenen Chips haben inzwischen einen annualisierten Umsatz von mehr als 25 Milliarden US-Dollar erreicht. Beide Bereiche wachsen laut Amazon mit dreistelligen Prozentsätzen.
Sowohl Anthropic als auch OpenAI haben sich zu mehrjährigen Abnahmeverträgen für Trainium-Chips im Umfang mehrerer Gigawatt verpflichtet.
Die hohen Investitionen zeigen damit zunehmend messbare Erfolge. Besonders die eigenen Chips könnten AWS langfristig unabhängiger von Nvidia machen und die Margen stärken.
22:19 Uhr: Werbegeschäft wächst so stark wie seit 2023 nicht mehr
Die Werbeumsätze stiegen um 26 Prozent auf 19,8 Milliarden US-Dollar. Das ist die höchste Wachstumsrate seit dem vierten Quartal 2023. Damit liefert das Werbegeschäft einen wertvollen Beitrag zur Finanzierung der gigantischen KI-Investitionen.
22:16 Uhr: Kerngeschäft wächst profitabel
Der Umsatz in Nordamerika stieg um 16 Prozent auf 116,2 Milliarden US-Dollar. Der operative Gewinn legte um 21 Prozent auf 9,1 Milliarden US-Dollar zu. Die Marge verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr von 7,5 auf 7,9 Prozent.
Im internationalen Geschäft stiegen Umsatz und operativer Gewinn jeweils um 15 Prozent. Die operative Marge lag bei 4,1 Prozent.
Das Handelsgeschäft bleibt damit robust und liefert steigende Gewinne, mit denen Amazon zumindest einen Teil seiner enormen KI-Investitionen finanzieren kann.
22:12 Uhr: AWS wächst deutlich stärker als erwartet
Der AWS-Umsatz stieg um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden US-Dollar. Erwartet worden war lediglich ein Wachstum von rund 31 Prozent.
Der operative AWS-Gewinn sprang um 64 Prozent auf 16,6 Milliarden US-Dollar. Die operative Marge stieg von 32,9 Prozent im Vorjahr und 37,7 Prozent im vorherigen Quartal auf 39,4 Prozent.
Amazon-Chef Andy Jassy sagte: „AWS boomt und wächst im zweiten Quartal um 36,7 Prozent – so stark wie seit 18 Quartalen nicht mehr.“
AWS übertrifft damit nicht nur die Wachstumserwartungen deutlich, sondern wird gleichzeitig profitabler. Das ist der größte positive Punkt der Zahlen und dürfte auch der Hauptgrund für den Kursanstieg sein.
22:08 Uhr: Umsatzausblick bleibt hinter den Erwartungen
Für das dritte Quartal erwartet Amazon einen Umsatz zwischen 197 und 202 Milliarden US-Dollar. Der Mittelwert von 199,5 Milliarden US-Dollar liegt unter der Analystenschätzung von 204 Milliarden US-Dollar.
Der operative Gewinn soll zwischen 22,5 und 26,5 Milliarden US-Dollar liegen. Der Mittelwert von 24,5 Milliarden US-Dollar entspricht weitgehend der Erwartung von 24,9 Milliarden US-Dollar.
Der Umsatzausblick wirkt zunächst schwach. Allerdings fand der Prime Day 2026 bereits im zweiten Quartal statt. Ohne diesen Verschiebungseffekt läge das erwartete Wachstum laut Amazon fast vier Prozentpunkte höher.
22:04 Uhr: Die Amazon-Zahlen für das zweite Quartal 2026 sind da
• 200,6 Milliarden US-Dollar Umsatz vs. 196,4 Milliarden US-Dollar Erwartung
• 5,75 US-Dollar Gewinn pro Aktie (Non-GAAP) vs. 1,82 US-Dollar Erwartung
• 27,5 Milliarden US-Dollar operativer Gewinn vs. 23,5 Milliarden US-Dollar Erwartung
Der Nettogewinn stieg von 18,2 auf 62,6 Milliarden US-Dollar. Darin enthalten sind jedoch 53,4 Milliarden US-Dollar an nicht operativen Vorsteuergewinnen, die hauptsächlich aus der Beteiligung an Anthropic stammen.
Die Aktie ist bereits 6 Prozent im Plus nachbörslich.
21:59 Uhr: Optionsmarkt preist moderate Bewegung ein
Gleich kommen die Zahlen. Der Optionsmarkt preist laut Investopedia bis Freitag eine Kursbewegung von etwa plus oder minus sechs Prozent ein. Ausgehend vom aktuellen Kurs von rund 237 US-Dollar entspricht das einer Spanne von ungefähr 223 bis 251 US-Dollar. Das ist aber keine Garantie, dass die Bewegung tatsächlich so stark ausfallen wird – die Aktie kann sich auch deutlich stärker oder niedriger bewegen.
21:56 Uhr: Seitwärtsphase drückt die Bewertung
In den vergangenen zwölf Monaten legte die Amazon-Aktie lediglich um rund drei Prozent zu und blieb damit deutlich hinter dem Gesamtmarkt zurück. Gleichzeitig stiegen die Gewinne des Konzerns weiter an. Dadurch ist die Bewertung in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Noch vor drei Jahren lag das Forward-KGV bei etwa 75. Im Juli vergangenen Jahres waren es nur noch 35, aktuell sind es nur noch rund 27.
Einige Analysten sehen in diesem Bewertungsrückgang offenbar eine attraktive Einstiegschance. Mizuho Securities bestätigte am Dienstag erneut sein „Kaufen“-Rating mit einem Kursziel von 320 US-Dollar. Brian Pitz von BMO Capital erhöhte sein Kursziel sogar auf 360 US-Dollar. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von rund 52 Prozent gegenüber dem aktuellen Kurs. Etwas weniger optimistisch zeigt sich Stephen Ju von UBS. Er senkte sein Kursziel am Dienstag von 333 auf 305 US-Dollar, da die Investitionsausgaben im Jahr 2027 und darüber hinaus höher ausfallen könnten als bislang erwartet.
21:50 Uhr: Stabiles Kerngeschäft als Finanzier der KI-Investitionen
Neben AWS bleibt auch die Entwicklung des Handels- und Werbegeschäfts wichtig. Das margenstarke Werbegeschäft und die steigende Effizienz im nordamerikanischen Onlinehandel liefern die Mittel, mit denen Amazon einen erheblichen Teil seiner KI-Investitionen finanzieren kann.
Entscheidend ist daher, dass das Kerngeschäft trotz hoher Ausgaben für Rechenzentren, Logistik und Personal weiter profitabel wächst. Besonders positiv wären ein Wachstum der Werbeumsätze oberhalb von 23 Prozent sowie stabile oder steigende operative Margen im Nordamerika- und internationalen Geschäft.
21:45 Uhr: Alle Augen auf AWS und die KI-Investitionen
Bei den Quartalszahlen von Alphabet hat sich gezeigt, wie nervös der Markt inzwischen auf Aussagen zu den KI-Investitionen reagiert. Obwohl Google Cloud die Wachstumserwartungen deutlich übertraf, wurde die Aktie abverkauft, nachdem Alphabet seine Capex-Prognose nochmals um rund 15 Milliarden US-Dollar angehoben hatte.
Für Amazon wird es daher entscheidend sein zu zeigen, dass sich die hohen KI-Investitionen auszahlen. Für das zweite Quartal 2026 erwarten die Analysten einen AWS-Umsatz von 40,5 Milliarden US-Dollar. Das entspräche einem Wachstum von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Ein Wert unterhalb dieser Marke dürfte eine herbe Enttäuschung sein und könnte erheblichen Druck auf die Aktie ausüben. Idealerweise beschleunigt sich das Wachstum auf mehr als 35 Prozent.
Für das Gesamtjahr 2026 hat Amazon Investitionsausgaben von rund 200 Milliarden US-Dollar angekündigt. Eine Erhöhung dieser Prognose müsste überzeugend begründet werden – idealerweise mit einem weiterhin starken Nachfrageüberhang und einem deutlich gestiegenen Auftragsbestand. Weniger positiv wäre es, wenn höhere Investitionen vor allem auf gestiegene Kosten für Speicherchips oder andere Infrastrukturkomponenten zurückzuführen wären.
Eine der Hauptursachen für den Kursrückgang der Alphabet-Aktie nach den Zahlen dürfte gewesen sein, dass der Free Cashflow erstmals in der Unternehmensgeschichte negativ ausfiel. Entsprechend genau werden die Investoren heute auch bei Amazon auf die Entwicklung des Cashflows achten. Für das zweite Quartal wird derzeit ein positiver Free Cashflow von rund 2,7 Milliarden US-Dollar erwartet.
21:39 Uhr: Gute Zahlen allein dürften nicht genügen
Amazon schlägt die Erwartungen der Analysten ausgesprochen häufig: In 14 der vergangenen 16 Quartale übertraf der Konzern die Umsatzerwartungen – im Durchschnitt um 1,36 Prozent.
Noch beeindruckender fällt die Bilanz beim Gewinn aus. Auch hier wurden die Erwartungen in 14 der vergangenen 16 Quartale geschlagen, im Durchschnitt sogar um 26,7 Prozent.
Diese Statistik spricht dafür, dass Amazon ein gutes Erwartungsmanagement betreibt und seine Prognosen tendenziell konservativ ansetzt. Da die aktuellen Analystenschätzungen ungefähr auf Höhe der von Amazon ausgegebenen Prognose liegen, erscheint es durchaus wahrscheinlich, dass der Konzern auch diesmal die Umsatz- und Gewinnerwartungen übertrifft.
In diesem Quartal dürften Umsatz und Gewinn allerdings nicht die Kennzahlen sein, auf die der Markt am stärksten achtet. Insbesondere der Gewinn je Aktie könnte deutlich über den Erwartungen liegen, falls Amazon erneut Bewertungsgewinne aus nicht börsennotierten Beteiligungen – allen voran Anthropic – verbucht.
Für die Kursreaktion dürften daher vor allem die Entwicklung von AWS, die Nachfrage nach KI-Diensten sowie die Höhe der Investitionsausgaben entscheidend sein.
21:35 Uhr: Erwartungen der Analysten
Für das zweite Quartal 2026 rechnen die Analysten mit einem Umsatz von 196,4 Milliarden US-Dollar und damit rund 17 Prozent über dem Vorjahresquartal. Amazon selbst hatte in seiner Umsatzprognose 194 bis 199 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt.
Die erwartete Bruttomarge liegt bei 52,1 Prozent und damit leicht über dem Vorjahreswert.
Beim operativen Gewinn rechnen die Analysten mit einem deutlichen Anstieg um 22 Prozent auf 23,5 Milliarden US-Dollar. Damit liegt der Konsens am oberen Ende der von Amazon ausgegebenen Prognosespanne von 20 bis 24 Milliarden US-Dollar.
Für den Gewinn je Aktie erwarten die Analysten 1,82 US-Dollar und damit lediglich acht Prozent mehr als im Vorjahr.
Dass der Gewinn je Aktie deutlich langsamer steigen soll als der operative Gewinn, deutet darauf hin, dass die Analysten zwar mit einer höheren operativen Marge, zugleich aber mit einer niedrigeren Nettomarge rechnen. Ein wesentlicher Grund dafür dürfte die ungewöhnlich niedrige Steuerquote von 12,8 Prozent im Vorjahresquartal sein. Offenbar gehen die Analysten davon aus, dass sie wieder auf einen normaleren Wert von rund 20 Prozent steigt.
Für die Beurteilung der operativen Profitabilität dürfte der operative Gewinn daher der aussagekräftigere Referenzwert sein als der Gewinn je Aktie. Zudem wird der Nettogewinn häufig durch Beteiligungsgewinne oder -verluste verzerrt.
Auf den Free Cashflow kommen wir später noch genauer zurück…
Hier die Erwartungen im Überblick:
Häufige Fragen zum Thema:
Wann werden die Amazon-Quartalszahlen veröffentlicht?
Amazon veröffentlicht die nächsten Quartalszahlen voraussichtlich am Donnerstag, den 30 Juni 2026, nach US-Börsenschluss. Das ist etwa 22 Uhr Deutscher Zeit.
Was sind die Erwartungen an Amazon?
Analysten rechnen mit einem Umsatz von rund 196,4 Milliarden Dollar und einem Gewinn je Aktie von etwa 1,82 Dollar (Non-GAAP).
Welche Bewegung preist der Optionsmarkt ein?
Am Optionsmarkt wird aktuell eine Kursbewegung von plus oder minus 6 Prozent eingepreist.