Der Goldpreis hat einen schwachen Oktober hinter sich. Am Freitag fiel er um 3,7 Prozent auf 3.870 Dollar, den tiefsten Stand seit über einem Jahr. Die Commerzbank hat die Ursachen des Kurssturzes analysiert und kommt zu bemerkenswerten Schlussfolgerungen.
Zu einem Teil sieht Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch die Ursache der Goldpreisschwäche in der amerikanischen Geldpolitik. Die kräftig gestiegenen Ölpreise erhöhen den Inflationsdruck und damit die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed. Bereits im September hatte sie ihren Leitzins angehoben. Angesichts der robusten US-Konjunktur und einer weiterhin deutlich über dem Inflationsziel liegenden Teuerungsrate hält die Commerzbank einen weiteren Zinsschritt im Dezember für sehr wahrscheinlich.
Für Gold entsteht dadurch ein ungewöhnliches Spannungsfeld. Einerseits gilt das Edelmetall traditionell als Inflationsschutz. Andererseits erhöhen steigende Anleiherenditen und Realzinsen die Opportunitätskosten der Goldanlage, weil das Edelmetall selbst keine laufenden Erträge abwirft.
Allerdings erklärt dieser Zusammenhang den jüngsten Preissturz nur teilweise. Nach der vergangenen Fed-Sitzung, bei der die Zinsen unverändert blieben, gingen die Zinserwartungen und sowohl die nominalen als auch die realen Anleiherenditen zurück. Eigentlich hätte dies den Goldpreis unterstützen müssen. Stattdessen setzte sich die Talfahrt fort.
Gold-ETFs und Aktienmärkte: Zwangsverkäufe als mögliche Ursache
Die Commerzbank vermutet deshalb einen weiteren wichtigen Belastungsfaktor: sogenannte Zwangsverkäufe. Wenn Aktienmärkte kräftig fallen, müssen Investoren mitunter kurzfristig Liquidität beschaffen, um Verluste auszugleichen oder Nachschussforderungen zu erfüllen.
Genau dies könnte nach den jüngsten Kursverlusten hoch bewerteter Technologieaktien geschehen sein. Anleger dürften Gold über börsengehandelte ETFs und Terminkontrakte verkauft haben, obwohl sich die fundamentalen Aussichten für das Edelmetall nicht entsprechend verschlechtert hatten.
Dazu passt, dass der weltweit größte und besonders liquide Gold-ETF (SPDR Gold Shares), der überwiegend von institutionellen Investoren genutzt wird, im Oktober Mittelabflüsse verzeichnete. Allerdings flossen anderen Gold-ETFs laut Bloomberg nahezu ebenso hohe Beträge zu. Eine allgemeine Flucht aus Goldanlagen lässt sich daraus nicht ablesen.
Zudem reduzierten spekulative Finanzinvestoren ihre Netto-Long-Positionen im Oktober auf den niedrigsten Stand seit fünf Monaten. Diese Entwicklung hatte jedoch bereits vor dem jüngsten Kurseinbruch stattgefunden. Die aktuellsten Verkaufsbewegungen sind in den verfügbaren Daten noch nicht erfasst, ein Teil könnte zudem außerbörslich (OTC) erfolgt sein.
Commerzbank stuft Rückgang als „übertrieben“ ein
Die Commerzbank bezeichnet den jüngsten Goldpreisrückgang ausdrücklich als übertrieben und ungerechtfertigt. Für eine Erholung spricht nach ihrer Einschätzung insbesondere die angespannte Haushaltslage der USA.
Das amerikanische Haushaltsdefizit überstieg im vergangenen Fiskaljahr sechs Prozent der Wirtschaftsleistung. Gleichzeitig erreichte die Staatsverschuldung rund 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Eine glaubwürdige Haushaltskonsolidierung erwartet die Bank unabhängig vom Ausgang der US-Zwischenwahlen nicht.
Steigende Zinsen würden die Schuldendienstkosten zusätzlich erhöhen. Deshalb bezweifelt Fritsch, dass die Fed ihre Geldpolitik angesichts der Schuldenproblematik so stark straffen kann, wie es zur nachhaltigen Inflationsbekämpfung eigentlich erforderlich wäre. Ein solches Szenario weist laut Commerzbank auf einen höheren Goldpreis hin.
Fazit: Die Prognosen der Commerzbank vom 10. September liegen bei 4.500 Dollar für Ende 2026 und 5.000 Dollar für Ende 2027. Sie wurden in der aktuellen Analyse nicht neu festgelegt. Auf Basis aktueller Daten (4.044 Dollar) müsste Gold dafür bis Ende 2026 um rund 11 Prozent und bis Ende 2027 um rund 23 Prozent steigen.
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