Die Sorgen um die langfristige Schuldentragfähigkeit der USA haben zuletzt sowohl Gold als auch Silber neuen Rückenwind verliehen. Trotz der bereits hohen Silberpreise sehen einige Analysten weiteres Potenzial. Besonders optimistisch zeigen sich derzeit die Citi und die Bank of America.

Zu den aktuell besonders bullishen Adressen zählt Citi. Die US-Großbank bestätigte Mitte August ihre bisherigen Kursziele: Auf Sicht von bis zu drei Monaten rechnen die Analysten mit 75 Dollar, innerhalb von sechs bis zwölf Monaten sogar mit 90 Dollar. Zum Zeitpunkt der Analyse notierte Silber bei rund 65 Dollar.

Das sind die Gründe für den Optimismus

Bemerkenswert ist vor allem die Begründung. Citi setzt für die nächste Phase der Silberrally weniger auf die industrielle Nachfrage als auf verstärkte Kapitalzuflüsse von Anlegern. Unterstützung versprechen sich die Analysten von einer perspektivisch weniger restriktiven US-Geldpolitik sowie einer möglichen Entspannung rund um die Straße von Hormus. Dadurch sollten Belastungsfaktoren wie hohe Realzinsen und ein starker Dollar an Bedeutung verlieren.

Silber dürfte nach Einschätzung von Citi grundsätzlich der Richtung von Gold folgen, wegen seiner stärkeren Kursschwankungen allerdings mit höherem Hebel. Zusätzlichen Rückenwind liefere die Nachfrage aus Indien, wo Silber zuletzt mit einem deutlichen Aufschlag gegenüber dem internationalen Markt gehandelt wurde. Gleichzeitig erwartet die Bank, dass der weltweite Silbermarkt bis 2027 im Defizit bleibt. Zwar könnten Einsparungen und technologische Veränderungen den Silberverbrauch der Solarbranche bremsen, Anwendungen etwa in KI-Infrastruktur, 5G und Elektrofahrzeuge sollten die industrielle Nachfrage aber stützen.

Noch offensiver hatte sich Bank of America Ende Mai positioniert. Die Rohstoffanalysten um Michael Widmer halten im vierten Quartal 2026 wieder Silberpreise von mehr als 100 Dollar für möglich. Ein wesentlicher Treiber wäre eine Fortsetzung der Goldrally, von der Silber aufgrund seines höheren Beta überproportional profitieren könnte. Allerdings betrachtet die Bank dreistellige Silberpreise nicht unbedingt als dauerhaftes Niveau: Für 2027 werde wieder mit niedrigeren Notierungen gerechnet, weil extrem hohe Preise Einsparungen, wachsendes Recycling und dadurch die Substitution des Metalls fördern könnten.

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Silber (ISIN: AF0000SILVER)

LBMA-Umfrage: Fünf Experten erwarteten mehr als 100 Dollar

Wie optimistisch einige Edelmetallexperten in das Jahr gestartet waren, zeigt die Anfang 2026 veröffentlichte Analystenumfrage der London Bullion Market Association (LBMA). Dabei ging es jedoch nicht um Kursziele für einen bestimmten Zeitpunkt, sondern um den erwarteten durchschnittlichen Silberpreis des gesamten Jahres 2026. Fünf Teilnehmer lagen mit ihren Prognosen sogar oberhalb von 100 Dollar.

Chantelle Schieven von Capitalight Research erwartete im Mittel 101,50 Dollar, René Hochreiter von NOAH Capital Markets und Sieberana Research 107 Dollar. Noch optimistischer waren Bruce Ikemizu von der Japan Bullion Market Association mit 120 Dollar, Ross Norman von Metals Daily mit 122 Dollar und Julia Du von ICBC Standard Bank mit 125 Dollar. Die möglichen Jahreshöchststände wurden damals in der Spitze sogar bei 150 bis 165 Dollar angesiedelt.

Als wichtigste Argumente nannten die Experten anhaltende Angebotsdefizite, eine nur langsam reagierende Minenproduktion sowie eine robuste Industrie- und Investmentnachfrage. Erwähnt wurden aber auch der steigende Silberbedarf durch Elektrifizierung, Photovoltaik und andere Zukunftstechnologien sowie geopolitische und geldpolitische Unsicherheiten.

Fazit: Die Prognosen verdeutlichen aber auch die hohe Schwankungsanfälligkeit von Silber. Citi ist mit seinem aktuellen 90-Dollar-Ziel zwar vorsichtiger als die größten LBMA-Bullen vom Jahresanfang. Gemeinsam ist den Einschätzungen jedoch die Erwartung, dass das begrenzte Angebot und Silbers Doppelrolle als Edel- und Industriemetall weiteres Aufwärtspotenzial eröffnen können.

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