Die jüngsten Turbulenzen am US-Anleihemarkt haben die Sorgen über die Tragfähigkeit der US-Staatsverschuldung neu entfacht. Ein prominenter Investor empfiehlt vor diesem Hintergrund, Anleihen zu verkaufen und stattdessen unter anderem auf Gold zu setzen.

Ray Dalio zählt zu den bekanntesten Investoren der Welt. Der US-Milliardär gründete 1975 den Hedgefonds Bridgewater Associates und beschäftigt sich seit Jahrzehnten intensiv mit langfristigen Wirtschafts-, Schulden- und Währungszyklen. Seine Überlegungen zur aktuellen Lage veröffentlichte er am Freitag in einem Beitrag auf LinkedIn.

Ray Dalio warnt vor einer US-Schuldenkrise

Im Mittelpunkt seiner Argumentation steht die rapide wachsende Verschuldung der USA. Dalio rechnet für das laufende Jahr mit Staatseinnahmen von etwa 5,5 Billionen Dollar, denen Ausgaben von rund 7,5 Billionen Dollar gegenüberstehen. Daraus ergibt sich ein Haushaltsloch von etwa zwei Billionen Dollar. Gleichzeitig dürften allein die Zinsausgaben rund eine Billion Dollar erreichen. Hinzu kommen etwa zehn Billionen Dollar bestehende Schulden, die refinanziert werden müssen.

Das Problem: Je höher die Schulden und Zinskosten steigen, desto stärker wächst der Finanzierungsbedarf des Staates. Gleichzeitig müssen sich genügend Anleger finden, die bereit sind, die ausgegebenen Anleihen zu akzeptablen Konditionen zu kaufen. Lässt die Nachfrage nach, müssen höhere Renditen geboten werden. Dadurch steigen wiederum die Zinskosten – ein Kreislauf, der die Schuldentragfähigkeit weiter verschlechtern kann.

Genau diese Entwicklung entspricht laut Dalio dem Muster langfristiger Schuldenzyklen, das er in seinem Buch „Wie Staaten bankrottgehen“ beschreibt. Treffen hohe Zins- und Refinanzierungskosten irgendwann auf eine unzureichende Nachfrage nach Staatsanleihen, bleiben letztlich zwei problematische Möglichkeiten: Der Staat akzeptiert noch höhere Zinsen oder die Notenbank greift ein und kauft Schulden. Letzteres kann jedoch die Währung schwächen und die Inflation fördern.

Ohne eine Kursänderung könnte nach Dalios Einschätzung eine US-Schuldenkrise innerhalb von etwa drei Jahren eintreten, plusminus zwei Jahre. Als Ausweg hält er eine Reduzierung des Haushaltsdefizits von derzeit rund sechs auf drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für erforderlich. Er setzt dabei auf eine Kombination aus geringeren Ausgaben, höheren Staatseinnahmen und niedrigeren Zinsen. Ähnliche fiskalische Spannungen erkennt Dalio allerdings auch in Großbritannien, China und Japan.

Tipp: Fundierte Einschätzungen zum Goldpreis und zu Minenaktien finden Sie regelmäßig im Goldfolio - dem Börsendienst von Markus Bußler.

Gold (ISIN: XC0009655157)

Warum Dalio Gold gegenüber Anleihen bevorzugt

Für Anleger leitet der Milliardär daraus eine klare Konsequenz ab: Sie sollten ihre Anlagen über unterschiedliche Vermögenswerte und finanziell solide Länder streuen und Anleihen untergewichten. Für Gold hält Dalio einen Portfolioanteil von etwa zehn bis 15 Prozent für sinnvoll. Zusätzlich nennt er eine kleinere Position in Bitcoin.

Der entscheidende Unterschied zu Staatsanleihen liegt in der Konstruktion dieser Anlagen. Eine Anleihe ist letztlich das Zahlungsversprechen eines Schuldners. Gold dagegen ist keine Forderung gegenüber einem Staat, einer Bank oder einem Unternehmen. Gerade, wenn Zweifel an Staatsfinanzen und Währungen wachsen, kann diese Eigenschaft an Bedeutung gewinnen.

Die jüngsten Ereignisse am US-Anleihemarkt passen aus Dalios Sicht in dieses Bild. Die Renditen langlaufender Anleihen erreichten Mehrjahreshochs, während Japan als größter ausländischer Gläubiger der USA Anleihen verkaufte, um den Yen zu stützen. Das US-Finanzministerium reagierte mit einer Ausweitung seiner Rückkäufe länger laufender Staatspapiere. Bislang sorgte dies jedoch vor allem für eine kurzfristige Beruhigung.

Auch Arthur Hayes setzt auf Gold

Mit seiner grundsätzlich positiven Einschätzung von Gold steht Dalio nicht allein. Auch BitMEX-Mitgründer Arthur Hayes sieht in den ausgeweiteten Anleiherückkäufen ein Signal für eine zunehmend marktstützende Finanzpolitik. Er geht davon aus, dass Versuche, hohe Renditen einzudämmen und Liquidität bereitzustellen, knappe Vermögenswerte begünstigen. Neben Gold setzt Hayes dabei insbesondere auf Aktien und Bitcoin.

Allerdings unterscheiden sich beide Stimmen hinsichtlich ihres Gewichts am Kapitalmarkt erheblich. Dalio verfügt aufgrund seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Gründer eines der weltweit bedeutendsten Hedgefonds über einen wesentlich etablierteren Ruf unter institutionellen Investoren. Hayes ist dagegen vor allem in der Kryptobranche bekannt, und seine teilweise sehr offensiven Marktprognosen sowie seine eigenen Handelsentscheidungen werden deutlich kontroverser beurteilt.

Lesen Sie auch:

Nächstes Ziel: 5000 Dollar - Analysten sehen beim Goldpreis weiterhin Potenzial

Oder:

Warum selbst der Zinsanstieg den Goldpreis nicht stoppen wird