Die Schaefflers halten gut 75 Prozent der Anteile und können Restrukturierungen und den Ausbau neuer Bereiche forcieren. Was auch nötig ist.

Hinweis: Dieser Artikel erschien zuerst am 14. Oktober in der BÖRSE ONLINE-Ausgabe 43/26. Wenn Sie in Zukunft als Erstes die Einschätzung unserer Experten lesen wollen, dann werfen Sie einen Blick auf dieses Angebot.

Es war ein großer Schritt nach vorn: Der Kauf des Antriebstechnik-Spezialisten Vitesco 2024, ein Spin-off des Automobilzulieferers Continental, das mit seiner Restrukturierung und der Forcierung von Elektromobilität schnell Erfolg hatte, verwandelte Schaeffler aus einem Zulieferer überwiegend mechanischer Komponenten in einen breiter aufgestellten Systemlieferanten. 

Das Geschäft mit E-Mobilität wurde signifikant: Elektromotoren, Leistungselektronik, Batteriemanagement, E-Achsen, Sensoren, Ladeelektronik und „Muskeln für Maschinen“, sogenannte Aktuatoren, Komponenten, die Signale in Bewegung umwandeln, das Gegenstück zu Sensoren und wichtig in der Robotik. Mit Vitesco wollte Schaeffler bei E-Autos zuliefern und größere Systemaufträge bekommen. Im Halbjahr 2025 hatte E-Mobility Aufträge im Wert von über 43 Milliarden Euro. 2028 sollte die Sparte neun Milliarden Euro erlösen. 

Im gegenwärtigen Umfeld schwächelt jedoch ausgerechnet E-Mobility und schreibt zudem Verluste. Ende Juli senkte Konzernchef Klaus Rosenfeld die Umsatzprognose für 2028 deutlich: auf 24 bis 26 von 27 bis 29 Milliarden Euro, bei E-Mobility auf 6,25 bis 7,25 von 8,25 bis neun Milliarden. 

„Die Dominanz der Familie sollte zum Einstieg ermutigen.“

Klaus Schachinger, Redakteur

Kommt jetzt das Comeback?

Mit Vitesco ist der Konzern der Schaefflers für Aktionäre größer, liquider und sichtbarer geworden und stieg in den MDAX auf. Für den Kauf von Vitesco wurde die Anzahl der Stammaktien deutlich erhöht. Mit höheren Gewinnen und rund 600 Millionen Euro Synergien bei Vitesco bis 2029 muss Schaeffler die Verwässerung des Gewinns durch die rund 279 Millionen zusätzlichen Aktien ausgleichen. Die Familie bleibt dominant: Georg Schaeffler und seine Mutter Maria-Elisabeth Schaeffler halten zusammen 79,2 Prozent der Anteile. Die Familie dürfte bei niedrigen Kurse mehr Geduld als andere Anteilseigner haben und die Wende zum Besseren durch Anpassungen im Konzern forcieren. 

Das sollte geduldige Anleger ermutigen einzusteigen und auch mögliche Kursrücksetzer auszuhalten. Schaefflers Kooperationen mit Neura Robotics und Humanoid AI sind der Zugang zu Serienläufen bei humanoiden Robotern. Die Allianz mit Chinas Batterieriesen CATL stärkt das E-Mobility- Geschäft. Entscheidend für höhere Kurse sind dabei gleich mehrere Faktoren: schneller Abbau der Verluste bei E-Mobility, also für 2008 eine „schwarze Null“. Dafür zählt jeder Margenpunkt und pünktliches Hochlaufen der Werke. Der freie Cashflow muss zulegen: Für 2026 avisiert Schaeffler bis zu 300 Millionen Euro, 2028 sollten es mehr als 500 Millionen sein — ein Beleg, dass Restrukturierung wirkt. Powertrain, Aftermarket und Industrie, Bereiche mit hohen Margen, die den Wandel finanzieren, müssen weiter liefern und Robotik muss signifikant werden.

Fazit

Vitesco war wichtig, nun belastet E-Mobilty den Kurs erheblich. Die Sparte muss 2028 profitabel sein. Die Schaefflers werden Druck machen. Die neuen Kooperationen erhöhen dabei das Marktpotenzial.

Sie wollen weitere starke Analysen lesen? Dann werfen Sie jetzt einen Blick auf das exklusive BÖRSE ONLINE Probe-Abo.

Weiterführende Links