Der Goldpreis steht nach seinem jüngsten Kursrutsch charttechnisch unter Druck. Die Börsenplattform TradingView liefert dafür einen deutlichen Hinweis: Ihre technischen Indikatoren signalisieren überwiegend Verkauf. Doch gerade die ausgeprägte Kursschwäche könnte eine Erholung begünstigen.
Von den 26 auf TradingView erfassten Timingindikatoren sprechen derzeit 15 für einen Verkauf, neun für das Halten und lediglich zwei für den Kauf von Gold. Damit überwiegen die negativen Signale deutlich. Allerdings bedeutet eine solche Konstellation nicht zwangsläufig, dass weitere Kursverluste bevorstehen. Nach starken Abwärtsbewegungen können technische Indikatoren auch auf eine übertriebene Marktreaktion hindeuten.
Goldpreis und 200-Tage-Linie: Hinweise auf eine Bodenbildung
Roukaya Ibrahim, leitende Rohstoffstrategin beim Analysehaus BCA Research, sieht durchaus Chancen auf eine kurzfristige Stabilisierung. In einem am 26. Oktober veröffentlichten Interview mit Kitco News verweist sie zum Beispiel auf die Abweichung des Goldpreises von seiner 200-Tage-Durchschnittslinie. Diese habe ein Niveau erreicht, das zuletzt Ende Juli zu beobachten gewesen sei. Damals bildete Gold einen kurzfristigen Boden aus und erholte sich anschließend deutlich.
Die aktuelle Konstellation könnte ebenfalls darauf hindeuten, dass der Verkaufsdruck inzwischen übertrieben ist. Ibrahim hält deshalb eine technische Gegenbewegung für möglich. Eine neue kräftige Goldpreisrally erwartet sie allerdings nicht. Vielmehr rechnet die Strategin mit einer Seitwärtsbewegung, weil positive Chartsignale auf ungünstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen treffen.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Marke von 4.000 Dollar. Sie bleibt laut Ibrahim eine kritische Unterstützung. Sollte der Goldpreis dauerhaft darunter fallen, könnte das auf weitere Schwäche hindeuten.
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Goldpreis Prognose: Dollar, Inflation und Fed bleiben Belastungsfaktoren
Für ihre vorsichtige Einschätzung führt Ibrahim mehrere Gründe an. Besonders wichtig sei die Entwicklung des Dollars, dessen Einfluss auf Gold zuletzt größer gewesen sei als jener der Realzinsen. Da sie bis zum Jahresende mit einem relativ starken Dollar rechnet, sieht sie wenig Spielraum für einen nachhaltigen Preisanstieg.
Hinzu kommen anhaltende Inflationsrisiken. Der Nahostkonflikt und die gestiegenen Energiepreise erschweren es der US-Notenbank Fed, ihre restriktive Geldpolitik zu lockern. Ibrahim warnt zudem vor einer möglichen Eskalation nach den amerikanischen Zwischenwahlen. Dadurch könnte die energiegetriebene Inflation weiter zunehmen und die Fed in ihrer restriktiven Haltung bestärken.
Bemerkenswert findet die Strategin, dass Gold zuletzt trotz rückläufiger US-Anleiherenditen und grundsätzlich unterstützender Währungsbewegungen nachgab. Sie vermutet deshalb, dass die Verkaufswelle auf Liquiditätsengpässe an mehreren Finanzmärkten zurückzuführen war. Einen grundlegenden Bruch der langfristigen Argumente für Gold erkennt sie darin aber nicht.
Goldpreis 2027: Zentralbanken und Privatanleger als Hoffnungsträger
Langfristig sieht Ibrahim weiterhin wichtige Nachfragefaktoren. Die Zentralbanken dürften ihre Goldkäufe auf hohem Niveau fortsetzen, auch wenn eine deutliche Beschleunigung unwahrscheinlich erscheint. Insbesondere China könnte niedrigere Preise nutzen, um seine Goldreserven aufzustocken.
Noch größere Impulse könnten von privaten Investoren ausgehen. Wachsende Sorgen über die amerikanische Staatsverschuldung und die Haushaltsdefizite könnten zusätzliche Mittel in Gold-ETFs und andere Anlageprodukte lenken.
Fazit: Für Anfang 2027 hält Ibrahim ein freundlicheres Marktumfeld für möglich, sofern der Dollar schwächer wird und der Inflationsdruck nachlässt. Bis dahin dürfte der Goldpreis zwischen kurzfristigen Belastungen und langfristig unterstützenden Nachfragefaktoren schwanken.
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