Der Goldpreis befindet sich nach seinem jüngsten Kursrutsch in einer labilen Verfassung. Zwei Analysehäuser halten einen Rückschlag auf 3.500 Dollar für möglich. Gleichzeitig sehen andere Experten Chancen auf eine kräftige Erholung.
Die Marke von 4.000 Dollar bleibt für den Goldmarkt von großer Bedeutung. Sollte sie dauerhaft unterschritten werden, könnten weitere Verkäufe folgen. Wie weit die Notierungen im ungünstigsten Fall fallen könnten, zeigen die Einschätzungen mehrerer Analysten.
Goldpreis-Prognose: Rückschlagrisiko bis 3.500 Dollar
So hält die Bank of America im Extremfall einen Durchschnittspreis von nur 3.500 Dollar im Jahr 2027 für möglich. Voraussetzung wäre allerdings eine weitere Eskalation des Nahostkonflikts, durch die der Ölpreis auf 150 Dollar steigen könnte. Auch Bernard Dahdah von der französischen Investmentbank Natixis hält unter bestimmten Bedingungen einen Rückschlag auf 3.500 Dollar für denkbar. Beide Häuser sind kurzfristig vorsichtig, mittelfristig aber deutlich optimistischer. Die 3.500 Dollar stammen aus negativen Wenn-dann-Szenarien, nicht aus der jeweils wahrscheinlichsten Entwicklung.
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State Street: Goldpreis könnte bis auf 5.500 Dollar steigen
Deutlich zuversichtlicher beurteilt State Street Investment Management um Goldstratege Aakash Doshi die mittelfristigen Aussichten. Allerdings räumt sein Analystenteam inzwischen wachsende Abwärtsrisiken ein. Laut einem Kitco-Bericht vom 27. Oktober hält State Street an seiner Prognose fest, wonach Gold bis Ende März 2027 zwischen 4.750 und 5.500 Dollar notieren könnte. Ausgehend von 4.000 Dollar entspräche die untere Grenze einem Anstieg um fast 20 Prozent.
Die Wahrscheinlichkeit für dieses optimistische Szenario hat das Analysehaus allerdings von 70 auf 60 Prozent reduziert. Die Wahrscheinlichkeit für das negative Szenario beziffert es nun auf 35 Prozent. In diesem Fall würde sich der Goldpreis während der kommenden sechs bis neun Monate lediglich zwischen 4.000 und 4.750 Dollar bewegen.
Als Belastungsfaktoren nennt State Street die restriktive Geldpolitik der US-Notenbank, steigende Anleiherenditen und den starken Dollar. An den Terminmärkten werden mittlerweile weitere Zinserhöhungen erwartet. Hohe Renditen treiben die Opportunitätskosten unverzinster Goldanlagen nach oben und könnten die Nachfrage bremsen.
Dennoch sieht State Street weiterhin fundamentale Unterstützung. Insbesondere die Anlegernachfrage bleibt robust. Nach Einschätzung der Analysten sprechen die Zuflüsse in Gold-ETFs für anhaltende strategische Investments, bei denen Gold als Absicherung gegen geldpolitische Risiken, als Alternative zu Papierwährungen und zur Diversifikation dient.
Fed-Geldpolitik und Charttechnik entscheiden über Goldpreis
Ein weiteres Risiko erkennt State Street in möglicherweise zu optimistischen Erwartungen der Fed an die wirtschaftlichen Vorteile künstlicher Intelligenz. Sollten die erhofften Produktivitätssteigerungen ausbleiben, könnten hohe Finanzierungskosten Verbraucher, Unternehmen und den amerikanischen Staat erheblich belasten.
Gleichzeitig dürfte die Kerninflation nach Einschätzung der Notenbank erst 2029 wieder ihr Zielniveau erreichen. Daraus könnte eine Stagflation entstehen, bei der schwaches Wirtschaftswachstum auf anhaltend hohe Inflation trifft. Ein solches Umfeld könnte die Attraktivität von Gold als Wertspeicher und Absicherung gegen geldpolitische Unsicherheit wieder erhöhen.
Charttechnisch bleibt die Lage allerdings angespannt. State Street nennt 4.121 und 4.000 Dollar als wichtige Unterstützungen. Ein dauerhafter Bruch könnte eine tiefere Korrektur auslösen. Oberhalb von 4.231 Dollar wäre dagegen ein erstes Nachlassen des Verkaufsdrucks erkennbar. Weitere Widerstände liegen im Bereich der 50- und 200-Tage-Linie, die aktuell bei ungefähr 4.325 beziehungsweise 4.520 Dollar liegen.
Fazit: Für Privatanleger ergibt sich somit ein zwiespältiges Bild. Während die kurzfristigen Risiken zunehmen, bleibt eine kräftige Erholung bis Anfang 2027 möglich. Entscheidend dürfte sein, ob die Fed ihre restriktive Geldpolitik fortsetzt oder sich das wirtschaftliche Umfeld zunehmend zugunsten des Goldpreises verändert.
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